© SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Getty Images/ Imago
Lesedauer: 3 Minuten

München - SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan kritisiert die Terminhatz im Handball und erklärt die möglichen Folgen für betroffene Vereine in der Bundesliga.

Anzeige

Hallo Handball-Fans,

die Rhein-Neckar-Löwen mussten am vergangenen Wochenende zwei Spiele innerhalb von nur 25 Stunden austragen. Am letzten Spieltag haben die Löwen dann in Melsungen eine Niederlage kassiert und die Tabellenführung verloren.

Anzeige

Hat das eine mit dem anderen zu tun?

Es wäre zu einfach, die Niederlage in Melsungen nur damit zu begründen, dass die Löwen innerhalb von so kurzer Zeit in der Bundesliga in Leipzig und in der Champions League in Barcelona spielen mussten. Die Mehrfachbelastung kann man aber nicht wegdiskutieren. 

Man kann so viele Spiele in einer Woche vertragen, aber die Auswirkungen kommen erst noch. Vielleicht in der Rückrunde, Verletzungen könnten sich häufen, die Spieler könnten anfälliger sein. Die Löwen spielen bis dato eine hervorragende Saison. Sie haben in Leipzig souverän gewonnen, danach in Barcelona einen Punkt geholt, da ist jetzt auch mal eine Niederlage in Melsungen erlaubt.

Die Löwen müssen deshalb keine Kopfschmerzen haben, aber das Problem bleibt bestehen.

Ich finde, dass das Problem auf dem Rücken der Mannschaften und der Spieler ausgetragen wird. Die HBL (Deutsche Handball-Liga) und die EHF (europäischer Verband) müssen die Verantwortung übernehmen, nicht die Klubs, die versuchen müssen, hier einen Termin zu finden und da einen Termin zu finden.

Ich hätte es fast gut gefunden, wenn die Löwen nur die zweite Mannschaft zu einem Spiel geschickt hätten, wie es ihr Management mal angedeutet hatte. Dann wären vielleicht alle aufgewacht.

Alle sitzen doch im selben Boot: Es geht um den deutschen Handball und den Handball generell in der Welt. Da muss man einfach aufeinander zugehen und darf nicht stur an seiner Haltung hängenbleiben. Hier müssen die HBL und die EHF in gemeinsamen Gesprächen versuchen, die Termine zu entzerren.

Die Reform der Champions League mit immer mehr Spielen kann ich auch nicht gutheißen. Klubs wie Veszprem und Barcelona wollen natürlich eine Weltliga, weil ihre eigene Liga nicht so stark ist. Da muss der Verband entgegenwirken. Ich habe kein Patentrezept, aber ich glaube, dass alle Parteien ein bisschen verzichten müssen. Ich war jahrelang gegen eine 16-er-Liga in Deutschland, aber als Kompromiss wäre es eine Möglichkeit. Die EHF müsste sich dann aber auch bewegen und die Belastungen in der Champions League verringern.

Solange man nicht an einem Strang zieht, bleibt das Dilemma bestehen.

Für die Fans ist es natürlich eine tolle Sache, dass die Bundesliga so spannend ist. Das war sie aber in den vergangenen Jahren zwar auch schon, aber jetzt ist sie noch etwas ausgeglichener und das macht auch Spaß. Aber dennoch geht die Ballung der Termine zu Lasten der Spieler - und das kann es eigentlich nicht sein.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Daniel

Handball-Experte Daniel Stephan, 44, hat 183 Länderspiele für Deutschland absolviert. Der erste deutsche Welthandballer (1998) wurde mit dem TBV Lemgo 1997 und 2003 Deutscher Meister sowie 1995, 1997 und 2002 DHB-Pokalsieger. Mit der Nationalmannschaft gewann der Rückraumspieler unter anderem 2004 die Europameisterschaft und Silber bei Olympia in Athen. Von 1997 bis 1999 wurde er dreimal in Folge zum Handballer des Jahres gewählt.