Die DHB-Damen erhalten gegen Oranje eine Lehrstunde und sparen nach dem verpassten Gruppensieg nicht mit Selbstkritik. Gegen Dänemark soll vieles besser werden.

"Zu wenig", "gar nix", "Totalausfall": Bei den deutschen Handballerinnen dominierte nach der Lehrstunde gegen die Niederlande der Frust.

Die Mannschaft von Bundestrainer Michael Biegler verpasste beim 23:31 (10:18) gegen den Vize-Weltmeister nicht nur den angepeilten Gruppensieg bei der Heim-WM deutlich, sondern landete vor dem Achtelfinale am Sonntag (ab 20.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) auch auf dem Boden der Tatsachen.

Gegner in der Runde der letzten 16 ist Dänemark, das mit 27:32 gegen Russland verlor.  "Es ist, wie es ist. Wir nehmen die Herausforderung gegen Dänemark an - das ist in jedem Fall keine leichte Aufgabe", sagte DHB-Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld: "Wir müssen schnell aus dem Spiel gegen die Niederlande lernen und gegen Dänemark eine Reaktion zeigen." 

Denn die Leistung gegen Oranje war "gar nix", wie es DHB-Torhüterin Clara Woltering bezeichnete. Auch Alicia Stolle, mit sechs Toren der Lichtblick in der deutschen Offensive, legte den Finger tief in die Wunde: "Das war zu wenig in Abwehr und Angriff. Das müssen wir ganz schnell aufarbeiten und im Achtelfinale alles anders machen." Nadja Mansson sprach gar von einem "Totalausfall".

Niederlage war klarer Dämpfer

Bundestrainer Michael Biegler richtete sein Team, das nach dem ersten Rückschlag die Gruppe D mit 7:3 Punkten beendete, allerdings sogleich wieder auf: "Die Niederlage ist in der Höhe verdient. Aber die WM startet mit der K.o.-Phase jetzt neu."

DHB-Vizepräsident Bob Hanning sah einen "ganz klaren Dämpfer", zeigte sich aber ebenfalls zuversichtlich: "Ich bin mir sicher, dass wir schon am Sonntag einen anderen Auftritt sehen werden. Sie werden ins Viertelfinale einziehen."

Im Erfolgsfall träfe die deutsche Mannschaft am Dienstag (17.30 LIVE im TV auf SPORT1) in Leipzig auf den Sieger der Partie Schweden gegen Slowenien.

Gegen die Niederlande tigerte Biegler die Seitenlinie auf und ab, ruderte mit den Armen und kommentierte lautstark jede Aktion seiner Spielerinnen - doch es half nicht.

Schon nach fünf Minuten nahm Biegler die erste Auszeit, da stand es 1:4. In der elften Minute räumte Torfrau Katja Kramarczyk entnervt ihren Kasten und machte für Woltering Platz (4:8), die mit zahlreichen Paraden eine noch höhere Niederlage verhinderte.

Viele technische Fehler

Doch auch in der Folge fand der deutsche Angriff gegen die aggressive Abwehr des Gegners vor 6000 Zuschauern in der ausverkauften Halle kaum ein Mittel. Während die Holländerinnen immer wieder zu einfachen Toren kamen, mussten Loerper und Co. um jeden Abschluss kämpfen. Beim 8:15 (25.) deutete sich ein Debakel an (DATENCENTER: Tabellen der Handball-WM).

Nach dem Seitenwechsel kamen Top-Talent Emily Bölk (19) und Stolle (21) auf die Platte, doch die Blutauffrischung brachte unter dem Strich keine wesentliche Besserung gegen weiterhin konzentrierte Niederländerinnen.

Im weiteren Turnierverlauf setzt Biegler unterdessen auf ein Torwart-Trio. Dinah Eckerle rutschte vor der Partie gegen die Niederländierinnen für Linksaußen Antje Lauenroth in den Kader. Damit bleibt Biegler nach den Wechseln von Stolle für Kim Naidzinavicius (Kreuzbandriss) sowie dem Nachrücken von Bölk noch eine personelle Option.

Bei den Niederlanden erzielte die Freundin von Rafael van der Vaart, Estavana Polman, zwei Treffer. Nach der Partie äußerte sich Oranje-Torhüterin Tess Wester bei SPORT1 zum deutschen Team. "Sie kommen auf jeden Fall wieder. Mit Deutschland ist es erst vorbei, wenn sie wirklich ausgeschaltet sind."

Niederlande - Deutschland 31:23 (18:10)
Niederlande: Wester, Jankovic - Abbingh (9/6), Groot (6), van der Heijden (5), Broch (3), Snelder (2), Rozemalen (2), Polman (2), Smeets (1), Malestein (1)
Deutschland: Woltering (Dortmund), Kramarczyk (Leverkusen), Eckerle (Thüringen) - Stolle (Blomberg/6), Mansson (Dortmund/5), Geschke (Oldenburg/4), Huber (Dortmund/3/1), Smits (Metz/2), Wohlbold (Thüringen/1), Gubernatis (Buxtehude/1), Bölk (Buxtehude/1), Karolius (Leverkusen), Fischer (Buxtehude), Loerper (Metzingen), Behnke (Metzingen), Klein (Nantes).
Schiedsrichter: Garcia/Marin (Spanien)
Zeitstrafen: 3:3
Siebenmeter: 6/7:1/1
Zuschauer in Leipzig: 6000 (ausverkauft)