Varazdin - Zum zweiten Mal rückt ein vorher ausgebooteter EM-Held für einen Leipziger nach: Bundestrainer Christian Prokop ordnet seinen umstrittenen Kader neu.

Weitere Verstärkung für die deutschen Handballer: Bundestrainer Christian Prokop hat für die weiteren Spiele der Handball-EM in Kroatien Rune Dahmke nachnominiert.

Der Linksaußen vom THW Kiel ersetzt Maximilian Janke (SC DHfK Leipzig) und wird schon im zweiten Hauptrundenspiel gegen Olympiasieger Dänemark am Sonntag (18.15 Uhr im LIVETICKER) eingesetzt. Dahmke, mit dem die DHB-Auswahl vor zwei Jahren in Polen sensationell den EM-Titel geholt hatte, war von Prokop zunächst nicht berücksichtigt worden.

Dahmke hat bislang 32 Länderspiele bestritten und dabei 64 Tore erzielt. Der 24-Jährige ist nach Abwehrchef Finn Lemke, der am Dienstag nachnominiert worden war, der zweite Nachrücker.

Pikant: Es ist das zweite Mal, dass Prokop eine umstrittene Kader-Entscheidung korrigiert: Vor dem Turnier setzte er auf seine ehemaligen Leipziger Schützlinge Janke und Bastian Roschek statt auf Dahmke und Lemke und handelte sich damit viel Kritik ein. Nun sind die beiden Europameister-Helden drin, die beiden Leipziger wieder draußen.

Chile v Germany - 25th IHF Men's World Championship 2017
Rune Dahmke (r.) wurde bei der Handball-EM nachnominiert und soll Uwe Gensheimer entlasten © Getty Images

Dahmke soll Gensheimer entlasten

"Ich versuche meinen Teil dazu beizutragen, dass wir noch weiterkommen", sagte Dahmke nach seiner Ankunft am Samstag. Gensheimer sei "ganz klar die Nummer eins. Ich versuche, dass ich ihm helfen kann, wenn er Hilfe braucht."

"Rune wird Uwe Gensheimer entlasten. Ich möchte auf der Linksaußen-Position ein starkes Duo haben", sagte Prokop auf einer Pressekonferenz im deutschen Teamhotel in Sveti Martin: "Rune ist ein unheimlich positiver und sympathischer Spieler, der viel Energie in die Mannschaft bringt. Er kommt mit viel Selbstbewusstsein. Das ist für Sonntag sehr wichtig."

Umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass die bisherigen Turniervorstellungen durchwachsen waren.

Dass Kapitän Uwe Gensheimer und Co. überhaupt noch im Rennen sind, ist einem starken Schlussspurt und den Weltklasse-Leistungen ihrer beiden Keeper Andreas Wolff und Heinevetter am Freitag gegen Tschechien (22:19) zu verdanken. "Ich hoffe, dass das der Dosenöffner zur Leichtigkeit ist", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning: "Jetzt sind wir zwei Mal in der Außenseiterrolle. Vielleicht löst sich das jetzt." 

Auch Gensheimer mit Nervenflattern

Vor allem das Angriffsspiel ist eine Baustelle: 14 einfache Ballverluste und technische Fehler sowie 19 Fehlwürfe standen gegen Tschechien am Ende in der Statistik. Auch und gerade Gensheimer flatterten trotz aller Routine die Nerven.

Von Dahmke erhoffen sich Prokop und Dahmke in erster Linie mehr Gefahr im Schnellangriff. "Wenn du Dänemark schlagen willst, brauchst du acht bis zehn Tore aus dem Gegenstoß", sagte Hanning. Zum Vergleich: Gegen Tschechien waren es zwei. 

Prokop hat in der Hauptrunde noch eine weitere Wechselmöglichkeit. Nach den Spielen gegen Tschechien (22:19) und Dänemark ist Ex-Weltmeister Spanien am Mittwoch (20.30 Uhr) dritter Hauptrundengegner der deutschen Mannschaft.

Mit 4:2-Punkten liegt das deutsche Team gleichauf mit Dänemark an der Spitze der Hauptrundengruppe 2, das Halbfinale ist für den Titelverteidiger absolut in Reichweite. Egal, wie die Partie gegen Dänemark ausgeht, es läuft wohl alles auf einen Showdown gegen die Spanier hinaus.

Weiterlesen