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Tychy - Julian Pollersbeck schreibt bei der UEFA U21-EM weiter an seiner und der deutschen Erfolgsgeschichte. Im Krimi gegen England setzt er auf einen alten DFB-Trick.

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Aus der Ruhe bringen konnte Julian Pollersbeck an diesem Abend nur eines.

Die stürmische Anfangsphase der Engländer? Kein Problem, mit mehreren Glanzparaden verhinderte der deutsche Keeper im Halbfinale der UEFA U-21 EM einen frühen Gegentreffer.

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Der zwischenzeitliche Rückstand? Pollersbeck gab den mitspielenden Torwart, unterstützte im Spielaufbau, lief zudem immer wieder lange Bälle der Engländer ab.

Das Elfmeterschießen um die Final-Teilnahme? Nachdem Yannick Gerhardt die Nerven versagt hatten, parierte Pollersbeck postwendend gegen Tammy Abraham - und sorgte gegen Nathan Redmond für die Entscheidung.

Arnold bringt Pollersbeck aus dem Konzept

Als es nach einer ausgelassenen Feier in der Kabine jedoch zu den Interviews in der Mixed Zone ging, kam der auf dem Platz so souveräne Keeper doch noch ins Straucheln.

Kapitän Maximilian Arnold nervte Pollersbeck so lange mit Blödeleien, bis dieser vor laufenden Kameras lachend zusammenbrach und motzte: "So kann ich mich doch nicht konzentrieren!"

Als er sich wieder gefangen hatte, schwärmte der Noch-Lauterer in den höchsten Tönen von den insgesamt fast drei Stunden auf dem Rasen von Tychy.

Pollersbeck: "Deshalb spielen wir Fußball"

"Das war einfach geil", sagte Pollersbeck: "Deshalb gucken wir alle Fußball, deshalb spielen wir Fußball - wegen solcher Spiele, wegen solcher Momente."

Hätte man die Engländer nach dem 6:5-Sieg der Deutschen nach Elfmeterschießen nach ihrer Meinung dazu gefragt, sie hätte vermutlich etwas anders ausgesehen. Die meisten der Young Lions waren zu diesem Zeitpunkt aber bereits mit hängenden Köpfen davongeschlichen.

Und so gab es in den Katakomben von Tychy hauptsächlich drei Themen: Das, was Pollersbeck sagte. Das, was andere über Pollersbeck sagten. Und das, was auf Pollersbeck Zettel gestanden hatte.

Wie Lehmann bei der WM 2006

Wie einst Jens Lehmann bei der WM 2006 zog auch diesmal ein deutscher Keeper beim Elfmeterschießen immer wieder einen kleinen Zettel aus dem Stutzen.

Ein Tipp von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke, wie U-21-Torwarttrainer Klaus Thomforde verriet.

"Andi Köpke hat mir vor dem Halbfinale noch geschrieben und gesagt: Wenn es zum Elfmeterschießen kommt, dann denkt bitte an den Zettel. Das habe ich natürlich gemacht", erklärte die St.-Pauli-Legende.

Was genau darauf stand, wollten jedoch weder Thomforde, noch Pollersbeck preisgeben - und die darauf angesprochenen Teamkollegen tappten ohnehin komplett im Dunkeln.

Final-Duell mit Spanien um Niguez und Asensio

Es hätten "schon ein paar Namen" darauf gestanden, sagte Pollersbeck immerhin, "eine kleine Hilfestellung" sei es gewesen - und so habe der Zettel "schon auch seinen Anteil" am Einzug ins Finale am Freitag gegen Spanien (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER, Highlights ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1).

Der Großteil des Lobes gebührte aber wie schon so oft seit Turnierbeginn dem 22 Jahre alten Senkrechtstarter selbst.

"Wir wissen aus dem Training, dass er ein Elferkiller ist. Das hat er heute gezeigt", meinte Davie Selke, Felix Platte erklärte Pollersbeck kurzerhand für "wahnsinnig".

Ob das reicht, um Spaniens Offensivstars um Saul Niguez, Gerard Deulofeu und Marco Asensio zu stoppen?

Aus der Ruhe bringen werden sie Pollersbeck so schnell jedenfalls nicht.