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München - Deutschlands Handball-Nationalteam weckt mit dem Sieg über Österreich Vorfreude auf die WM. Vor allem Marcel Schiller könnte sich dabei zu einem Faktor entwickeln.

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Natürlich wollte im deutschen Lager am Ende niemand Auftritt und Ergebnis überbewerten:

Mitunter "ein bisschen behäbig" empfand Handball-Bundestrainer Alfred Gislason das 36:27 (22:16) in der EM-Qualifikation gegen Österreich, "es war zu sehen, dass wir nicht ganz eingespielt waren."

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Und doch: Eine Woche vor Beginn der Weltmeisterschaft in Ägypten hinterließ der souveräne Sieg auch bei dem Isländer insgesamt weitaus mehr Licht als Schatten. (Handball-WM 2021 vom 13. bis 31. Januar im LIVETICKER)

Hatte sich die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) ungeachtet aller Störfeuer im Vorfeld wie den Corona-Absagen zahlreicher Leistungsträger und weiterer kurzfristiger Ausfälle wie unter anderem von Rückraumspieler Marian Michalczik (Augenverletzung beim Abschlusstraining) bereits in erstaunlich guter Frühform präsentiert. (Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker)

Zumal: Dass dazu noch Kreisläufer Moritz Preuß wegen Knieproblemen vorsichtshalber ebenso geschont wurde wie Kapitän Uwe Gensheimer (schmerzendes Handgelenk), fiel nach stotternden zehn Anfangsminuten kaum spürbar ins Gewicht.

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DHB-Team: Schiller ersetzt Gensheimer bestens

Mehr noch: Insbesondere Marcel Schiller avancierte mit elf Treffern aus elf Versuchen nicht nur zum besten Vollstrecker im DHB-Team.

Der 29-Jährige von FRISCH AUF Göppingen empfahl sich auch als mehr denn nur Alternative für Gensheimer, der indes am Sonntag (ab 18.10 Uhr im LIVETICKER) wieder auflaufen soll beim nächsten Aufeinandertreffen mit dem Nachbarland.

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Dann soll in Köln auch die vorzeitige EM-Qualifikation klargemacht werden. (Die Tabellen der EM-Quali)

"Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht", lobte Gislason seinen Back-up, der sich nach abgegebener Visitenkarte im Grazer Sportpark beim ZDF ebenfalls zuversichtlich zeigte: "Das gibt einem ein gutes Gefühl für Sonntag und auch für die WM danach."

Schiller auch ein Mann für die Siebenmeter

Weil Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt, dürfte nicht nur Gensheimer auf seiner Position das starke Wirken von Schiller registriert haben.

Denn weil der Linksaußen bei acht Versuchen allein achtmal von der Linie traf, könnte Schiller sowohl dem Routinier von den Rhein-Neckar Löwen als auch Tobias Reichmann den Rang ablaufen, was die Ausführung der Siebenmeter angeht.

Zum Vergleich: In dieser Bundesliga-Saison führt Schiller diese Kategorie bereits mit 47 Treffern an (gegenüber 38 von Gensheimer und 12 von Reichmann). Auch im Duell mit Österreich zeigte er immer wieder neue Wurfvariationen und blieb eiskalt.Schiller blendete derlei Perspektiven öffentlich jedoch aus. "Ich mach mir darüber jetzt noch keine Gedanken. Wichtig ist, dass ich meine Chance genutzt habe", sagte er - und fügte an: "Wir müssen die Kräfte bei so einem Programm verteilen, deswegen kann es gut sein, dass ich zu Einsätzen komme. Wenn nicht, werde ich genauso auf der Bank Gas geben. Es ist mir wichtig, dass wir Erfolg haben."

Deutschlands Abwehr stabil dank Golla und Firnhaber

Der kam gegen Austria auch zustande, weil die komplett neu zusammengestellte Abwehr besser funktionierte als wohl zu erwarten war.

Wegen des weggebrochen Mittelblocks Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Finn Lemke, denen das Risiko einer WM-Teilnahme in Corona-Zeiten zu groß ist, kam es vor allem auf die beiden Kreisläufer Johannes Golla und Sebastian Firnhaber an.

Und die machten ihre Sache sehr ordentlich. Golla überzeugte dabei sogar mit vier Toren. "Wir sind auf einem guten Weg, das hat man heute gesehen", sagte der Mann in Diensten der SG Flensburg-Handewitt beim ZDF.

Sein Übriges tat das gut aufgelegte Torhüter-Tandem Andreas Wolff und Johannes Bitter mit etlichen Paraden - was wiederum auch Schillers Auftritt begünstigte, wie er meinte: "Hinten war zum Glück ein Torwart drin, der mir ab und zu auch den Arsch gerettet hat. Da habe ich ein paar einfache Fehler gemacht, das muss ich abstellen."

Die Chancen dafür stehen so schlecht nicht- auch deshalb, weil in der WM-Vorrunde mit Uruguay, den Kapverden und Ungarn zunächst weitere Aufbaugegner anstehen.