Gudjon Valur Sigurdsson und die Rhein-Neckar Löwen leiden unter dem Machtkampf von EHF und HBL
Gudjon Valur Sigurdsson und die Rhein-Neckar Löwen leiden unter dem Machtkampf von EHF und HBL © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago

München - Die Termin-Farce um Kiel und die Löwen sorgt für Aufsehen. Die Verbände schieben sich die Schuld gegenseitig zu. Die HBL befürchtet bei SPORT1 Schaden für den Handball.

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Im Possenspiel um die Spielansetzungen des THW Kiel und der Rhein-Neckar Löwen in der Champions League wehrt sich die Handball-Bundesliga (HBL) gegen Vorwürfe seitens des europäischen Handball-Verbands (EHF).

Oliver Lücke, Leiter Unternehmenskommunikation der HBL, sagte SPORT1: "Die Terminkollisionen zwischen der EHF und uns stellen ein massives Problem dar. Wir müssen verhindern, dass der Klubhandball, der insbesondere auf dem deutschen Markt sportlich und wirtschaftlich sehr erfolgreich performt, keinen nachhaltigen Schaden davonträgt."

Der Zoff gehe insbesondere zu Lasten beider Klubs und deren Spieler. Ein Ende des Machtkampfs zwischen den Verbänden sei nicht in Sicht.

"Die Fronten sind derzeit sehr verhärtet. Es muss uns gelingen, am Verhandlungstisch Lösungen zu entwickeln", sagte Lücke, der weitere Terminkollisionen nicht ausschloss. 

Löwen treten mit Drittliga-Mannschaft an

Die EHF hatte die Achtelfinal-Hinspiele des THW und der Löwen in der Champions League auf den 24. März terminiert. Problem: Für denselben Tag hat die HBL das Topspiel zwischen Kiel und dem Titelverteidiger aus Mannheim angesetzt, das die ARD live überträgt.

Deswegen gaben die Kieler ihr Heimrecht ab. Die Löwen wollen sogar nur mit ihrer Drittliga-Mannschaft in der K.o.-Phase der Königsklasse antreten. Eine Farce für den Wettbewerb und die Sportart Handball.

Die EHF stellte am Freitag klar, dass der Champions-League-Spielplan seit geraumer Zeit feststehe. "Der Terminplan wurde bereits vor zwei Jahren im Einvernehmen mit den nationalen Verbänden, den Ligen und der internen Kommission der EHF vereinbart", teilte der Verband mit.

Dass die Partie zwischen dem THW und den Löwen von der HBL für den 24. März terminiert wurde, haben die Verantwortlichen eigenen Angaben zufolge erst aus einer Tageszeitung erfahren.

Lage lässt Klubs "wenig Luft zum Atmen"

Die HBL verwies bei SPORT1 auf ihren vor dieser Spielzeit abgeschlossenen "langfristigen und verlässlichen Medienvertrag, in dem Spieltage und -zeiten klar geregelt" seien. Die Liga monierte: "Seit Jahren plädieren wir dafür, dass auch die EHF dazu übergeht, verlässliche Spieltage zu benennen, auf deren Basis sich beide Spielpläne harmonisieren lassen."

Bisher benennen die Verantwortlichen der EHF allerdings einen sehr allgemein Zeitraum - von Mittwoch bis Sonntag. Die Konkretisierung der Termine erfolge erst kurzfristig.

"Diese Konstellation lässt sowohl den Klubs als auch uns wenig Luft zum Atmen", beklagte Lücke.

EHF lehnt Verlegung ab

Einen Vorschlag der Löwen auf Verlegung der Partie gegen KS Kielce vom 24. auf den 25. März hatte die EHF unterdessen abgelehnt. 

Nachdem die Löwen am Mittwoch im Gegensatz zum THW Kiel einen von der EHF angebotenen Tausch des Heimrechts abgelehnt hatten, galt der Vorschlag auf eine Spielverlegung als letzte Chance, die Termin-Problematik zu lösen. 

"Ich war geschockt, als ich das gehört habe. So macht man den Sport, den wir lieben, kaputt. Das ist Verarsche gegenüber den Fans", schimpfte Löwen-Kapitän Andy Schmid.

Teamkollege Mikael Appelgren fand es "sehr traurig" und Heiner Brand ließ verlauten: "Ich kann das einfach nicht glauben. Jetzt fehlt im Achtelfinale eine Mannschaft, die sich souverän dafür qualifiziert hat. Das ist einfach ein Witz."

HBL befürchtet großen Schaden

Die HBL bedauert, "dass ein hart erkämpfter sportlicher Wettbewerbsvorteil aufgrund dieser mehr als unglücklichen Terminkollision in einen schwerwiegenden sportlichen und wirtschaftlichen Nachteil verwandelt wird". Lücke befürchtet, dass das so schwer wiegt, "dass die Champions League echten Schaden erleiden wird".

Die Löwen haben sich entschieden, bei jenem Spiel in Bestbesetzung anzutreten, das live im Fernsehen übertragen wird, also die Bundesliga-Partie gegen Kiel. "Wir deuten die Entscheidungen der Löwen als klares Bekenntnis zu unserer Bundesliga", sagte Lücke. 

Bekenntnis hin oder her. Am Ende der peinlichen Termin-Posse ist der Handball als Ganzes der große Verlierer.