Michael Reschke spricht über Deutschlands WM-Aus und die DFB-Führung © Getty Images

München - Nach dem deutschen WM-Debakel fordert Michael Reschke zur Unterstützung des DFB-Teams auf. Bei SPORT1 nimmt er die Bundesliga in die Pflicht.

von Florian Plettenberg

Für das blamable WM-Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft hagelt es öffentlich noch immer massive Kritik am DFB. Mehr denn je stehen vor allem die Bosse um Präsident Reinhard Grindel und Team-Manager Oliver Bierhoff im Fokus – vor allem wegen ihres mangelhaften Krisenmanagements.

Auch Bundestrainer Jogi Löw scheint nicht mehr unumstritten zu sein. Michael Reschke geht das zu weit. Der Sport-Vorstand des VfB Stuttgart fordert eine Kehrtwende und fordert zu mehr Geschlossenheit auf.

Vertrauen und Demut gefordert

"Das Sommermärchen hat 2006 die ganze Nation vereint. Darauf müssen wir uns besinnen. Wir dürfen jetzt nicht ins Tal der Tränen stürzen, sondern wir sind alle dazu aufgefordert, den handelnden Personen unser Vertrauen auszusprechen", fordert Reschke bei SPORT1. Und fügt an: "Vor vier Jahren, als wir Weltmeister wurden, lagen wir ihnen noch zu Füßen. Wir dürfen nicht immer nur draufhauen. Wir müssen in Deutschland demütiger sein."

Dass das historische Vorrunden-Ausscheiden jedoch analysiert werden muss, steht für den 60-Jährigen außer Frage. "Es ist richtig, dass der Misserfolg aufgearbeitet wird. Dazu sind wir in der Bundesliga aber alle aufgefordert."

Reschke gibt Scholl Recht

Eine Erkenntnis, die Reschke auch dazu veranlasst, bei Mehmet Scholl Buße zu tun. Im Dezember sorgte der Ex-Nationalspieler für Aufregung, als er der Trainergeneration um den Ex-Stuttgarter Hannes Wolf vorwarf, dass die "jungen Coaches nicht wirklich an den Menschen und Fußballern interessiert" seien und Scholl gar voraussagte, "dass der deutsche Fußball sein blaues Wunder erleben" werde.

Der Europameister von 1996 kritisierte zudem, dass "unbequeme Spieler", die den "Unterschied ausmachen können", aussortiert werden und sich Kinder nicht mehr "im Dribbeln ausprobieren" dürften. Für seine Aussagen bekam Scholl vor allem von Reschke Gegenwind. Der VfB-Sportvorstand damals: "Das ist Unsinn. Ich hoffe, dass er selber weiß, was für eine Grütze er da erzählt hat."

Knapp sieben Monate später sagt Reschke offen: "Damals habe ich ihn dafür kritisiert, aber Mehmet Scholl hatte in seiner Kernaussage recht." Was Reschke damit meint: "Wir müssen in Deutschland unsere Nachwuchsarbeit wieder fördern. Jeder Verein ist da gefordert. Denn klar ist, dass die individuelle Qualität in der Spitze unserer U-Nationalmannschaften nicht top ist. Die ist bei anderen Nationen größer."

Stuttgart selbst hat mit Timo Baumgartl und Neuzugang Marc-Oliver Kempf (aus Freiburg) zwar potentielle deutsche Nationalspieler im Kader. Bei Transfers setzt der VfB aber auch bevorzugt auf Talente aus dem Ausland. So holte der VfB in diesem Sommer bislang die je 20-jährigen Pablo Maffeo (Spanien), Nicolas Gonzalez (Argentinien) und Borna Sosa (Kroatien).

Blick auf die Nations League

Ende August müssen Bierhoff und Löw den DFB-Bossen ihre WM-Analyse vortragen. Intern ist man sich einig, dass eben jene fundierte Sachanalyse wichtiger ist als vermeintlich aktionistische Personaldebatten.

Reschke sieht das ähnlich und blickt voraus. Genauer gesagt zum ersten Spiel der DFB-Elf nach dem Russland-Debakel am 6. September in München. Dann trifft die Löw-Auswahl im ersten Gruppenspiel der UEFA Nations League auf WM-Finalist Frankreich.

"Was ist, wenn wir auch dieses Spiel nicht gewinnen? Auch dann müssen wir die Nationalmannschaft unterstützen und ihr Rückhalt geben. Die Nationalmannschaft niederzumachen, ist nicht angebracht."

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