München - Der Rücktritt von Mesut Özil hinterlässt eine Lücke in Joachim Löws Stammformation. Für die Rolle als Spielgestalter bringen sich mehrere Kandidaten in Stellung.

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Zumindest beim Trikot befürchtet Julian Brandt keine Anpassungsprobleme. "Ich habe breite Schultern, ich passe da rein", scherzt Brandt.

Der Leverkusener hat nach dem Rücktritt von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft die Zehn geerbt und ist sich der Bedeutung der prestigeträchtigen Rückennummer, die unter anderem Günter Netzer, Lothar Matthäus und Lukas Podolski trugen, bewusst. "Ich versuche, da hineinzuwachsen und sie so gut zu präsentieren, wie es nur geht", ergänzt Brandt.

Jetzt, wo er schon die Zehn auf dem Rücken trägt, würde der 22-Jährige auch gerne auf dem Platz eine bedeutendere Rolle einnehmen - am liebsten schon zum Start der Nations League gegen Frankreich am Donnerstag (20.45 Uhr im LIVETICKER).

Doch im Kampf um den neuen Chef hinter den Spitzen haben sich zu Beginn der Post-Özil-Ära beim DFB-Team gleich mehrere Mitbewerber in Stellung gebracht.

Reus meldet Ansprüche an

Gleich bei der Ankunft in München meldete Marco Reus Ansprüche auf den Platz im offensiven Zentrum an. "Ich mache kein Hehl daraus, dass ich gerne auf der Zehn spiele", sagte der BVB-Regisseur.

Neben Reus und Brandt drängen sich natürlich auch noch die Namen Thomas Müller und Julian Draxler auf. Fest steht: Bundestrainer Joachim Löw hat die Qual der Wahl in der Besetzung der Schlüsselposition hinter den Spitzen, auf der Özil jahrelang sein Fixpunkt war.

Seit seinem Nationalelf-Debüt 2009 war Özil unter Löw gesetzt - bis zum zweiten WM-Gruppenspiel gegen Schweden (2:1). Da setzte Löw den Arsenal-Star erstmals bei einem großen Turnier zu Beginn nur auf die Bank. Stattdessen sammelte Reus als dessen Stellvertreter Pluspunkte.

Komplexe Anforderungen an den Özil-Erben

Sportlich hinterlässt Özils Rücktritt definitiv eine Lücke - das verdeutlicht seine Bilanz von 40 Vorlagen und 23 Toren in 92 Länderspielen. Doch sein Wert lässt sich nicht allein an seinen Zahlen festmachen. "Mesut ist ein Ballverteiler, der auch gerne den Ball nach vorne gespielt hat, seine Mitspieler eingesetzt hat und sich gerne auch mal tief die Bälle abgeholt hat", umreißt Müller das komplette Anforderungsprofil an den Özil-Erben.

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Oder besser: die Özil-Erben. Denn der Bayern-Star ließ durchklingen, dass das Nationalteam die durch Özil entstandene kreative Leerstelle im Kollektiv auffangen will. "Wir haben sehr viele Spielertypen, die auf diesen Positionen spielen können. Jeder hat ein eigenes Profil an Stärken und Schwächen. Je nach Gegner ist da ein anderer Spieler die Paradebesetzung", sagte Müller.

Draxler bevorzugt andere Rolle

Er selbst schlüpfte in Özils Abwesenheit in der WM-Qualifkation im Oktober 2017 zweimal gegen Nordirland (3:1) und Aserbaidschan (5:1) in die Spielmacherrolle. Im Testspiel gegen Brasilien (0:1) lief Draxler auf der Zehn auf. Der Offensivspieler von Paris Saint-Germain sieht sich selbst am liebsten aber auf Linksaußen.

Aber nicht nur personell muss Löw umstellen. Wie er in seiner Analyse des WM-Debakels erklärte, will er künftig flexibler agieren. Auch Systemumstellungen und damit eine Abkehr vom bevorzugtem 4-2-3-1-System sind denkbar.

In einer 4-3-3-Grundordnung könnten beispielsweise der Neu-Münchner Leon Goretzka aber auch Draxler - wie bei PSG häufiger - auf einer der Achter-Positionen zum Zug kommen. Eine klassische Zehnerrolle fehlt in solch einer Formation allerdings.

Dass Löw aber weiterhin auf einen klassischen Spielmacher setzt, lässt sich an seinem Kader ablesen. Mit dem 19-jährigen Kai Havertz nominierte der Bundestrainer für die Spiele gegen Frankreich und Peru einen Mann für die Zukunft, der Leverkusener ist ein gelernter Zehner. Der Youngster muss sich aber zunächst hinten anstellen - nicht nur wegen seiner Rückennummer 20.

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