München - Nationalspieler Ilkay Gündogan erlebt in der Partie gegen Frankreich einen Neustart im DFB-Team und schildert seine Gedanken im Moment der Einwechslung.

von Florian Plettenberg , Matthias Becker , Markus Bosch , Jochen Stutzky , Jana Wosnitza

Der Neustart für Nationalspieler Ilkay Gündogan nach schweren Wochen im DFB-Dress ist geglückt.

Als der Mittelfeldspieler gegen Frankreich (0:0) in der 66. Minute für Leon Goretzka auf den Platz kam, waren einerseits die zu erwartenden Pfiffe von den Rängen der Allianz Arena zu hören.

Gleichzeitig gab es aber auch bei der Einwechslung viel Applaus.

"Ich war nervös, als ich mich fertig gemacht habe", schilderte der Mittelfeldspieler seine Gedanken rund um den Moment der Einwechslung: "Schiss hatte ich nicht, den brauche ich nicht haben. Aber klar, eine gewisse Nervosität ist da, wenn man nicht genau weiß, wie der Großteil der Reaktion ausfällt. Ich glaube, das ist menschlich."

ANZEIGE: Jetzt das Trikot des DFB-Teams kaufen - hier geht es zum Shop

Applaus für Gündogan nach Pfiffen

"Es hat mich gefreut, dass es sehr viel Applaus gab. Ich habe auch zurück applaudiert. Ab dem Moment konnte ich mich voll auf das Spiel konzentrieren", berichtete er.

Wenig später hatte Gündogan seine erste Aktionen im Spiel und wurde nur noch mit Applaus bedacht. 

Müller: "Das Thema wurde heiß gekocht"

Thomas Müller forderte ein Ende der Diskussionen um den Mittelfeldspieler mit türkischen Wurzeln. 

"Er hat ein gutes Spiel gezeigt. Das war keine Besonderheit in der Mannschaft. Wie schon im Vorfeld erwähnt: Ilkay ist genauso ein Mitglied unserer Mannschaft wie jeder andere", erklärte der Bayern-Star: "Und das Thema wurde natürlich heiß gekocht. Es ist natürlich auch ein heißes Thema, aber ich denke, da wurde jetzt genug darüber gesagt. Und auch Ilkay hat sich klar positioniert."

Gündogan hatte sich am Dienstagabend nochmals mit DFB-Präsident Reinhard Grindel zu einem Gespräch getroffen.

"Wir hatten einen guten Austausch", berichtete der Nationalspieler: "Wir hatten auch nie Probleme untereinander. Ich bin offen für solche Gespräche und habe kein Problem damit. Deswegen war das ein ganz normales Vier- beziehungsweise Sechs-Augen-Gespräch, in dem wir uns ausgetauscht haben und er darauf hingewiesen hat, dass er froh ist, dass ich weitermache und nach wie vor Teil der Gruppe bin."

"Stolz darauf, Teil der Mannschaft zu sein"

Der gebürtige Gelsenkirchener betonte auch selbst am Donnerstag in München nochmals, er sei "stolz darauf, Teil dieser Mannschaft zu sein".

Der Profi von Manchester City hatte sich vor der WM in Russland auf einem Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayip Erdogan gezeigt und wurde dafür scharf kritisiert. Der 27-Jährige hatte das gemeinsame Bild als "Geste der Höflichkeit" bezeichnet.

DFB-Teamkollege Müller hatte bereits kürzlich bei SPORT1 dem ehemaligen Dortmunder seine Unterstützung zugesagt: "Gerade jetzt wollen wir noch mehr das Zeichen setzen, dass wir zusammenhalten, und deswegen wollen wir uns noch bewusster vor Ilkay Gündogan stellen."

Der Abend in München war ein erster Schritt zurück zur Normalität für Gündogan.

---

Lesen Sie auch: 

Deutschland macht "ersten Schritt"

Löw von Özil "menschlich enttäuscht"