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München - Das Wunderkind steht mit Donnarumma bei Italien im Tor. Aber der unbekannte Julian Pollersbeck macht sich vor dem Duell ums Halbfinale der U-21 EM einen Namen.

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Marc-Andre ter Stegen, Bernd Leno, Timo Horn.

Ein frischgebackener Champions-League-Sieger, ein königsklassenerprobter zweiter Mann und dazu ein Bundesliga-Stammkeeper - das Torwart-Trio der deutschen U-21 bei der EM vor zwei Jahren sucht in der Geschichte der UEFA U-21 EM seinesgleichen.

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Umso fragender dürften die Blicke selbst eingefleischter Fußball-Fans beim Blick auf das deutsche Aufgebot für die U-21 EM in Polen (LIVE im TV auf SPORT1) ausgefallen sein.

Für das Tor nominiert: Julian Pollersbeck (1. FC Kaiserslautern), Marvin Schwäbe (Dynamo Dresden), Odisseas Vlachodimos (Panathinaikos Athen).

Wer alle drei den richtigen Vereinen zuordnen konnte, durfte sich getrost als Fußball-Fachmann bezeichnen.

"Er ist ein richtig geiler Torwart"

Aber warum spielen die besten deutschen Nachwuchskeeper derzeit nicht mehr bei den Top-Klubs?

"Wir hatten zuletzt nicht die Möglichkeit, ihnen das anzubieten, damit meine ich die gesamte Bundesliga", erklärt U-21-Torwarttrainer Klaus Thomforde bei SPORT1: "Es können nicht noch mehr junge Torhüter nachkommen, weil viele Teams schon mit jungen Torhütern besetzt sind - oder mit international erfahrenen aus dem Ausland."

Und so steht der bekannteste U-21-Torhüter diesmal woanders zwischen den Pfosten: Gianluigi Donnarumma ist der Torwart-Star des Turniers, am Samstagabend (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) trifft er mit Italien im Gruppenfinale um den Einzug ins Halbfinale auf die deutsche Mannschaft.

Und nicht einmal die deutsche Nummer eins Julian Pollersbeck kann vorab seine Bewunderung verbergen.

"Donnarumma hat mit 16 Jahren schon in der Serie A gespielt - da habe ich gerade mal die Realschule abgeschlossen. Er ist ein richtig geiler Torwart", meint der DFB-Schlussmann und schwärmt: "Was der so alles fischt - ich finde den gut." 

Gegenwind für Donnarumma

Von anderer Seite bekommt Donnarumma derzeit allerdings erstmals in seiner noch jungen Karriere so richtig Gegenwind.

Nachdem bekannt wurde, dass er seinen 2018 auslaufenden Vertrag bei seinem Jugendklub AC Milan nicht verlängern wird, wurde er beim 2:0-Sieg gegen Dänemark von italienischen Fans mit Spielgeld beworfen. Auf einem Transparent war die Aufschrift "Dollarumma" zu lesen.

Ob davon beeindruckt oder nicht: Drei Tage später kassierte der erst 18-Jährige gegen Tschechien drei Gegentore und machte zumindest beim ersten nicht die beste Figur.

Prompt schossen sich auch die italienischen Medien auf den Wunderknaben ein. "Donnarummas Leistung enttäuscht", kritisierte beispielsweise die Gazzetta dello Sport.

Pollersbeck beim HSV auf dem Zettel

Bei Pollersbeck geht die Entwicklung dagegen in die andere Richtung.

Beim 2:0 zum Auftakt gegen Tschechien noch mit einigen Wacklern, präsentierte sich der Lauterer im zweiten Spiel gegen Dänemark als bärenstarker Rückhalt, der mit einigen Paraden einen möglichen Gegentreffer verhinderte.

Und abseits des Platzes sorgt der 22-Jährige mit seinem angeblichen Wechsel zum Hamburger SV für Schlagzeilen - auch wenn sich Pollersbeck selbst dazu derzeit (noch) nicht äußern möchte.

Thomforde: "Er hat sehr viel Potenzial"

"Kaiserslautern hat sehr viele Keeper rausgebracht, die weit gekommen sind im nationalen Bereich. Von daher könnte das mit Julian Pollersbeck einen ähnlichen Weg nehmen", prophezeit U-21-Torwarttrainer Klaus Thomforde bei SPORT1: "Ich bin davon überzeugt, er hat sehr viel Potenzial."

Das will der 1,95 Meter große Schlussmann auch gegen Italien unter Beweis stellen. Bleibt er auch gegen die Azzurrini ohne Gegentor, steht die deutsche Auswahl sicher im EM-Halbfinale.

So wie vor zwei Jahren auch ter Stegen und Co., die dort jedoch gegen Portugal mit 0:5 baden gingen.

Zumindest in der Hinsicht könnte No-Name Pollersbeck seine prominenten Vorgänger also ganz schnell übertrumpfen.