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Berlin und München - Die Füchse Berlin rutschen durch den Abbruch der HBL und die Quotienten-Wertung aus den europäischen Plätzen. Es gibt aber eine kleine Hoffnung für Boss Bob Hanning.

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Der Abbruch der Handball-Bundesliga könnte harte sportliche Folgen für die Füchse Berlin haben.

Weil sich das Präsidium der Liqui Moly Bundesliga gegen eine Annullierung und für die Anwendung der Quotientenregel entschied, fallen die Füchse Berlin vom fünften auf den sechsten Platz zurück.

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Der Grund: Die Füchse (Quotient von 129,63 / 35 Pluspunkte, 27 Spiele) standen in der Tabelle bisher zwar vor den Rhein-Neckar Löwen (130,77 / 34 Pluspunkte, 26 Spiele), hatten aber eine Partie mehr absolviert und rutschten durch den Quotienten ab. Damit verpasst Berlin die Qualifikation für das europäische Geschäft über die Liga-Tabelle.

Die Quotienten-Regelung besagt, dass die Pluspunkte durch die Anzahl der absolvierten Spiele am Stichtag 12. März 2020 dividiert werden. Der ermittelte Wert ist mit 100 zu multiplizieren und auf eine Stelle nach dem Komma zu runden.

Hanning: Kein Protest

Bob Hanning erklärte bei SPORT1, dass der Klub aber keinen Protest einlegen wolle.

"In solchen Situationen muss man das Gesamtbild im Blick haben und das ist manchmal wichtiger als ein Einzelinteresse. Von daher wäre es kein gutes Zeichen, wenn sich Gerichte mit irgendwelchen Themen beschäftigen. Man muss es einfach so nehmen, wie es ist", sagte der Füchse-Geschäftsführer.

Hanning weiter: "Es gibt keine gerechte Lösung. Wir haben ein HBL-Präsidium, das eine Entscheidung treffen musste. Dass ich gerne in Europa dabei gewesen wäre, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Aber wenn man selbst betroffen ist, kann man auch mal Situationen akzeptieren."

Es ergebe keinen Sinn, "Energie zu verschwenden für Dinge, die man nicht ändern kann."

Hanning hofft auf EHF-Cup als Rettung

Berlin klammert sich aber noch an Hoffnungsschimmer. Über einen Sieg beim (noch) laufenden EHF-Cup könnte die Qualifikation für den Europapokal in der nächsten Saison noch gelingen.

Ein andere Möglichkeit: Wenn Magdeburg oder die Rhein-Neckar Löwen das Turnier gewinnen, erhält Deutschland auch den sechsten Startplatz über die Liga.

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Hanning: "Ich würde sagen, wir haben eine 75-prozentige Chance, nächstes Jahr europäisch zu spielen. Wenn wir uns dann sportlich qualifizieren, freue ich mich umso mehr.“

Berlin steht nach vier Spieltagen in der Gruppe D auf Rang eins, die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe kommen weiter.

Hanning: Final Four im August schwierig

Das Final-Four-Turnier des EHF-Pokals soll am 29. und 30. August in der Berliner Max-Schmeling-Halle stattfinden, wie die Europäische Handballförderation (EHF) zuletzt bekannt. Ursprünglich sollten die Spiele bereits Ende Mai ausgetragen werden.

Die abschließenden Spieltage fünf und sechs der Gruppenphase würden somit zwischen dem 1. und 7. Juni stattfinden - was momentan aber höchst fraglich erscheint, genauso wie die anderen Termine infolge des bisherigen zeitlichen Verlaufs der Pandemie zunächst recht unwahrscheinlich klingen.

Hanning rechnet aber noch mit einer Fortführung des Wettbewerbs, sagt aber: "Ob das Final Four im August stattfinden kann, ist sicherlich schwierig. Das werden wir in den nächsten 14 Tagen auch mit der IHF besprechen."

Der DHB-Vizepräsident betonte: "Die Spiele im Europapokal der Folgesaison fangen nie vor November, Dezember an. Da gibt es keinen Stress."

Füchsen steht Wildcard in Aussicht

Gleichwohl könnte es am Ende auch darauf hinauslaufen, dass die Füchse mit einer Wildcard doch noch ins europäische Geschäft rutschen - wegen der Leistungsstärke der HBL war eine solche Regelung in der Vergangenheit schon des öfteren umgesetzt worden.

"Wir haben auch beim Super Globe schon mal eine Wildcard bekommen. Wir sind bis jetzt in Europa und der Welt bislang nicht zu kurz gekommen. Ich gehe aber erstmal davon aus, dass das Final-Four-Turnier stattfindet. Solange es nicht anders kommt, mache ich mir nicht über andere Szenarien Gedanken", meinte Hanning.

Falls es mit der Europa-Qualifikation aber nicht klappen sollte, sieht der 52-Jährige nicht schwarz.

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"Wenn wir eine 20er Liga haben, dann gibt es auch genügend andere Spiele. Dann kann Jaron (der zukünftige Coach Jaron Siewert, Anm. d. Red.) im Zweifel ein bisschen mehr trainieren. Das würde vielleicht unseren Nationalspielern auch ganz gut tun. Es gibt immer ein Für und wider", erklärte Hanning.

Zumindest finanziell ist die Lage für Berlin (noch) nicht bedrohlich. "Wir sind ein gesunder Klub. Wir haben noch nie eine rote Zahl geschrieben. Das heißt, wir haben auch eine Gewinnrücklage geschaffen", sagte Hanning zuletzt.

"Nichtsdestotrotz ist eine solche Situation dauerhaft auch für die Füchse nicht haltbar. Im Moment leben wir noch von einem stabilen Partnernetzwerk", meinte Hanning: "Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass auch viele Partner gesagt haben, dass sie erst einmal ihre Sorgen lösen müssen, bevor sie uns helfen können. Das ist unternehmerisch auch eine völlig richtige Entscheidung."

Löwen profitieren, Kiel Meister

Was die HBL angeht: Meister wurde der bisherige Tabellenführer Kiel. Die SG Flensburg-Handewitt ist Tabellenzweiter und dadurch ebenfalls für die Champions League 2020/21 qualifiziert.

Die Tabellenplätze 3-5 berechtigen zur Teilnahme an der European League (vorher EHF Cup), für die neben den Löwen der SC Magdeburg und die TSV Hannover-Burgdorf qualifiziert sind.

Absteiger wird es nicht geben, Aufsteiger sind HSC 2000 Coburg und TuSEM Essen. Die HBL startet mit 20 Klubs in die neue Saison, in der es vier Absteiger geben wird.