München - Nach dem WM-Aus diskutiert der CHECk24 WM Doppelpass über den Charakter des DFB-Teams. Den Ex-Nationalspielern Christian Ziege und Rene fehlen vor allem Typen.

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Auch vier Tage nach dem blamablen WM-Aus setzt sich die Kritik am Auftreten der deutschen Nationalmannschaft fort - vor allem an der Außendarstellung der Spieler entzündet sich die Debatte:

"Es gab viele Brandherde, auch schon vor der WM. Es waren zu viele Probleme auf einmal", erklärte Ex-Nationalkeeper Rene Adler während des CHECK24 WM Doppelpass.

"Auch wenn das Gerüst ein gutes war, die Mischung aus jung und alt stimmte mit sehr viel Erfahrung: Es hat sich gezeigt, wie wichtig die Spieler von 2014 waren."

So sieht es auch Christian Ziege.

"Uns haben einfach die Typen gefehlt", sagte der frühere Nationalspieler Christian Ziege. "Man hatte nie das Gefühl, da sind Leader, die das Team in die richtige Richtung führen."  

Adler: Keine Typen wie Klose und Schweinsteiger

Nach Adlers Ansicht wurden die Anführer der WM 2014 diesmal schmerzlich vermisst.

"Ein Miroslav Klose Klose mit seiner bodenständigen Art; ein Per Mertesacker, der die Mannschaft damals sensationell zusammengehalten hat, auch wenn er nicht jedes Spiel gemacht hat. Oder ein Bastian Schweinsteiger als Kapitän und natürlich auch Philipp Lahm", nannte der 33-Jährige von Mainz 05 gleich mehrere Charaktere, die ihm beim jetzigen Team fehlten.   

"Das waren Führungsspieler, die man nicht ersetzen konnte. Dieses Problem ist ein Stück weit unterschätzt worden", so Adler, der auch die wachsende Distanz zu den Fans beklagte:

"Man ist zu weit weg von der Basis. Schweinsteiger und Podolski waren 2014 auch ein Bindeglied zu den Fans. Man sollte wieder eine Leidenschaft entwickeln."

Kroos umstritten

Auseinander gingen die Meinungen der Expertenrunde darüber, inwieweit auch Champions-League-Sieger Toni Kroos von Real Madrid zu wenig vorangegangen sei: "Kroos hat es zumindest versucht", meinte Ziege.

Adler sah es ähnlich: "Die Diskussion über Kroos ist aberwitzig. Kroos spielt seit Jahren auf Weltniveau. Zu den Gründen für die Schwäche muss man etwas tiefgründiger reinschauen."

SPORT1-Experte Thomas Strunz dagegen bescheinigte Kroos mentale Probleme: "Die Fokussierung auf den nächsten Gegner war nicht da, somit fehlte auch die Motivation. Kroos ist kein Leader, er ist nicht der Typ dazu. Man hat manchmal das Gefühl, dass er im Interview Dinge sagt, die er eigentlich gar nicht sagen will."

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