Christian Karembeu hat den WM-Pokal nicht nur ein Mal in der Hand gehabt
Christian Karembeu hat den WM-Pokal nicht nur ein Mal in der Hand gehabt © Imago

Frankreichs Ex-Nationalspieler Christian Karembeu wurde 1998 Weltmeister. Bei SPORT1 spricht er über die WM-Chance gegen Kroatien und über Frankreichs Top-Spieler.

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Vor zwanzig Jahren wurde Christian Karembeu mit Frankreich zum ersten Mal Weltmeister. Jetzt ist der zweite Titel zum Greifen nah.

Karembeu, mittlerweile Berater bei Olympiakos Piräus, spricht vor dem Finale gegen Kroatien (ab 17 Uhr im LIVETICKER) im Interview mit SPORT1 über den möglichen Titelgewinn, Star-Spieler der französischen Nationalspieler und was er als Ex-Real-Madrid-Profi von Cristiano Ronaldos Transfer nach Juventus Turin hält. 

SPORT1: Herr Karembeu, sind Sie stolz, dass Frankreich im Finale steht?

Christian Karembeu: Natürlich. Es ist immer eine Ehre im Finale zu stehen. Die Jungs haben es sich verdient, sie haben großartig gespielt.

SPORT1: Warum wird Frankreich Weltmeister?

Karembeu: Die Mannschaft hat bisher alles gewonnen. Sie ist Gruppensieger geworden, hat drei Siege errungen. Wir wissen, dass die Kroaten stark sind, sie leisten großen Widerstand und haben sich durch Verlängerungen gekämpft. Modric Rakitic, Perisic, Rebic - Kroatien hat große Namen in seinen Reihen. Wir müssen gewarnt sein. Didier Deschamps wird aber eines nicht tun: die Kroaten unterschätzen. Sie haben es verdient, im Finale unser Gegner zu sein.

SPORT1: Zuletzt gab es Kritik an der unattraktiven Spielweise der Franzosen, etwa von den Belgiern.

Karembeu: Der Punkt ist doch der: Am Ende steht Frankreich im Finale. Sie sind die Gewinner, da redet kaum mehr jemand davon, was auf dem Feld war. Natürlich wollen wir grundsätzlich interessanten Fußball spielen. Aber wo ist das Land, dass das bei dieser WM durchgehend gezeigt hat? Vielleicht war das beste Spiel Frankreich gegen Argentinien, und das haben wir am Ende gewonnen.

SPORT1: Griezmann, Mbappe, Pogba - wer ist der wichtigste Spieler für die Franzosen?

Karembeu: Das Team als Ganzes natürlich. Die Mannschaft hat bisher immer im Kollektiv gewonnen. Schauen Sie sich das Spiel gegen Argentinien an: Das letzte Tor zum 4:2, das war fantastisch. Von Lloris, vom Torwart, bis nach vorne zu Mbappe. One-Touch-Fußball. Das ist es, was ich mir wünsche wiederzusehen. Wir müssen gegen Kroatien über das Limit gehen, denn wenn du einmal deine Konzentration verlierst, bist du raus aus dem Turnier. Es sind die kleinen Sachen, die den Unterschied machen. 

SPORT1: Frankreich steht im Finale, Deutschland ist als Weltmeister sehr früh ausgeschieden. Woran lag es?

Karembeu: Das ist schwer zu sagen. Eigentlich ist die Bundesliga doch ein Vorbild für die Spielweise, für die Philosophie der Deutschen. Mich hat es überrascht, dass sie so gespielt haben. Es waren aber nicht nur die Deutschen, die Probleme hatten. Das gleiche haben wir bei anderen großen Nationen gesehen: bei Argentinien, bei Brasilien. Auch sie haben talentierte Spieler in ihren Reihen. Doch du kannst nicht über Jahre mit derselben Mannschaft immer gleich stark spielen. Dafür kommen in anderen Teams zu viele junge Spieler nach. Der Verband muss jetzt schauen, was schlecht gelaufen ist.

SPORT1: Cristiano Ronaldo wechselt von Real zu Juventus. Sie haben selbst in Madrid gespielt. Ist sein Abgang ein Rückschritt?

Karembeu: Nein, es ist seine Entscheidung, diese verdient Respekt. Wir müssen ihm alle dankbar sein für das, was er geleistet hat. Cristiano ist Cristiano. Er wird Juventus zu einigen Titeln führen. Ich wünsche ihm alles Glück.

SPORT1: Wer sollte Ronaldo bei Real ersetzen: Mbappe? Neymar?

Karembeu: Natürlich hat Real Mbappe auf dem Zettel. Das Management muss entscheiden, ob sie ihn verpflichten oder nicht. Florentino Perez mag beide Spieler sehr. Wir werden sehen: Sie spielen jetzt gemeinsam in Paris, vielleicht holt man sie beide zusammen nach Madrid. Aber das hängt natürlich auch von PSG ab.