Rhein-Neckar Loewen v THW Kiel - DKB HBL
Rhein-Neckar Loewen v THW Kiel - DKB HBL © Getty Images
Lesedauer: 4 Minuten

München - Die Rhein-Neckar Löwen krönen sich erneut zum deutschen Meister. Nicht nur Andy Schmid hat großen Anteil daran. SPORT1 beleuchtet die Gründe für den Triumph.

Anzeige

Bierduschen, Champagnerfontänen, Feierlieder: Die Rhein-Neckar Löwen verwandelten die SAP-Arena direkt nach dem Abpfiff in ein Tollhaus. Nachdem sie die Meisterschaft in der Handball-Bundesliga eindrucksvoll verteidigt hatten, gab es kein Halten mehr.

Der berauschende 28:19-Sieg gegen Rekordmeister THW Kiel besiegelte die erfolgreiche Titelverteidigung der Löwen, die vom Patzer des Verfolgers SG Flensburg-Handewitt bei Frisch Auf Göppingen profitierten.

Anzeige

Zwei Spieltage vor Saisonende, im Vergleich zu den vergangenen Jahren also früh, steht fest: Die Mannheimer sind zum zweiten Mal in Folge deutscher Meister.

SPORT1 analysiert die Gründe für den erneuten Titelgewinn der Löwen.

1. "Handballgott" Andy Schmid

Der Rückraumspieler zauberte erneut eine überragende Saison auf das Parkett. 140 Treffer gelangen dem MVP der vergangenen drei Jahre bislang in dieser Saison und gerade im Schlussspurt stellte der 33-Jährige seine Extraklasse unter Beweis.

Gegen Kiel spielte er in der zweiten Halbzeit groß auf, machte aus seinen ersten vier Würfen nach der Pause vier Treffer und kurbelte das Offensivspiel seines Teams an. Das SPORT1-Kommentatoren-Duo Markus Götz und Stefan Kretzschmar adelten Schmid während der Partie gar als "Handballgott".

Schon im vorentscheidenden Spitzenspiel gegen Flensburg am vergangenen Wochenende war Schmid der Matchwinner gewesen, als er in letzter Minute den Sieg mit einem krachenden Schlagwurf perfekt gemacht hatte.

2. Appelgren und das Abwehrbollwerk

Ebenfalls ein Schlüsselspieler bei den Löwen war Torhüter Mikael Appelgren. Im Schnitt gelangen dem Schweden in dieser Saison fast zehn Paraden pro Spiel.

Mit seinen überragenden Leistungen gegen Kiel sowie in Flensburg hatte er im Verbund mit der starken Abwehr großen Anteil daran, dass man gegen beide Topteams nur 19 und 21 Gegentreffer kassierte.

Er hat den Weggang des Weltklasse-Torhüters Niklas Landin in der Saison 2015/16 zum THW Kiel vergessen gemacht. Appelgren kam vor zwei Jahren aus Melsungen – und gewann zwei Mal den Titel in Mannheim.

3. Reifeprozess nach erstem Titel

Oft wird nach einem Erfolg vom "schwierigen zweiten Jahr" gesprochen. Der Druck ist größer, die Konkurrenz noch motivierter und die Fallhöhe entsprechend groß.

Die Löwen bewiesen nach dem Meistertitel im Vorjahr aber, dass sie durch den Triumph einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht haben.

Die Reife der Löwen zeigte sich vor allem nach den Rückschlägen. Das bittere Aus in der Champions League sowie im DHB-Pokal binnen zehn Tagen brachte das Team von Trainer Nikolaj Jacobsen nicht von seinem erfolgreichen Weg ab.

SPORT1-Experte Kretzschmar attestierte den Löwen hinzugewonnene Nervenstärke und Lockerheit.

4. Geschlossene Teamstärke nach Gensheimer-Abgang

Als Topfavorit auf den Meistertitel galten die Rhein-Neckar Löwen nicht unbedingt. Vor allem der Abgang von Aushängeschild und Leistungsträger Uwe Gensheimer nach Paris sorgte für Zweifel bei den Beobachtern.

Doch die Mannschaft fing den Verlust Gensheimers exzellent auf, was vor allem daran lag, dass nahezu jeder Spieler eine sichtbare Leistungsentwicklung zeigte.

Es zahlte sich aus, dass der Rest des Teams zusammenblieb und als geschlossene Einheit auch ohne Gensheimer sehr gut funktionierte.

5. Patzer und Verletzungspech der Konkurrenz

Ohne die hervorragende Leistung der Löwen zu schmälern – auch die Schwäche und das Pech der Konkurrenz half dem Meister.

Besonders der THW Kiel war arg vom Verletzungspech gebeutelt. Im Saisonverlauf fehlten Leistungsträger wie Steffen Weinhold, Domagoj Duvnjak, Niclas Ekberg und Rene Toft Hansen.

Die Ausfälle waren wohl auch ein Grund dafür, dass der Rekordmeister gegen auf dem Papier schwächere Teams wie TBV Lemgo, GWD Minden oder DHfK Leipzig wichtige Punkte liegen ließ.

Auch den ärgsten Konkurrenten um den Titel, die SG Flensburg-Handewitt, traf es hart. Mit Holger Glandorf fehlte den Norddeutschen im Ligaendspurt ein wichtiger Rückraum-Shooter – das zeigte sich auch im Duell gegen die Löwen.

Die mussten dagegen kaum Ausfälle verkraften und profitierten so von ihrer eingespielten Mannschaft.