Der Terminstreit um die Rhein-Neckar Löwen und THW Kiel eskaliert
Der Terminstreit um die Rhein-Neckar Löwen und THW Kiel eskaliert © SPORT1-Grafik Philipp Heinemann: Imago

Der Terminstreit im Handball erreicht ein neues Level. Kiel muss sein Heimrecht abgeben, die Löwen reagieren noch drastischer. Brand und Schmid sind sprachlos.

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Der Terminstreit im Handball hat eine neue Ebene erreicht und ist endgültig eskaliert. Die Leidtragenden: der THW Kiel und die Rhein-Neckar Löwen.

Der THW muss wegen des Konflikts zwischen der Handball-Bundesliga (HBL) und der Europäischen Handball-Föderation (EHF) sein Heimrecht im Achtelfinale der Champions League abgeben. Und die Löwen gehen auf Konfrontationskurs mit der EHF - und schicken tatsächlich zu ihrem Achtelfinal-Hinspiel gegen Vive Kielce ihre zweite Mannschaft - Amateure aus der dritten Liga.

"Das ist ein Armutszeugnis für unsere Sportart und ein noch nicht abzusehender Schaden", sagte Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann: "Es ist eine Grenze erreicht und wir werden nicht weiter Spielball im Machtkampf zwischen der EHF und der HBL sein."

EHF setzt Hinspiele auf Topspiel-Tag an

Die EHF hatte am Mittwoch die Achtelfinal-Hinspiele des THW und der Löwen in der Champions League auf den 24. März terminiert. Problem: Für denselben Tag hatte zuvor die HBL das Topspiel zwischen Kiel und dem Titelverteidiger aus Mannheim angesetzt, das von der ARD live übertragen wird.

Unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten hatte die EHF die betreffenden Vereine informiert, dass entweder den Regularien Folge zu leisten sei, oder das Heimrecht im Achtelfinale getauscht werden könne. Dann käme auch ein anderer Termin als der 24. März in Frage.

Skilagyi hinterfragt sportliche Wertigkeit

Kiel gab nun das Heimrecht auf. Der deutsche Rekordmeister empfängt den ungarischen Meister MOL-Pick Szeged nun zunächst am 21. März vor heimischer Kulisse und reist am 1. April nach Szeged. Eigentlich hätte der THW im Rückspiel Heimrecht gehabt. Somit vermeiden sie zumindest, zwei Spiele an einem Tag zu haben.

"Dieser Heimrecht-Tausch führt die sportliche Wertigkeit der gesamten Gruppenphase ad absurdum und wird dem Einsatz unserer Mannschaft für das Heimrecht im Rückspiel in keinster Weise gerecht", kritisierte Kiels Sportlicher Leiter Viktor Szilagyi auf der Vereins-Homepage.

Die Probleme der Verbände werden "auf dem Rücken der Vereine und Spieler ausgetragen."

Löwen schicken zweite Mannschaft

Die Löwen müssen dagegen am 24.3. um 16 Uhr in Kielce antreten - und um 18.30 Uhr in der Bundesliga in Kiel. Das Duell mit Kielce in der Königsklasse wird damit zur Farce.

"Uns bleibt nach dieser Ansetzung nichts anderes übrig, als unsere zweite Mannschaft nach Polen zu schicken. Wir sind uns darüber bewusst, dass es damit leider zu keinem sportlich fairen Vergleich im Achtelfinale zwischen Kielce und den Rhein-Neckar Löwen mehr kommen wird", sagte Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann.

Brand und Schmid fassungslos

Dies werde "besonders dem Wettbewerb und Ansehen der Champions League schaden. Das tut uns sehr leid, aber wir werden aktuell durch die Haltung der Verbände zu diesem Schritt gezwungen. Der Schaden, der hier, und ich sage ausdrücklich durch zwei Verbände, an unserer Sportart verursacht wird, ist enorm", sagte Kettemann weiter. Ein Tausch des Heimrechts sei zudem nicht möglich, weil am geforderten Mittwoch keine Halle zur Verfügung stehe. (SERVICE: Ergebnisse/Spielplan der Champions League)

Heiner Brand schlägt in die gleiche Kerbe. "Ich kann das einfach nicht glauben. Jetzt fehlt im Achtelfinale eine Mannschaft, die sich souverän dafür qualifiziert hat. Und wahrscheinlich auch im Viertelfinale. Kielce dürfte mit der zweiten Mannschaft nicht zu schlagen sein. Das ist einfach ein Witz", sagte der frühere Bundestrainer vor der Bundesliga-Partie der Löwen gegen Frisch Auf Göppingen.

Nach der Partie, die die Löwen 31:20 gewannen, wurde mit Andy Schmid auch ein Spieler am Mikrofon deutlich. "Ich war geschockt, als ich das gehört habe. So macht man den Sport, den wir lieben, kaputt. Das ist Verarsche gegenüber den Fans", sagte der Schweizer Superstar.

Teamkollege Mikael Appelgren fand es "sehr traurig", Teammanager Oliver Roggisch zeigte sich ratlos. "Wir haben das lange, lange mit angeschaut und viele Dinge mit uns machen lassen. Jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem man auch mal Nein sagen muss", so Roggisch.

Kiel stößt auf taube Ohren

Beide Teams hatten alles versucht, um einen Kompromiss zu finden.

"Wir haben der EHF und Pick Szeged eine ganze Reihe an Vorschlägen unterbreitet, wie man im Sinne des Handballs eine Lösung für die Terminproblematik rund um das Hinspiel finden kann. Wir waren sogar bereit, uns auf zwei Spiele innerhalb von 24 Stunden einzulassen", so Szilagyi. Auch die Löwen hatten das angeboten. Doch man sei auf taube Ohren gestoßen.

"Aus welchen Gründen ist uns unerklärlich", kritisierten die Löwen. Für Kiel sei das Heimrecht-Tausch "nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein emotionaler und wirtschaftlicher Schlag".

Topspiel im Free-TV

Hintergrund ist, dass für den 24. März das Bundesliga-Topspiel zwischen Kiel und den Löwen angesetzt wurde. Dieses wird live in der ARD übertragen und verspricht wegen der fehlenden Konkurrenz durch die spielfreie Fußball-Bundesliga eine hohe TV-Quote. Allerdings erfolgte die Ansetzung ohne Rücksicht auf die Champions League, weswegen auch die HBL den Zorns der deutschen Topklubs zu spüren bekommt.

"Als eines der wenigen Spiele im Free-TV ist es für uns, unsere Fans und auch unsere Partner eine wichtige Möglichkeit, Werbung für unsere Sportart vor einem breiten Publikum zu machen", teilten die Löwen mit. Eine Verlegung des Ligaspiels sei deswegen kaum vorstellbar gewesen.

Die Entscheidung zwischen Kiel und Szeged über das Weiterkommen fällt dann am Sonntag, 1. April (17 Uhr), in Ungarn. Die Löwen empfangen am gleichen Tag Kielce (19 Uhr). Beide deutsche Gegner hatten zuvor abgelehnt, ihre Heimspiele am 21. oder 22. März auszutragen.

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