Christian Schwarzer erwartet auch in der kommenden HBL-Saison einen spannenden Titelkampf © SPORT1-Montage
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Vor dem HBL-Saisonstart analysiert Christian Schwarzer, Weltmeister von 2007, für SPORT1 die Situation der Liga und nennt seine Favoriten sowie Überraschungsteams.

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Hallo Handball-Fans,

Donnerstag geht es los mit der Handball-Bundesliga und ich hoffe, es wird eine genauso spannende Spielzeit wie die vergangene Saison.

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Es ist für alle Beteiligten klasse, wenn bis zum Schluss um die deutsche Meisterschaft gekämpft wird. Das gilt natürlich auch für den Abstiegskampf, wo bis zum letzten Spieltag alles offen war.

Ich würde aber lügen, wenn ich jetzt große Überraschungen erwarten würde. Die Top 3 - auch vom Kader her - sind der aktuelle Meister SG Flensburg-Handewitt, der THW Kiel und die Rhein-Neckar Löwen.

Interessant wird sein, wie Flensburg den Verlust von Rasmus Lauge Schmidt und Tobias Karlsson kompensieren wird. Das waren ganz wichtige Spieler für Flensburg. Natürlich hat man mit Michal Jurecki einen ganz erfahrenen Spieler dazubekommen, aber Lauge und Karlsson hatten natürlich schon wahnsinnige Qualitäten.

Der Vorteil von Flensburg ist, dass sie ihren Trainer behalten und eine funktionierende Einheit haben.

Der THW Kiel hat mit Filip Jicha dagegen einen neuen, jungen Trainer bekommen, aus meiner Sicht aber den besten und ausgeglichensten Kader. Es wird viel drauf ankommen, wie Filip mit der Situation umgeht.

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Er hat in seiner Karriere viele gute Trainer miterleben dürfen. Filip sollte daher jetzt nicht versuchen, irgendjemanden zu kopieren, sondern seinen eigenen Weg finden. Dann wird er sich seinen eigenen Trainer-Status erarbeiten und das kann zu einem Vorteil werden - nach so vielen Jahren Alfred Gislason.

Man darf auch nicht vergessen, dass Kiel in den vergangenen vier Jahren keine Meisterschaft gewinnen konnte. Da können frisches Blut und neue Ideen von Jicha durchaus guttun.

Aber die Rhein-Neckar Löwen haben ebenfalls einen starken Kader, der mit der Rückkehr von Uwe Gensheimer noch mehr an Qualität gewonnen hat. Er ist das Gesicht des Teams und steht wie kaum ein anderer für diesen Verein. Das kann noch einmal den entscheidenden Schub geben.

Auch sie haben einen jungen Trainer. Dieser ist allerdings aus Schweden, kennt die Liga nicht und ich weiß nicht, wie gut er schon Deutsch spricht - das könnte gerade in der Anfangszeit noch zu Problemen führen.

Diese Unbekannten machen den Kampf um die Spitze so interessant. Und dann darf man auch nicht vergessen, dass man in der zweiten Reihe Teams wie den SC Magdeburg oder MT Melsungen hat. Gerade in Melsungen finde ich diesen Weg mit vielen jungen deutschen Spielern sehr interessant.

Ich hoffe auch, dass wieder eine Überraschungsmannschaft der Liga ihren Stempel aufdrücken kann, wie es vergangene Saison der Bergische HC getan hat. Das belebt die Liga ja auch, wenn Mannschaften, die vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelt wurden, so eine Saison spielen.

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Auch wenn die Bundesliga aufgrund der großen Liga und der enormen Qualitätsdichte im Vergleich zu anderen Spitzenklubs wie PSG oder Kielce in der Champions League womöglich etwas im Nachteil ist, traue ich Kiel und Flensburg den Sprung ins Final Four zu.

Die Vorrunde muss man einfach hinter sich bringen. Danach kommt es in den K.o.-Spielen drauf an, dass man in zwei Spielen seine beste Leistung abrufen. Ein schlechter Tag kann alles zunichte machen. Denn in der Champions League gibt es in der K.o.-Runde keine Gurkentruppen mehr.

Euer Christian Schwarzer

Christian "Blacky" Schwarzer, 49, hat 318 Länderspiele für Deutschland absolviert und erzielte dabei 965 Tore. Mit dem TBV Lemgo gewann der Kreisläufer den DHB-Pokal (2002) und die Deutsche Meisterschaft (2003). 2006 fügte er mit Lemgo noch den EHF-Cup seiner Titelsammlung hinzu. Bereits zuvor holte er mit dem FC Barcelona in Spanien das Triple aus Meisterschaft und Pokal sowie der Champions League (2000). Mit der Nationalmannschaft holte er 2004 Silber bei den Olympischen Spielen in Athen und wurde im gleichen Jahr Europameister. Beim Wintermärchen 2007 gewann er mit dem DHB-Team den WM-Titel im eigenen Land.