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Wien - Fabian Böhm freut sich darüber, dass Christian Prokop weiter Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft bleibt. Im SPORT1-Interview erklärt er auch, was im deutschen Rückraum fehlte.

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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft wird weiterhin mit Christian Prokop arbeiten und mit dem Bundestrainer auch in die Olympia-Qualifikation im April gehen - das steht seit Dienstag fest.

Im Rahmen des Medientermins des DHB sprach SPORT1 mit Nationalspieler Fabian Böhm über die Diskussionen um Prokop, die Entwicklung in der gemeinsamen Arbeit und den deutschen Rückraum.

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SPORT1: Herr Böhm, wie schwer war es denn nun wirklich, sich nach dem Kroatien-Spiel auf die Partie gegen Österreich und die Fortsetzung der EM zu fokussieren und motivieren?

Fabian Böhm: Es war schon schwer. Der Abend nach dem Kroatien-Spiel und der nächste Tag waren schon sehr, sehr hart. Das hat man auch gemerkt. Beim Essen wurde nicht viel geredet, jeder hatte mit sich zu tun, um das zu verarbeiten. Dann war Spieltag und man hat schon gemerkt, dass wir den Schalter umgelegt haben und das Spiel wieder gewinnen wollten. Wir wollten an die Sache emotional rangehen und den Gastgeber Österreich schlagen. Das haben wir eindrucksvoll gemacht. (Handball-EM 2020: Spielplan, Ergebnisse und Tabellen)

SPORT1: Hatte die etwas holprige Anfangsphase also nichts mehr mit Kroatien zu tun?

Böhm: Nein, so läuft ein Spiel eben mal. Österreich haut man ja auch nicht einfach so weg, das ist ja keine schlechte Nation. Es war ein ausgeglichenes Spiel, Österreich hat sich in einen kleinen Flow gespielt. Wir sind aber ruhig geblieben, haben weiter gut verteidigt. Dann kam Jogi Bitter rein, der hatte einen guten Tag und Lust, ein paar Bälle zu halten. Dann wird es auf einmal ein ganz einfaches Spiel.

Arbeit mit Prokop "macht riesig Spaß"

SPORT1: Wie hat die Mannschaft die Diskussionen um Christian Prokop wahrgenommen?

Böhm: Ich bin bei solchen Turnieren immer relativ wenig medial unterwegs. Ich versuche immer, mich auf meine Aufgaben zu konzentrieren. Wir haben das ehrlich gesagt nicht ausdiskutiert, es wurde nicht groß darüber gesprochen.

SPORT1: Also darf die Zusammenarbeit mit Prokop gerne weitergehen?

Böhm: Ich bin seit eineinhalb, zwei Jahren dabei. Mir macht es riesig Spaß. Es ist erstmal eine Ehre, den Adler auf der Brust zu haben und jedes Länderspiel zu bestreiten. Und auch mit Christian zusammenzuarbeiten macht riesig Spaß. Auch wenn die Ergebnisse nicht optimal waren, weil wir bei diesem Turnier, wie auch bei der Heim-WM, einen anderen Anspruch hatten. Trotzdem hat sich die Mannschaft und die Breite des Kaders entwickelt.

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SPORT1: Geht es eben darum, nicht nur auf die reinen Platzierungen zu schauen?

Böhm: Das muss man ja immer. Wir sind in einer Erfolgsgesellschaft, das ist ganz normal. Trotzdem muss man ja immer gucken, nach welchen Aspekten man gemessen wird. Ich habe das Gefühl, dass es eine gute Entwicklung nimmt, aber das ist eine Entscheidung, die ich nicht treffe. Ich habe ein gutes Gefühl, ich glaube, die Mannschaft auch.

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SPORT1: Zumindest vorerst wurde sie getroffen, Axel Kromer hat Prokop das Vertrauen bis zu den Olympischen Spielen ausgesprochen.

Böhm: Das hätte mich sonst auch überrascht.

Rückraum-Leistung gegen Kroatien "einfach zu wenig"

SPORT1: Wie bewerten Sie die Leistungen des deutschen Rückraums, der nach zahlreichen Ausfällen im Vorfeld unter besonderer Beobachtung stand?

Böhm: Schwankend. Wir haben viel Qualität im Rückraum, konnten diese aber nicht immer auf das Feld bringen. Wenn man allein das Kroatien-Spiel betrachtet, was ja ein Schlüsselspiel war: Auf Rückraum Links machen Paul, Julius und ich am Ende zwei Tore bei so einem wichtigen Spiel – das ist dann einfach zu wenig. Trotzdem glaube ich, dass es auch sehr viele sehr gute Momente gab. Es war auch teilweise eine Neufindung im Rückraum. Dafür haben viele Sachen ganz gut funktioniert.

SPORT1: Sie haben eben Julius Kühn angesprochen, der nach seiner Vorrunden-Gala gegen Lettland (acht Tore, Anm. d. Red.) zuletzt unglücklich agierte. Beschäftigt ihn das?

Böhm: Julius ist nach einem Spiel und innerhalb eines Spiels nicht der gesprächigste Typ. Er hatte schon oft in seinem Leben mal ein schlechtes Spiel und hat danach auch wieder ein gutes gemacht. Ich mache mir bei ihm keine große Sorgen. Jeder von uns in der Mannschaft weiß, was er für eine Wahnsinns-Qualität hat. Das wird er gegen Tschechien schon wieder unter Beweis stellen.