Am heutigen Dienstag gibt Ann-Katrin Berger ihr Debüt in der Nationalmannschaft
Am heutigen Dienstag gibt Ann-Katrin Berger ihr Debüt in der Nationalmannschaft © Imago
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Am heutigen Dienstag feiert Ann-Kathrin Berger ihr Debüt für die deutsche Nationalmannschaft. Der Weg zur Nationalspielerin war für sie ein besonders harter.

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Was hätte alles schiefgehen können? Ann-Katrin Berger ist das erst kurz vor ihrem anstehenden Debüt im Nationalteam richtig bewusst geworden.

Doch jetzt, drei Jahre nach ihrer Krebserkrankung, geht für die 30-Jährige vom FC Chelsea endlich "ein Kindheitstraum" in Erfüllung. Am heutigen Abend steht Berger im letzten EM-Qualifikationsspiel in Irland erstmals für die DFB-Auswahl zwischen den Pfosten. (EM-Qualifikation: Irland - Deutschland am Di. ab 17.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM)

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Berger: "Kann es kaum erwarten"

"Ich kann es kaum erwarten", sagte Berger vor dem Abflug am Montagmittag von München nach Dublin. "Ich habe lange dafür gearbeitet und bin vielleicht den schwereren Weg gegangen." Ein einziges U19-Länderspiel zeugt von ihrem bemerkenswerten Werdegang abseits der DFB-Pfade.

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Vom VfL Sindelfingen wechselte die in Göppingen geborene Berger mit 20 Jahren zu Turbine Potsdam, um dann nach der harten Schule von Bernd Schröder im Ausland ihr Glück zu suchen. Erst 2014 bei Paris St. Germain, dann bei Birmingham City.

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In England aber stellte ein stark geschwollener Lymphknoten am Hals ihr Leben urplötzlich auf den Kopf. Am 17. November 2017 erhielt sie die Diagnose Schilddrüsenkrebs. Mit 27.

Doch mit einer guten Heilungsprognose nimmt sie damals, kurz nach dem Tod ihres Vaters, sofort den Kampf an, gegen die Krankheit und für ihre Zukunft im Fußball. Sie funktioniert, verdrängt, macht, was die Mediziner ihr sagen. "Ich habe erst jetzt, drei Jahre danach, richtig realisiert, was alles hätte schieflaufen können", sagt Berger heute.

Berger: "Ich habe mich danach noch stärker gefühlt"

Zwei Wochen nach der Diagnose wurde sie operiert. Als "halber Frankenstein" habe ihr danach das Gefühl rund um die Narbe am Hals gefehlt. "Du weißt, dass ein Kopf dran ist, aber du weißt nicht, ob er abfällt oder nicht."

In der folgenden Strahlentherapie fühlte Berger sich wie ein "Marsmensch", nutzte aber selbst die dreitägige Isolation zur Reha. Und gab schon Anfang Februar 2018 ihr Comeback.

Im SPORT1-Interview verriet Berger, woher sie ihre Kraft nimmt: "Ich habe mein Leben lang dafür gearbeitet, Fußball zu spielen. Und das hat mir die Kraft gegeben, daran zu glauben, diese Phase so schnell wie möglich hinter mir zu lassen. Meine Familie und meine damalige Torwart-Trainerin und meine Mitbewohnerin waren die ganze Zeit für mich da, waren bei jedem Termin dabei, egal, ob meine Torwart-Trainerin für einen zehnminütigen Termin eine Stunde fahren musste. Das vergesse ich nie. Beide waren eine große Hilfe. Zusammen mit meiner Familie. Daraus habe ich unfassbar viel Kraft schöpfen können." (Das komplette Interview mit Ann-Katrin Berger)

Auch wenn sie ohne Schilddrüse immer Medikamente nehmen muss, sagt sie: "Ich habe mich danach noch stärker gefühlt." So stark, dass sie zur Nummer eins des englischen Meisters Chelsea aufstieg.

Die Bundestrainerin bewundert Bergers Kämpfernatur. "Sie ist ein spannender, in sich ruhender Typ und strahlt das auch im Tor aus", sagte Martina Voss-Tecklenburg, die mit Blick auf die EM 2022 in England bewusst den Konkurrenzkampf schürt. Aktuelle Nummer eins ist Merle Frohms (Eintracht Frankfurt), auch Almuth Schult (VfL Wolfsburg) will nach der Geburt ihrer Zwillinge im April wieder angreifen.

Berger: "Habe immer van der Sar gemocht"

Die ehrgeizige Berger, die sich eher mit Edwin van der Sar als mit Manuel Neuer identifizieren kann, fühlt sich nach vier DFB-Lehrgängen bereit.

"Ich habe schon immer Edwin van der Sar gemocht. Jeder erzählt immer, dass Manuel Neuer ein spielender Torwart ist", sagte Berger im Interview mit SPORT1. "Aber der Niederländer van der Sar war der Torhüter, der das zum ersten Mal auf dem Platz gezeigt hat. Ich fand das interessant, wie er als Torwart seiner Mannschaft geholfen hat."

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Sie träumt von der EM-Teilnahme in ihrer Wahlheimat. Sollte es dazu kommen, wird Ann-Katrin Bergers Mutter wohl wieder eine stille Ecke an ihrem Arbeitsplatz aufsuchen müssen. Um Freudentränen zu verdrücken.

So jüngst geschehen bei der Nachricht, dass ihre Tochter unter den sechs Finalistinnen bei der FIFA-Wahl zur Welttorhüterin steht. "Für mich fühlt sich das schon an wie ein Sieg", sagte Berger. "Ich habe doch noch kein einziges Länderspiel." Das wird sich am heutigen Dienstag ändern.

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Mit Material des Sport-Informationsdienstes (SID)