München und Moskau - Mario Mandzukic und Ivan Perisic gehören zu Kroatiens herausragenden Spielern bei der WM. Im Finale gegen Frankreich werden sie jedoch zu traurigen Helden.

von Carsten Arndt , Jochen Stutzky , Onur Özdamar

Als der Abpfiff im Luschniki-Stadion ertönte, sank Ivan Perisic in die Knie. Leerer Blick, die Hände vor dem Gesicht gefaltet. Tief enttäuscht. Der große Traum der Kroaten war geplatzt.

Knapp 60 Minuten zuvor war es Perisic selbst gewesen, der dafür gesorgt hatte, dass die Vollendung des WM-Märchens für das so leidenschaftliche und stolze Land greifbar schien.

Perisic jubelt wie Ronaldo

Mit rechts legte der 29-Jährige den Ball in der 28. Minute an Frankreichs Kante vorbei, mit links zog er ab und ließ Hugo Lloris im Tor der Franzosen keine Chance. Der Ausgleich. Emotionen pur.

Perisic verabschiedete sich zum Jubeln gen Eckfahne, zog sein linkes Hosenbein hoch, und deutete in bester Cristiano-Ronaldo-Manier mit dem Finger auf jenen muskulösen Oberschenkel, der die Kroaten wieder hoffen ließ.

Mandzukic unterläuft Eigentor

Zehn Minuten zuvor hatten sie noch einen bitteren Rückschlag verdauen müssen. Nach einem fragwürdigen Foul an Antoine Griezmann tat Mario Mandzukic das, wofür er in der Regel gefeiert wird.

Der ehemalige Bayern-Stürmer verlängerte einen Freistoß per Kopf ins Tor. In diesem bitteren Fall war es allerdings das eigene. Fassungslos blickte er gen Himmel. Er hatte das erste Eigentor der Geschichte in einem WM-Finale erzielt.

Perisic mit folgenschwerem Handspiel

Nicht weniger bestürzt reagierte später Perisic. Nach seinem Ausgleich noch auf dem besten Weg zum Helden, leistete er seinem Teamkollegen Mandzukic unfreiwillig Gesellschaft im Klub der Unglücksraben.

Der argentinische Schiedsrichter Nestor Pitana hatte mit Unterstützung des Video-Assistenten entschieden, dass Perisics Handspiel nach einer Ecke elfmeterwürdig war - Griezmann traf zum 2:1.

"Ich werde nicht über den Schiedsrichter urteilen. Er hat so entschieden, wie er es gesehen hat. Fallen Entscheidungen für dich, ist es gut. Fallen sie gegen dich, ist es schlecht!", zeigte Kroatiens Trainer Zlatko Dalic nach der Partie Größe, "ich habe meinen Spielern gesagt, sie können erhobenen Hauptes hier rausgehen und stolz auf ihre Leistung sein. Es gibt nichs, worüber sie traurig sein müssten!"

Letzteres könnten Perisic und Mandzukic anders sehen. Die Helden des Halbfinals, die für ihr Land die beiden Treffer zum Halbfinal-Erfolg gegen England beigesteuert hatten, mutierten an diesem Abend zu den großen Pechvögeln des Finals.

Goldene Generation unvollendet?

Bis dato hatten die beiden ehemaligen Bundesligaspieler eine herausragende WM gespielt. Auch dank ihnen durfte Kroatiens zweite goldene Generation nach 1998 vom ersten WM-Titel träumen.

Doch dieser Traum könnte nun für immer unerfüllt bleiben. Mit Luka Modric (32), der zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, Torhüter Danijel Subasic (33), Ivan Rakitic (30), Dejan Lovren (29), Domagoj Vida (29), Ivan Strinic sowie Mandzukic (32) und Perisic (29) sind acht Spieler aus der Startelf im Finale 29 Jahre oder älter.

In dieser Konstellation wird das Team in vier Jahren in Katar mit großer Wahrscheinlichkeit nicht auflaufen können.

"Wir können Geschichte schreiben", hatte Co-Trainer Ivica Olic vor dem Finale angekündigt.

Im Falle von Perisic und Mandzukic sollte er auf bittere Art und Weise recht behalten.

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