Martin Schwalb feiert nach rund fünfeinhalb Jahren sein Comeback als Trainer
Martin Schwalb feiert nach rund fünfeinhalb Jahren sein Comeback als Trainer © Getty Images
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München - Im Juli 2014 springt Martin Schwalb dem Tod nur knapp von der Schippe. Knapp fünfeinhalb Jahre später feiert er nun als neuer Löwen-Trainer seine Rückkehr.

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Wenn Martin Schwalb am Mittwoch mit den Rhein-Neckar Löwen im EHF-Cup gegen Liberbank Cuenca antritt, schließt sich für den 56-Jährigen der Kreis. (EHF-Cup: Rhein-Neckar Löwen – Liberbank Cuenca, ab 19.30 Uhr im LIVETICKER)

Erst am Dienstag hatten die Löwen den früheren Nationalspieler als Nachfolger des entlassenen Kristján Andrésson verkündet. Sechs Jahre lang hatte er zuvor seit seinem Aus beim HSV Hamburg nicht mehr als Trainer gearbeitet, gegen die Spanier feiert er nun nach exakt 2104 Tagen sein Comeback.

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"Das Feuer brennt nach wie vor. Ich spüre eine große Energie und Motivation, das alles wieder erleben zu dürfen", kündigte er daher bereits voller Vorfreude an, er habe "Schmetterlinge im Bauch" sagte er dem SID.

HSV wird unter Schwalb zum Spitzenteam

Doch nicht nur bei Schwalb selbst dürfte die Vorfreude vor seiner Premiere gegen den spanischen Klub riesig sein, auch die Fans des zweimaligen Deutschen Meisters dürften beim Blick auf die Vita des gebürtigen Stuttgarters von einer besseren Zukunft träumen.

Drei Mal wurde er als Spieler mit dem TV Großwallstadt, TUSEM Essen und der SG Wallau/Massenheim deutscher Meister, holte zudem drei Mal den DHB-Pokal und zwei Mal den Europacup. Mit 2272 Toren ist er bis heute obendrein viertbester Torschütze der Handball-Bundesliga.

Martin Schwalb gewann mit dem HSV Hamburg die Champions League, den DHB-Pokal und die Deutsche Meisterschaft
Martin Schwalb gewann mit dem HSV Hamburg die Champions League, den DHB-Pokal und die Deutsche Meisterschaft © Getty Images

Als Trainer formte er den HSV Hamburg ab 2005 kontinuierlich zum Spitzenverein, gekrönt mit den Pokalsiegen 2006 und 2010, der Meisterschaft 2011 und dem Gewinn der Champions League 2013.

Nachdem der HSV in der Saison 2013/2014 allerdings die erneute Qualifikation für die Königsklasse verpasste und sich das Verhältnis von Schwalb und dem damaligen Klub-Mäzen Andreas Rudolph zunehmend verschlechterte, kam es schließlich zur Trennung.

Schwalb springt Tod nur knapp von der Schippe

Wenige Tage nach dem HSV-Aus folgte dann der Schock. Am 3. Juli 2014 machte sich Schwalb gemeinsam mit seiner Frau Gabi auf den Weg zu einer Schulaufführung seines Sohnes Maximilian, doch schon auf dem Pausenhof fühlte er sich unwohl. 

Ohne seine Gattin fuhr er wieder nach Hause und erlitt dort einen Herzinfarkt. Zu seinem Glück hatte seine Frau eine befreundete Nachbarin darum gebten, nach ihm zu schauen. Diese fand ihn schließlich in seinem Schlafzimmer liegend, wählte den Notruf und rettete Schwalb damit das Leben.

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"Bei mir handelte es sich um einen sogenannten großen Vorderwand-Herzinfarkt. Zwei Arterien waren betroffen. Eine war zu 95 Prozent zu, die andere fast komplett. Man sagte mir, dass es mit diesen Symptomen nur 40 Prozent ins Krankenhaus schaffen", machte er ein paar Monate später im Interview mit der Sport Bild deutlich, wie viel Glück er gehabt hatte.

Der Darstellung, wonach der Herzinfarkt Folge seiner Entlassung gewesen sei, widersprach er zwar umgehend, dennoch wollte er nicht abstreiten, dass die schwierige Gesamtsituation beim HSV durchaus im Zusammenhang mit dem Herzinfarkt stehen könnte.

Herzinfarkt sorgt für Umdenken 

Im Anschluss an das einschneidende Erlebnis änderte Schwalb sein Leben grundlegend. Der schon zuvor immer schlanke Ex-Profi nahm noch einmal ab, ging fortan vier bis fünf Mal in der Woche ins Fitnessstudio und hörte mit dem Rauchen auf.

"Ich bin fit, so fit wie seit Jahren nicht mehr. Ich brenne wieder. Wenn ich wieder rauchen würde, versündigte ich mich mit allen Leuten, die mir geholfen haben, dass ich überhaupt noch auf dieser schönen Welt sein darf. Das wäre doch Verrat", sagte er Ende 2014 im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt.

Und dennoch, auf eine Rückkehr auf die Trainerbank musste er im Anschluss noch über fünf Jahre warten, auch wenn es nicht an Gelegenheiten mangelte. "Es ist schon so, dass in den letzten Jahren das ein oder andere Angebot reingeflattert ist", erklärte er nach seinem Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen.

Schwalb träumt vom Job als Bundestrainer

Einen Job, den er gerne angetreten hätte, wäre der des Bundestrainers gewesen. "Das hat mich immer gereizt und wird mich immer reizen. Ich war jahrelang in der Bundesliga und Champions League als Trainer und auch ganz erfolgreich" erklärte er 2018 im Interview mit der Westdeutschen Zeitung.

Martin Schwalb (l., hier mit Dagur Sigurdsson) hätte sich auch den Job als Bundestrainer gut vorstellen können
Martin Schwalb (l., hier mit Dagur Sigurdsson) hätte sich auch den Job als Bundestrainer gut vorstellen können © Getty Images

Schon vier Jahre zuvor hatte er sich enttäuscht darüber gezeigt, bei der Suche nach einem Nachfolger von Martin Heuberger übergangen worden zu sein. "Ich gebe zu, dass ich total gerne Bundestrainer geworden wäre. Und ich finde es zumindest verwunderlich, dass es dahingehend nicht mal zu Gesprächen gekommen ist", sagte er damals der Sport Bild.

Die Rhein-Neckar Löwen seien jetzt "der richtige Verein", sagte Schwalb zu seinem Amtsantritt. Er sei gespannt, "was wir gemeinsam bewegen können. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber auch eine Aufgabe, die sehr viel Spaß machen kann."

Löwen in der Bundesliga noch ohne Sieg 2020

Bei den Löwen besitzt er laut Bericht des Mannheimer Morgen einen Vertrag bis 2021, seine Tätigkeiten als Experte für den TV-Sender Sky und als Vizepräsident des HSV lässt er solange ruhen.

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Als erste Amtshandlung will Schwalb nun erst einmal "viele Gespräche" führen und "Ruhe und Grund" beim bis auf Platz sechs abgerutschten Ex-Meister reinbringen.

Viel Zeit dafür hat er allerdings nicht. Nach dem Spiel gegen Liberbank Cuenca geht es für die Löwen bereits am Samstag in der Bundesliga gegen den TSV Hannover-Burgdorf weiter. Ein Sieg beim Comeback von Schwalb wäre zugleich auch der erste für die Löwen in diesem Jahr.