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SPORT1-Expertin Célia Šašić kennt das Gefühl, ein Champions-League-Finale zu gewinnen. Vor dem Endspiel Lyon - Barcelona spricht sie auch über die Rolle von Dszenifer Marozsán und die WM.

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Rekordsieger Olympique Lyon und die Frauen des FC Barcelona spielen im Ferencvaros Stadion in Budapest um den Titel in der Frauen Champions League (Frauen Champions League: Olympique Lyon - FC Barcelona, Samstag, ab 17.55 Uhr im LIVESTREAM und ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf  SPORT1).

SPORT1-Expertin Célia Šašić gewann 2015 mit dem 1. FFC Frankfurt die Königsklasse des Frauenfußballs und hatte als Torschützenkönigin daran wesentlichen Anteil. Im SPORT1-Interview blickt sie auf das anstehende Finale und auch auf die am 7. Juni beginnende Weltmeisterschaft.

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SPORT1: Das Endspiel der Champions League bestreiten Lyon und Barcelona. Mit Lyon durfte man dort rechnen ...

Célia Šašić: Lyon ist über Jahre hinweg schon die Spitzenmannschaft in Europa und der Kader ist einer der besten, wenn nicht der beste in Europa. Deshalb ist das nicht unbedingt überraschend. 

SPORT1: Ist Olympique deshalb auch der klare Favorit? 

Šašić: Klarer Favorit würde ich nicht sagen. Barcelona ist jetzt das allererste Mal im Champions-League-Finale. Das ist für sie schon etwas Besonderes. Für den Verein, der gerade im Frauenfußball auch immer mehr fördert und fordert, ist das auch eine sehr, sehr gute Plattform, für die Spielerinnen ohnehin. Lyon  hat im Halbfinale eine Mannschaft wie Chelsea nicht mal eben im Vorbeigehen geschlagen, es waren durchaus knappere Ergebnisse. Daher gehe ich nicht von einem ganz klaren Sieg von Lyon aus. Obwohl der Kader und die Erfahrung der Spielerinnen natürlich für einen Sieg für Lyon sprechen, würde ich mich nicht darauf festlegen.  

Finale erfüllt den Anspruch der Marke FC Barcelona

SPORT1: Barcelona hat sich ja in den vergangenen Jahren ans Finale herangearbeitet. Vor zwei Jahren stand die Mannschaft im Viertelfinale, letztes Jahr im Halbfinale. War das Finale jetzt die logische Konsequenz? 

Šašić: In einem Verein wie Barcelona, der ja als Marke sehr stark ist, muss das Ziel in allen Bereichen sein, in allen international wichtigen Finals auch vertreten zu sein. Das ist einfach auch der Anspruch dieser Marke, dieses Vereins an sich selbst. Wenn man sieht, wie viele Spielerinnen nach und nach in diese Liga und zum FC Barcelona gegangen sind, dann ist das eine gewisse Entwicklung. Das ist auch ein Zeichen, in welche Richtung Barca gehen will.  

SPORT1: In den letzten Jahren standen ja fast nur deutsche und französische Mannschaften im Finale. Wie gut und wichtig ist es, dass mal ein Verein aus einer anderen Liga in diese Phalanx stößt? 

Šašić: Grundsätzlich ist es für den Frauenfußball und die Wettbewerbsfähigkeit gut, wenn nicht nur zwei Länder ständig um den Titel mitspielen. Denn das führt dazu, dass der gesamte Frauenfußball auf ein anderes Niveau gehoben wird. Es ist wünschenswert, wenn man nicht auf Dauer am Anfang der Saison zwangsläufig auf zwei Mannschaften tippt, wie es in den letzten Jahren mit Wolfsburg und Lyon der Fall war.  

SPORT1: Nun steht ja auch diee WM vor der Tür. Welchen Einfluss kann so ein Champions-League-Finale für die beteiligten Mannschaften und Spielerinnen auf die anstehende WM in Frankreich haben? 

Šašić: Eine Finale ist ja erstmal immer ein Grund hochmotiviert zu sein, etwas auf das man hingearbeitet hat, auf das man sich sehr, sehr freut. Man muss schauen, dass man sich auch nur auf das Highlight fokussiert, das gerade stattfindet und nicht vielleicht schon denkt, danach kommt die WM und wir schauen mal. Das Champions League Finale hat dieses Jahr die Besonderheit, dass es das erste Mal ein eigenes Event ist. Es ist wirklich komplett losgelöst vom Männer-Finale, in einer eigenen Stadt und nicht so kurz vor dem Männer-Finale. Wenn es also eine rundum gelungene Veranstaltung wird mit einem attraktiven Spiel, kann es schon mal ein WM-Vorgeschmack für die Fans sein. Sie sehen, im Frauenfußball passiert etwas. Da gibt es hochklassige Spiele, und gleich im Anschluss daran ist die WM. Das ist einfach eine Chance, die du nutzen musst, um diesen Schwung, diese Begeisterung auf die WM zu übertragen. 

Marozsán "ist eine Hausnummer"

SPORT1: Nun findet das Finale der WM ja auch in Lyon statt … 

Šašić: Grundsätzlich weiß man in Lyon um die Stärke der Frauenfußball-Mannschaft. Sie sind den Titel gewohnt. Aber natürlich wäre es für einen französischen Verein, der in einem WM-Jahr so einen Titel holt, noch mal eine Stärkung der Aufmerksamkeit. Lyon hat viele internationale Spielerinnen. Aber für den Verein und für den Standort Lyon ist das eine tolle Sache, dass Halbfinale und Finale in Lyon stattfinden. 

SPORT1: Sie haben die internationalen Spielerinnen angesprochen. Aus deutscher Sicht liegt natürlich der Fokus auf Dzsenifer Marozsán, mit der Sie ja auch in Frankfurt zusammengespielt haben. Wie wichtig ist sie für den Verein und das Finale? 

Šašić: Es ist unbestritten, dass sie eine außergewöhnliche Spielerin ist. Eine Spielerin ihrer Klasse hat man im aktuellen Frauenfußball nicht so häufig, vor allem was den technischen Bereich angeht. Da ist sie eine Hausnummer und in Lyon mittlerweile auch ein wichtiger Bestandteil. Dieser Wechsel nach Frankreich hat ihr sehr gut getan. Das Spiel, das die Französinnen spielen, liegt ihr einfach. Da kann sie ihre Stärken ausspielen und ist in der Mannschaft auch ein entscheidender Faktor. 

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SPORT1: Wir haben zu Beginn schon über die Chancen beider Teams gesprochen, was ist Ihr persönlicher Wunsch? 

Šašić: Da Dzsenifer in Lyon spielt und dadurch Deutschland auch ein Stück weit im Finale vertreten ist, wäre es schön, wenn sie es macht. Aber vor allem wünsche ich mir ein wirklich hochklassiges Fußballspiel zu sehen. Für den Frauenfußball wäre es schön, wenn es mal einen anderen Sieger gäbe, der noch nicht auf der Plattform erschienen ist.  

SPORT1: Abschließend hätte ich gerne Ihre Meinung zu dem aktuellen Werbespot der Frauen-Nationalmannschaft, der diese Woche veröffentlicht wurde und für viel Aufsehen gesorgt hat. 

Šašić: Ich finde ihn gut und finde es auch gut, dass er so wie er ist herausgekommen ist. Dass so viel darüber gesprochen wird, zeigt doch, dass man den Nerv getroffen hat.