Bob Hanning lobt die BBL für ihr Finalturnier und hätte das gerne in der HBL gesehen
Bob Hanning von den Füchsen Berlin ist für eine Fortsetzung der HBL-Saison © Imago
Lesedauer: 5 Minuten

München - In der HBL steht eine Entscheidung kurz bevor. Bob Hanning äußert bei SPORT1 einen klaren Wunsch und spricht über die finanzielle Lage der Füchse Berlin.

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Setzt die Handball-Bundesliga ihre Saison fort oder kommt es zum Abbruch?

Die Entscheidung fällt im Abstimmungsverfahren, wie Bundesliga-Geschäftsführer Frank Bohmann dem SID mitteilte. Alle Bundesligisten sollen demnach auf diesem Wege schriftlich über Abbruch oder Fortsetzung bis Anfang kommender Woche votieren. Für eine Entscheidung braucht es eine Zweidrittelmehrheit.

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Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, befürwortet eine Fortsetzung. Darüber hinaus sprach der 52-Jährige im SPORT1-Interview über einen Vorschlag, den er bei der HBL eingereicht habe, und die finanzielle Lage bei den Füchsen Berlin.

SPORT1: Herr Hanning, die HBL entscheidet in Kürze, ob die Saison abgebrochen oder weitergespielt wird. Wie stehen Sie dazu?

Bob Hanning: Ich habe eine klare Meinung: Weiterspielen! Ich glaube, dass das möglich ist, akzeptiere aber natürlich auch jede andere Meinung. Wir haben über unterschiedliche Strategien gesprochen und werden in einem Umlaufverfahren dann entscheiden.

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SPORT1: Warum haben Sie so ein großes Interesse daran, dass weitergespielt wird?

Hanning: Persönlich bin ich der Meinung, dass es schöner ist, einen Meister nach 34 Spielen zu haben als nach 26. Ich finde, wenn es die Möglichkeit gibt, in der Öffentlichkeit weiter wahrgenommen zu werden, wäre es fatal, das nicht zu nutzen. Immer unter der Berücksichtigung, dass alle Regeln eingehalten werden müssen und einer Planbarkeit und Umsetzbarkeit.

Hanning: "Füchse von Zuschauereinnahmen abhängig"

SPORT1: Durch das Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August könnten definitiv keine Zuschauer dabei sein. Viele Vereine sagen daher, dass ihnen eine Fortsetzung nichts bringe, da sie von Ticketingeinnahmen abhängig seien. Wie sehr sind die Füchse Berlin von Zuschauereinnahmen abhängig?

Hanning: Die Füchse Berlin sind auch von Zuschauereinnahmen abhängig. Natürlich ist das eine Situation, die durch zusätzliche Sponsoreneinnahmen aufgefangen werden könnte. Wie gesagt: Es gibt verschiedene Optionen und jetzt kann man entscheiden, ob das machbar ist oder man sich dazu entscheidet, die Saison abzubrechen. Dann können wir damit natürlich auch leben. Mir geht es nur darum, zu sagen, dass wir in die Öffentlichkeit gehören. Mehr als ein halbes Jahr zu verschwinden, ist nicht ratsam. Das passt nicht zu einer Sportart wie dem Handball. Man sieht das auch am Beispiel Volleyball, wo es schon drei Vereine weniger gibt. Das kann nicht unser dauerhafter Anspruch sein. Von daher vertrete ich eine andere Position als andere.

SPORT1: Glauben Sie, dass es eine realistische Chance gibt, dass die Saison fortgesetzt wird?

Hanning: Das kann ich nicht sagen. Es müsste auch erst mal möglich sein, dass gespielt wird, und wir müssen abwarten, wie es im Fußball weitergeht. Das sind Themenfelder, die abgeklopft werden müssen. Dazu kommt natürlich auch unsere Entscheidung, bis zum 30. Juni die Saison abgeschlossen haben zu müssen. Es gibt jetzt ein Umlaufverfahren und wir müssen überlegen, was wir tun.

SPORT1: Nehmen Sie den Fußball als Vorbild?

Hanning: Wir sind nicht vergleichbar mit dem Fußball, weil wir andere Parameter haben. Trotzdem schauen wir genau hin, was dort gemacht wird und was möglich ist. Darüber gibt es dann immer die Möglichkeit einer eigenen Orientierung.

Hanning über Saisonstart ohne Zuschauer

SPORT1: In der öffentlichen Diskussion geht es meistens nur darum, ob in der Fußball-Bundesliga Geisterspiele möglich sind. Fühlen Sie sich dadurch benachteiligt?

Hanning: Ich fühle mich überhaupt nicht benachteiligt, weil ich längst keine Erwartungshaltung mehr habe und weiß, dass wir am Ende des Tages auf uns gestellt sind. Darauf zu warten, dass andere helfen, gibt es in meinem Realitätsbewusstsein nicht. Wenn man nichts erwartet, ist es auch einfacher, nicht enttäuscht zu werden.

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SPORT1: Könnten Sie sich vorstellen, die neue Saison ohne Zuschauer zu starten?

Hanning: Wir sind auf Zuschauereinnahmen angewiesen. Ein Saisonstart im September ist immer noch möglich. Von daher glaube ich, dass wir mit der Saison nicht vor Anfang September beginnen würden. Das wäre auch unsinnig.

SPORT1: Wäre es denkbar, den Saisonstart nach hinten zu verschieben und den Spielplan zu straffen? Gibt es dazu bereits Pläne?

Hanning: Es müssen alle Szenarien diskutiert werden. Ich gehe von einem normalen Ligastart Anfang oder Mitte September aus.

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Hanning: Berlin mit Gewinnrücklagen

SPORT1: Kommen alle HBL-Klubs finanziell über die Runden?

Hanning: Die Frage ist, wie lange die Leidenszeit dauert und wie gut die Vereine einzeln aufgestellt sind. Viele kommen mit dem Kurzarbeitergeld finanziell gut über die Runden. Das ist bei uns beispielsweise nicht der Fall. Die Sachlage ist komplett unterschiedlich. Daher muss man gemeinschaftlich faire Lösungen finden. Niemand hat etwas davon, wenn uns so etwas passiert wie im Volleyball. Wir müssen alle gut aufeinander aufpassen.

SPORT1: Wie ist die Lage in Berlin?

Hanning: Wir sind ein gesunder Klub. Wir haben noch nie eine rote Zahl geschrieben. Das heißt, wir haben auch eine Gewinnrücklage geschaffen. Nichtsdestotrotz ist eine solche Situation dauerhaft auch für die Füchse nicht haltbar. Im Moment leben wir noch von einem stabilen Partnernetzwerk. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass auch viele Partner gesagt haben, dass sie erst einmal ihre Sorgen lösen müssen, bevor sie uns helfen können. Das ist unternehmerisch auch eine völlig richtige Entscheidung.