SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan traut den deutschen Teams in der Champions League einiges zu © Getty Images / SPORT1

Ismaning - SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan rechnet den deutschen Teams in der Champions League etwas aus. Für Kiel könnte die fehlende Doppelbelastung zum Vorteil werden.

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Liebe Handball-Freunde,

der Start in die neue Saison verlief für die deutschen Mannschaften verheißungsvoll.

Auch wenn die Löwen und Flensburg jeweils ihr zweites Gruppenspiel verloren haben, beweisen doch die Siege am ersten Spieltag gegen die Spitzenklubs aus Barcelona und Nantes, dass sich die HBL im internationalen Vergleich nicht verstecken muss. (SERVICE: Spielplan Champions League)

Überhaupt wird mir die Diskussion, ob wir noch die beste Liga der Welt sind und mithalten können, zu sehr hochgekocht. Die Rhein-Neckar Löwen hatten im letzten Jahr die Chance auf die Teilnahme am Final Four, aber alle wissen was passiert ist.

"Rhein-Neckar Löwen können jeden schlagen"

Daher war ich auch vom Heimsieg der Löwen gegen Barcelona nicht überrascht. Die Katalanen sind zwar immer noch ein Mythos und werden in der Champions League ein Wörtchen mitreden, aber sie sind nicht mehr die alles bestimmende Mannschaft der letzten Jahre. Dazu kommt, dass die Rhein-Neckar Löwen zuhause jede Mannschaft schlagen können.

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Der Erfolg von Flensburg gegen Nantes hätte ich dagegen nicht erwartet. Daran sieht man aber, dass auch in der Champions League Überraschungen möglich sind. Überhaupt ist die internationale Spitze viel weiter zusammengerückt, es gibt keine einfachen Gegner mehr, wie es früher möglich war.

Auch wenn die deutschen Mannschaften in den letzten beiden Jahren nicht ganz vorne dabei waren, sollte man nicht denken, dass die Gegner sie deshalb unterschätzen. Wir haben in der ganzen Welt einen guten Ruf, daher wird niemand mit nur 80 Prozent gegen eine deutsche Mannschaft antreten.

Stephan traut Löwen und Flensburg Final Four zu

Ich traue daher beiden Mannschaften zu, das Final Four zu erreichen. Sie gehören zu den sieben bis acht Mannschaften, die etwas reißen können. (SERVICE: Tabellen)

Spannend wird für mich zu beobachten sein, wie es den Löwen und Flensburg diesmal gelingt, die Balance zwischen Champions League und Liga-Alltag zu finden. Gerade bei den Rhein-Neckar Löwen habe ich nach dem unrühmlichen Achtelfinal-Aus gegen Kielce in der vergangenen Saison den Eindruck, dass sie dieses Jahr auch international viel investieren werden.

Der Kräfteverschleiß der beiden kann im Meisterschaftskampf natürlich zum Nachteil werden - und damit gleichzeitig zum Vorteil für den THW Kiel. Dieser spielt erstmals seit Jahren nicht auf internationaler Bühne. Gerade in der Schlussphase könnte diese geringere Belastung entscheidend werden.

THW Kiel wird besser sein

Zudem glaube ich nicht, dass die "Zebras" eine ähnlich schwache Saison spielen wie im letzten Jahr. Sie hatten jetzt ein schweres Startprogramm, in Flensburg und Magdeburg kann man verlieren - auch wenn der heftige Einbruch in Magdeburg so nicht zu erwarten war.

Dennoch ist eigentlich nichts passiert. Wenn die Kieler die Ruhe bewahren - und ich bin sicher, das werden sie - und im Laufe der Saison besser zu ihrem Spiel finden, mischen sie definitiv wieder im Titelrennen mit. Man darf den THW definitiv nicht abschreiben.

Am Ende kann es auch zum Vorteil werden, dass sie die schweren Gegner gleich am Anfang hatten. Die Saison ist noch lang - sowohl in der Champions League, als auch in der Bundesliga.

Euer Daniel Stephan

SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan, 44, hat 183 Länderspiele für Deutschland absolviert. Der erste deutsche Welthandballer (1998) wurde mit dem TBV Lemgo 1997 und 2003 Deutscher Meister sowie 1995, 1997 und 2002 DHB-Pokalsieger. Mit der Nationalmannschaft gewann der Rückraumspieler unter anderem 2004 die Europameisterschaft und Silber bei Olympia in Athen. Von 1997 bis 1999 wurde er dreimal in Folge zum Handballer des Jahres gewählt.

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