Martin Kaymer hat wieder Mut geschöpft. Deutschlands bester Golfer hat nach seinem zweiten Platz in Pulheim plötzlich wieder ein großes Ziel: den Ryder Cup.

Martin Kaymer hat ganz plötzlich wieder einen Traum. Lange schien es verwegen, überhaupt daran zu denken. Doch nun ist er wieder da: Deutschlands Topgolfer will zum fünften Mal in Folge beim Ryder Cup für Europa auf Punktejagd gehen. "Ich glaube nicht, dass ich mir selbst beweisen muss, dass ich gut genug für die Mannschaft bin. Das habe ich in der Vergangenheit schon getan", sagte der 33-Jährige.

Der zweite Platz in der Heimat bei der BMW International Open in Pulheim hat den Wunsch wieder verstärkt. Zwar hatte er am Sonntag durch einen "Blackout" am vorletzten Loch den möglichen Sieg aus der Hand gegeben - doch die vier Turniertage, die Wohlfühloase mit Übernachtungen im eigenen Bett, die warme Unterstützung der Fans haben Kaymer Mut gemacht.

"Ich ziehe viel Positives aus der Woche. Ich habe wirklich gut geputtet, bin ruhig geblieben auf dem Platz und habe mein Spiel gespielt. Ich habe es wirklich genossen, hier zu spielen", sagte Kaymer, der sich über sein bestes Tourergebnis seit Platz zwei 2015 bei der Italian Open freuen durfte.

Kaymer steht harte Arbeit bevor

Trotz allen Wünschen ist sich Martin Kaymer bewusst, dass er harte Wochen vor sich hat. Es würde schon beinahe einem Wunder gleichkommen, sollte sich der zweimalige Major-Gewinner noch aus eigener Kraft für den traditionellen Kontinentalvergleich zwischen Europa und Titelverteidiger USA vom 28. bis 30. September in Paris qualifizieren.

Doch der dreimalige Ryder-Cup-Gewinner, dem 2012 sogar der Siegputt geglückt war, darf zumindest darauf hoffen, wie 2016 von Teamkapitän Thomas Björn eine der vier Wildcards zu erhalten. Dafür aber muss Kaymer in den kommenden Turnieren Flagge zeigen. Und was könnte passender kommen als die French Open ab Donnerstag? Gespielt wird der Auftakt der sogenannten Rolex-Serie mit drei 7-Millionen-Euro-Turnieren auf dem Platz im Club Le National, dem Schauplatz des Ryder Cups in drei Monaten.

Spielpraxis und Motivation als Antrieb

"Ich liebe diesen Kurs, er ist einer der besten auf der Tour", sagte Kaymer. Und er kann diesen Kurs. Im Juli 2009 feierte er dort den dritten seiner insgesamt elf Tourerfolge.

Mit einer Wiederholung dieses Triumphes oder zumindest einer Top-Platzierung könnte sich Kaymer bei Thomas Björn wieder ins Gespräch bringen. Denn die Wildcards gehen in der Regel an die Spieler, die genügend Erfahrung besitzen - oder "heiß" sind. Kaymer würde beide Kriterien erfüllen.

Kaymer steht Mammutprogramm bevor

Weitere Gelegenheiten bieten sich Kaymer anschließend in Irland und Schottland, ehe es zur 147. British Open (19. bis 22. Juli) auf dem schweren Platz im schottischen Carnoustie geht. Kaymer weiß ganz genau, was die Stunde geschlagen hat und kündigte an: "Ich werde in den nächsten Monaten alles geben, was ich habe. Ich werde viel spielen, um Punkte zu sammeln. Und ich würde es wirklich hassen, es am Ende nicht zu schaffen."

An Motivation also mangelt es Martin Kaymer nicht, nun muss nur noch sein Spiel funktionieren - so wie in Pulheim.