München und Sotschi - Als England-Fan schwor sich Harry Maguire nach dem EM-Debakel 2016: Nicht mit mir! Jetzt trifft er im WM-Viertelfinale zum 1:0 - und macht sein Versprechen wahr.

An einem ernüchternden Montagabend vor gut zwei Jahren leistete Jacob Harry Maguire einen Schwur: Sollte er aus irgendeinem unerklärlichen Grund irgendwann einmal dieses Trikot mit den drei Löwen vorne auf der Brust tragen dürfen, dann würde so etwas nicht passieren.

Nein, England würde nicht untergehen. Jedenfalls nicht so leidenschaftslos wie gerade bei der EM gegen Island! Auf gar keinen Fall. Es war der 27. Juni 2016, und Jacob Harry Maguire hatte eine Mission.

Im Sommer vor zwei Jahren war Maguire bereits ein anständiger Fußballer. Gut, aber nicht gut genug, um für England zu spielen. Also reiste er kurzerhand seinen Brüdern Joe und Lawrence sowie zwei Kumpels nach Frankreich hinterher.

Maguire bei EM 2016 als Fan dabei

Am 20. Juni sah er in Saint-Etienne das Spiel zwischen England und Frankreich, einen fürchterlichen Langeweiler (0:0). Aber Maguire fand's klasse: "Es war fantastisch, die Stimmung im Stadion und in der Stadt war unglaublich. Ich bin so froh, dass ich dort war."

Vor allem aber konnte Maguire nachvollziehen, was es bedeutet, wenn Menschen Zeit und Geld für die Three Lions aufbringen.

"Ich bin mir der Opfer total bewusst geworden. So eine Reise kostet unglaublich viel Geld und Energie. Schon allein deshalb war die Reise nach Frankreich eine lehrreiche und ungeheuer wertvolle Erfahrung für mich", versichert er. Und sieben Tage nach seinem Erweckungserlebnis beschloss er: Sollte ich mal für die Three Lions spielen dürfen, gebe ich den Fans etwas zurück.

Bei Leicester City glänzt Maguire

Seit dem Sommer vor zwei Jahren hat sich Maguire von einem guten Verteidiger bei Hull City zu einem sehr guten bei Leicester City entwickelt. Einem, der es nicht nur rustikal kann, sondern der im vergangenen Jahr zu den 30 besten Passgebern der Premier League gehörte.

Einem, der jetzt erst zehn Länderspiele für die Three Lions bestritten hat und schon nicht mehr wegzudenken ist aus dieser Mannschaft. Teammanager Gareth Southgate bezeichnete Maguire am Samstagnachmittag als "Gigant".

Seine Mitspieler nennen Maguire liebevoll "slab-head", in etwa: Quadratschädel. Am Samstagnachmittag in Samara hat Maguire seine 194 Zentimeter und 100 Kilogramm in die Luft gewuchtet und beim 2:0-Sieg gegen Schweden das 1:0 für England erzielt, eben mit diesem kantigen Schädel. Die Jungs, mit denen er noch vor zwei Jahren in der Kurve stand, rasteten aus.

Wäre er auch - wenn er noch dort gestanden hätte.