München - In drei Wochen vom Wunderdribbler zum Schwalbenkönig: Neymar hat bei dieser WM mehr verspielt als den WM-Titel. Sein Image ist beschädigt, die weitere Karriere gefährdet.

von ,

Als sein WM-Aus besiegelt war, sackte Neymar zu Boden. Brasiliens gefallener WM-Star kauerte nach dem 1:2 im Viertelfinale gegen Belgien auf dem Rasen und blickte desillusioniert ins Leere.

Der Vorzeigespieler der Selecao ist bei diesem Turnier nicht einfach so vorzeitig ausgeschieden. Er hat für seine Verhältnisse mäßig gespielt und mit vielen unsäglichen Schauspieleinlagen sein Image beschädigt.

In der Nachbetrachtung ist dieser Neymar da Silva Santos Junior in den vergangenen drei Wochen in Russland auf ganzer Linie gescheitert. 

In einer Umfrage von Brasiliens größtem Online-Portal Globoesporte stellte die überwältigende Mehrheit der Fans Neymar nach dem Belgien-Spiel ein verheerendes Zeugnis aus.

Noch in der Nacht von Brasiliens Viertelfinal-K.o. schoss sich die Presse auf ihn ein. "Zwei Tore, wenig Brillanz und Simulation. Was ist noch übrig von Neymar?", fragte das Sportblatt Lance

Die argentinische Zeitung Clarin kommentierte: "Die WM der Stars ohne Glanz. Neymar war ein Schatten seiner selbst in der Partie, in der ihn die Selecao am meisten brauchte."

Ze Roberto: "So kann Neymar nicht mehr spielen"

Brasiliens Ex-Nationalspieler Ze Roberto kritisierte im ZDF: "Neymar wird seine Spielweise ändern müssen, so kann er in Zukunft nicht mehr spielen."

Der Gescholtene wäre gut beraten, auf seinen Landsmann zu hören. Gegen Belgien war Neymar zwar darum bemüht, mannschaftsdienlicher zu spielen. Mit sieben Torschussvorlagen egalisierte er Mesut Özils Marke aus dem Spiel gegen Südkorea. 

Nur: Was von dieser WM in Erinnerung bleiben wird, ist eben nicht Neymar, der Vorbereiter. Sondern Neymar, der sich ständig theatralisch am Boden wälzt. 

Aufmerksame Beobachter hatten die exakte Zeit gemessen, die Neymar während der Spiele auf dem Boden lag. Bis zum Belgien-Spiel waren es 13 Minuten und 54 Sekunden.

Bei diesem Turnier war Neymar einer Rolle in Hollywood näher als dem WM-Pokal.

Auf Twitter gibt es inzwischen Hunderte GIFs mit einem rollenden Neymar: auf Fließbändern, auf Autobahnen, als Ball, den Frankreichs Supersprinter Kylian Mbappe vor sich hertreibt. Oder als verkappter Luftballon, der vom gegnerischen Torwart zertreten wird.

Hohn und Spott für Neymar

Wohin man schaut, kassiert Neymar dieser Tage Hohn und Spott. So weit ist es also gekommen.

Kurz vor der WM konnte man noch ziemlich sicher davon ausgehen, dass Neymar nach dem Turnier bei Real Madrid ein großes Thema werden würde.

Vater Neymar da Silva Sr., gleichzeitig sein Berater, hatte jedenfalls kaum eine Möglichkeit ausgelassen, zu betonen, dass sein Klient doch nicht so fest an Paris Saint-Germain gebunden sei, wie man angesichts einer Ablösesumme von 222 Millionen Euro glauben könnte.

Und da bei den Königlichen dem Vernehmen nach gerade Cristiano Ronaldo seinen Absprung vorbereitet, tauchte der Name Neymar des Öfteren in der Liste möglicher Nachfolgekandidaten auf.

Ronaldo-Nachfolge? Chancen schwinden

Branchenintern ist von 500 Millionen Euro Transfervolumen die Rede, sollte ein Neymar-Deal zustande kommen - inklusive Gehalt, Handgeld und Prämien. 

Nach Neymars jüngster sportlicher Darbietung werden Reals Bosse die Angelegenheit aber gewiss noch einmal überdenken. 

Warum sollte ausgerechnet der Marketingkrösus unter den Fußballklubs einen Spieler verpflichten, der binnen weniger Tage vom Wunderdribbler zum Schwalbenkönig mutiert und dadurch bei vielen Fans in Ungnade gefallen ist?

Zumal in Russland noch mindestens zwei weitere Spieler im Turnier verblieben sind, denen auch die Fähigkeit nachgesagt wird, künftig für Real Madrid aufzulaufen. 

Kylian Mbappe und Eden Hazard. Frankreich gegen Belgien (Di., ab 19.30 Uhr im LIVETICKER). Einer dieser beiden wird sicher im Finale stehen. Die ganze Welt wird ihm zusehen. Reals Scouts werden ihm zusehen.

Gut möglich, dass Neymar nach dieser WM noch viel mehr beklagen wird als Brasiliens Ausscheiden. 

-----

Lesen Sie auch:

Brasilien zerstört Mega-Serie bei WM

Elfer-Wirbel: Tite wundert sich