München - Die Dokumentation zum französischen Titel bei der WM 2018 gewährt beeindruckende Einblicke. Besonders Paul Pogba hinterlässt mit seinen Ansprachen Eindruck.

von Robin Wigger

Paul Pogba wusste vor dem WM-Finale 2018, dass die große Stunde gekommen ist.

"Wir sind 90 Minuten davon entfernt, Geschichte zu schreiben. 90 Minuten, ein Spiel. Ich weiß nicht, wie viele Spiele wir schon gespielt haben. Aber das ist ein Match, das alles verändert, das die ganze Geschichte verändert", schwor Pogba seine Teamkollegen vor dem Endspiel gegen Kroatien ein.

Pogbas Worte verfehlten ihre Wirkung nicht: Frankreich krönte sich durch einen 4:2-Sieg zum Weltmeister.

Die Dokumentation "Les Bleus 2018 au coeur de l'epopee russe", die der französische Fernsehsender TF1 zum französischen Triumph produzierte, gewährt beeindruckende Einblicke auf dem Weg zum französischen Titel.

Neben der sportlichen Qualität und dem Zusammenhalt in der Mannschaft waren emotionale Kabinenansprachen ein Erfolgsfaktor bei der "Equipe Tricolore".

Pogba schwört Team ein

Besonders Pogba nahm nach einer eher enttäuschenden Saison bei Manchester United eine gewichtige Rolle als Anführer ein – auf und abseits des Feldes.

Pogba erinnerte in seiner Ansprache am Sonntag an eine bittere Stunde: Das verlorene Finale bei der EM 2016 gegen Portugal im eigenen Land. "Wir wissen, dass wir ein Finale verloren haben. Das fühlen wir immer noch hier (im Herzen, Anm. d. Red.). Es ist noch in unserem Kopf", so der 25-Jährige: "Aber heute lassen wir kein anderes Team nehmen, was uns gehört."

Pogba forderte, "dass wir alle im Gedächtnis der französischen Leute landen, die uns zuschauen – und in denen der Kinder, Enkel und Ur-Enkel. Ich will, dass wir als Krieger und Anführer auf den Platz gehen."

Deschamps: Gebt Kylian den Ball

In der Halbzeitpause übernahm Trainer Didier Deschamps das Kommando. Sein Team solle es sich nicht schwerer machen als nötig. "Sie sind aggressiv. Ihr habt alle die Energie gesehen, die sie benutzen. Spielt so einfach wie möglich", so Deschamps.

Wenn einer seiner Spieler attackiert werde, käme direkt ein weiterer hinzu. "Gebt den Ball weiter, sobald ihr könnt", empfahl Deschamps, der besonders einen Mann als Zielspieler ins Auge nahm: "Gebt ihn zu Kylian!". Mbappe erzielte nach der Pause das 4:1, nachdem Pogba zuvor schon seinen Worten mit dem Treffer zum 3:1 Taten hatte folgen lassen.

Auch mehrere Spieler machten das Team in der Halbzeitpause nochmal heiß. "Seid positiv, glaubt daran. Wir werden gewinnen, Leute. Wir werden gewinnen", rief der 25 Jahre alte Verteidiger Raphael Varane immer wieder. Er sollte Recht behalten.

Die Dokumentation blickt, ähnlich wie der deutsche Film zum Sommermärchen 2006, auch hinter die Kulissen. Das TV-Team begleitete die französische Nationalmannschaft in der Vorbereitung, in Trainings, Hotelzimmern und Meetings auf dem Weg zum Titel.

Pogba: Messi? Sch***egal

Bereits vor dem Achtelfinale gegen Argentinien und dem Viertelfinale gegen Uruguay hatte Pogba emotionale Ansprachen gehalten.

"Wir müssen heute wie Krieger auftreten. Ich will heute Nacht nicht nach Hause fliegen. Wir bleiben hier in unserem Hotel. Wir werden weiter diese verdammte Pasta essen, es ist mir sch***egal. Wir fahren heute nicht nach Hause", rief Pogba vor dem Duell mit Argentinien.

Er wählte martialische Worte. "Wir müssen unser Leben geben auf diesem Platz. Niemand lässt seine Mitspieler im Stich. Auf dem Feld stehen wir alle zusammen. Krieger, Soldaten! Wir werden sie killen, diese Argentinier", so Pogba: "Messi oder nicht, es ist uns sch***egal. Wir sind gekommen, um den verdammten WM-Pokal zu gewinnen"

Für eine kuriose Szene im Film sorgte Samuel Umtiti. Der Verteidiger des FC Barcelona bejubelte einen Treffer von Cristiano Ronaldo im Gruppenspiel gegen Spanien überschwänglich. Ob das bei den Barca-Kollegen so gut ankommt?