Daniel Stephan über den THW Kiel
Daniel Stephan über den THW Kiel © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1
Lesedauer: 4 Minuten

München - Für SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan liegen beim THW Kiel die Nerven blank. Bei einer weiteren Niederlage drohen Konsequenzen. Flensburg muss man Zeit geben.

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Hallo Handball-Fans,

die Pokalniederlagen des THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt sind insofern keine Sensation, dass sie bereits in der Bundesliga einige Male gepatzt haben. Speziell Kiel hat wirklich einen durchwachsenen Start gehabt.

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Im Pokal dann mit 0:8 zurückzuliegen, darf natürlich nicht passieren. Danach haben sie zwar eine große Aufholjagd gezeigt, doch aktuell liegen beim THW die Nerven etwas blank. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit ist weg und so hat Kiel das Spiel noch einmal aus der Hand gegeben.

In der Bundesliga und im Pokal raus, in der Champions League Vorletzter – da läuten in Kiel die Alarmglocken. Der THW muss aufpassen, dass die Saison nicht nach ein paar Monaten schon gelaufen ist.

Man muss Kiel auch etwas in Schutz nehmen: Domagoj Duvnjak fehlt an allen Ecken und Kanten. Würde sich bei den Löwen Andy Schmid ein halbes Jahr verletzen, würde es wohl ähnlich aussehen. Dennoch ist Kiels Kader stark genug, um mehr Spiele zu gewinnen, als sie es aktuell tun.

Fakt ist, dass Duvnjak bald wiederkommen und die Mannschaft führen muss. Im Angriff sieht man kaum einen, der die Verantwortung übernimmt. Steffen Weinhold versucht es, doch es fehlt einfach der Führungsspieler Duvnjak.

Domagoj Duvnjak vom THW Kiel
Domagoj Duvnjak vom THW Kiel © Getty Images

Das Spiel bei den Füchsen Berlin am Samstag kann nun bereits richtungsweisend sein. Verliert Kiel, muss man schon von einer großen Krise sprechen. Wahrscheinlich werden dann auch Konsequenzen gezogen. Ich traue Kiel aber einen Sieg zu.

Für Flensburg ist es eine Umstellung, dass der Co-Trainer zum Trainer wurde. Maik Machulla war zwar nah dran an Ex-Coach Ljubomir Vranjes, muss sich dessen Reputation jedoch erst neu erarbeiten.

Bei der Pokalniederlage gegen Berlin wurde das Torwartduell eindeutig verloren und auch bei den Tempogegenstößen präsentierte sich die SG nicht auf dem gewohnten Niveau. 

Insbesondere im Angriff stottert der Motor im Moment und die Durchschlagskraft im Rückraum fehlt. Das Spiel ist nicht mehr so leichtflüssig wie früher. Dennoch muss man Machulla die Zeit geben, bis sich alles eingespielt hat und die Spieler ihn verstanden haben.

Es ist aber insgesamt zu sehen, dass die Liga ausgeglichener ist. Die Spitze ist mit dem oberen Mittelfeld näher zusammengerückt. Andere Vereine haben aufgeholt und die Spitzenteams Flensburg und Kiel haben einen kleinen Rückschritt eingelegt.

So kommt es zustande, dass man nicht nur die drei üblichen Mannschaften ganz oben hat. Es ist viel Musik in der Bundesliga drin und es wird in dieser Saison auch dank Hannover-Burgdorf und den Füchsen Berlin sicher noch sehr spannend werden.

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Nur die Löwen haben ihr Niveau halten können, was eine imponierende Leistung ist. Es ist einfach beeindruckend, wie konsequent die Mannheimer ihren Weg weitergehen.

Vor der Saison haben die Löwen auch noch Kim Ekdal du Rietz verloren und sein Ersatz Momir Rnic kommt noch nicht so gut klar. Trotzdem spielen sie gut und haben mit Schmid einen überragenden Strategen in ihren Reihen.

Das Team hat keine große Schwäche und besitzt eine gute Abwehr, einen guten Gegenstoß sowie gute Torhüter – es funktioniert einfach alles. Nikolaj Jacobsen hat offenbar ein gutes Händchen und schafft es, dass viele Spieler an ihre Leistungsgrenzen kommen.

In der Bundesliga traue ich den Löwen daher den Titel zu. Das Wörtchen Triple möchte ich nicht in den Mund nehmen, da international einige Teams noch besser besetzt sind. Doch auch wenn sie in der Champions League nicht die Favoriten sind – zutrauen sollte man deutschen Mannschaften immer alles.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Daniel

Handball-Experte Daniel Stephan, 44, hat 183 Länderspiele für Deutschland absolviert. Der erste deutsche Welthandballer (1998) wurde mit dem TBV Lemgo 1997 und 2003 Deutscher Meister sowie 1995, 1997 und 2002 DHB-Pokalsieger. Mit der Nationalmannschaft gewann der Rückraumspieler unter anderem 2004 die Europameisterschaft und Silber bei Olympia in Athen. Von 1997 bis 1999 wurde er dreimal in Folge zum Handballer des Jahres gewählt.