Brandi Chastain jubelte über ihren Treffer im WM-Finale auf kontroverse Weise
Brandi Chastain jubelte über ihren Treffer im WM-Finale auf kontroverse Weise © Getty Images
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Im WM-Finale 1999 riss sich Brandi Chastain ihr Trikot vom Leib und zeigte ihren BH. Das Foto sorgte für Kontroversen und ist noch heute in aller Munde.

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Manche berühmte Personen mögen es nicht, wenn alle Welt sie für immer und ewig auf eine Sache reduziert.

"I am not Spock" – "Ich bin nicht Spock" betitelte Star-Trek-Schauspieler Leonard Nimoy einst seine erste Autobiographie. Nur um dann zwei Jahrzehnte später, mit seinen zweiten Memoiren, klein beizugeben: "Ich bin Spock".

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"It's not about the Bra"

Ähnlich widersprüchlich ist das Verhältnis der US-Fußball-Legende Brandi Chastain zu ihrem bekanntesten Moment. "It’s not about the Bra" nannte sie ein Buch, das sie 2005 schrieb: "Es geht nicht um den BH". (Alle Fakten zur Frauen-WM)

Ging es dann doch, denn auf dem Cover war genau dieser BH zu sehen. Und der Sieger-Jubel, mit dem sie vor 20 Jahren ein weit über den Sport hinausreichendes Statement setzte. (Frauen-WM: USA - Thailand, Di. ab 21 Uhr im LIVETICKER)

Am 10. Juli 1999 war die damals 30 Jahre alte Chastain die Siegtorschützin im WM-Finale gegen China, schoss vor einer Mega-Kulisse von 90.000 Fans im Rose Bowl im kalifornischen Pasadena den entscheidenden fünften Elfmeter an Torhüterin Gao Hong vorbei.

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Im Rausch des Moments riss sie sich anschließend ihr Trikot vom Leib, wedelte es durch die Luft und fiel jubelnd auf die Knie.

BH-Foto überall gedruckt

Das emotionale Foto schmückte die Titelseite von Time, Newsweek und Sports Illustrated. Der "BH, den die ganze Welt sah" (New York Times) wurde Symbolbild des Booms, den der Frauenfußball durch den WM-Sieg in Chastains Heimat erlebte.

Das Foto von Brandi Chastain ging um die Welt
Das Foto von Brandi Chastain ging um die Welt © Getty Images

Und ein selbstbewusst-natürlicher Kontrapunkt gegen ein klischeebeladenes Bild des Frauenfußballs - dröge Herrenwitze über Trikottausch und so weiter.

"Ich habe Milliarden von Geschichten über diesen Moment gehört. Jeder konnte darin sehen, was er sehen wollte und ich bin froh darüber", erinnerte die heute 50-Jährige sich kürzlich in USA Today. Wobei es auch böswillige Interpretationen gab.

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So gab es zum Beispiel Vorwürfe, dass ihr Jubel ein orchestrierter Werbe-Coup für den Hersteller des BHs gewesen sei – oder auch, dass der Jubel "unangebracht" gewesen sei, weil er die Aufmerksamkeit von ihren Teamkolleginnen weg und auf sich gelenkt habe, von der sportlichen Errungenschaft auf eine sexuelle Pose.

Chastain habe sich inszeniert "wie in einem Victoria-Secret-Katalog", sei "in ihrer Unterwäsche herumgehüpft und besitzt nun die bekanntesten Brüste des Landes", notierte die Denver Post in galliger Hinterfotzigkeit.

Chastain: "An nichts gedacht"

Tatsächlich war es dann wohl doch schlicht so, dass Chastain in dem Moment nur das getan hat, was hunderte männliche Fußballer in vergleichbaren Situationen taten, ohne dass es größere Kultur-Debatten zur Folge hatte: das, was ihr in den Sinn kam.

"Ein Moment der Verrücktheit, nicht mehr, nicht weniger", erklärte Chastain selbst: "Ich habe an nichts gedacht, außer dass es der größte Moment meiner Fußball-Karriere ist."

Dass er so in Erinnerung blieb, lag auch daran, dass sich für den US-Frauenfußball damals alles perfekt zusammenfügte: Das sportliche Hoch des Weltmeister-Teams um Chastain, Mia Hamm und Co. wurde begleitet von landesweiter Aufmerksamkeit durch die erste Live-TV-Übertragung einer Frauenfußball-WM bei ABC.

"99ers" immer noch verehrt

18 Millionen Zuschauer sahen das Finale, rund ein Drittel mehr als das der Männer im Jahr zuvor (freilich ohne ein erfolgreiches US-Team als Zugpferd). Die "99ers" werden von ihren Erbinnen, die am Dienstag mit ihrem Eröffnungsspiel gegen Thailand in das Turnier in Frankreich eingreifen, bis heute in Ehren gehalten.

Und was wurde aus dem berühmten symbolischen Kleidungsstück? Chastain ließ es nach eigenen Angaben lange eher achtlos bei sich rumliegen. Erst nach einigen Jahren stiftete sie es einem Sportmuseum in New York, das aber mittlerweile bankrott ist.

Inzwischen hat sie es wieder und bei sich zu Hause eingerahmt.