München - Dänemark setzt auf eine kuriose Variante bei den kommenden Länderspielen. Statt der gewöhnlichen Profis treten Futsal-Spieler und Drittliga-Profis an.

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Dänemarks Fußball befindet sich etwas mehr als zwei Monate nach dem überzeugenden und dramatisch zu Ende gegangenen WM-Turnier in Russland vor einer Zerreißprobe.

Vor dem Auftakt in die Nations League steht der nationale Verband DBU ohne sein Stammpersonal da. Das Spiel gegen Wales am Sonntag sowie bereits das Länderspiel am Mittwoch in der Slowakei drohen zur Farce zu verkommen.

Streitigkeit zwischen Verband und Spielern

Grund für die Situation sind kommerzielle Streitigkeiten zwischen den Nationalspielern um Mittelfeldstar Christian Eriksen auf der einen Seite sowie dem Verband auf der anderen. Die Spieler weigern sich demnach, eine neue Vereinbarung mit dem Verband zu unterschreiben.

Knackpunkt sind die Werbeverträge und der finanzielle Erlös daraus. Zuletzt hatten die Verhandlungen mit der Spielergewerkschaft keinen Abschluss gefunden.

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Aufgrund der fehlenden Vereinbarung stehen weder die Spieler, noch das Trainerteam um Chefcoach Age Hareide und den Ex-Stuttgarter Jon Dahl Tomasson zur Verfügung.

"Es ist eine bedauerliche Situation für das Team, die Fans und den gesamten dänischen Fußball", teilte DBU-Geschäftsführer Claus Bretton-Meyer mit.

Jensen an Seitenlinie

Stattdessen steht der 1992er-Europameister John Jensen, der im Finale gegen Deutschland (2:0) das erste Tor erzielt hatte, an der Seitenlinie. Außerdem wurden sechs Futsal-Spieler nominiert.

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Dänemark drohen deutliche Niederlagen mit seiner Rumpfmannschaft, zu der auch unterklassige Profis aus der dritten dänischen Liga gehören.

Den schwarzen Peter schiebt Bretton-Meyer den Spielern zu. "Wir hatten gehofft, die Spieler würden zusagen, wenn wir ihnen dieselbe Gage bezahlen, einen Bonus, die Versicherung und zudem bessere Bedingungen bei den Flügen, im Bereich der Ernährung und der Behandlung bieten. Nun müssen wir schauen, dass wir für die zwei Spiele die bestmöglichen Spieler finden", sagte er.

Eriksen wehrt sich

Gegen diese Darstellung wehren sich die Profis aber entschieden. "Die DBU erzählt eine Geschichte, in der wir als gierig erscheinen und so, als hätten wir nichts anderes als unseren Geldbeutel im Sinn", sagte Tottenham-Profi Eriksen dem Ekstrabladet.

Dänemarks Kapitän Simon Kjaer ergänzte: "Wir spüren, dass die DBU uns wütend machen will. Sie wollen es so hinstellen, als wollten wir Spieler nicht international spielen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall."

Für den Verband ist diese Situation nicht neu. Bereits im vergangenen Oktober hatte das Frauenteam ein WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden ebenfalls aufgrund von Vertragsproblemen boykottiert. Die europäische Fußball-Union UEFA verzichtete damals darauf, die Däninnen aus dem Wettbewerb auszuschließen.

Stattdessen verhängte der europäische Dachverband eine Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro.

Ausschluss aus UEFA-Wettbewerben droht

Schon damals aber ging diese Strafe mit einer klaren Warnung an den dänischen Verband einher. Sollte innerhalb der nächsten vier Jahre ein weiteres Spiel abgesagt werden, drohe der Ausschluss aus den UEFA-Wettbewerben. Laut UEFA gelte diese Sanktion ausdrücklich auch für das Slowakei-Spiel.

Bretton-Meyer zeichnet im Falle des Scheiterns ein Horrorszenario für den dänischen Fußball: "Wenn die Spiele nicht ausgetragen werden, müssen wir eine Strafe in Millionenhöhe zahlen, beide Nationalteams werden ausgeschlossen - und der dänische Fußball wird in vielen Bereichen zurück in die Steinzeit versetzt."