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SPORT1-Experte Marcel Reif analysiert in seiner Kolumne Deutschlands Sieg gegen Schweden. Bei Toni Kroos leistet er Abbitte. Thomas Müller sieht er nicht länger in der Startelf.

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Hallo Fußball-Freunde,

was war das für ein Spiel der deutschen Mannschaft gegen Schweden? 

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Mir ist es zwar ein bisschen früh zu sagen: Jetzt werden wir Weltmeister! Aber so wie das am Samstag gelaufen ist, mit dem Last-Minute-Tor und der Roten Karte - wenn du das überstehst, ist alles möglich. 

Zu allererst möchte ich öffentlich Buße tun bei Toni Kroos. Als er Bayern verlassen hat und zu Real Madrid gewechselt ist, habe ich gedacht und gesagt: Wurscht. Ist eh' immer die gleiche Sauce, die der spielt mit seinen Querpässen. Den braucht kein Mensch. 

Ich habe ihn dann in Madrid von Spiel zu Spiel schätzen gelernt. Er ist dort Schritt für Schritt zum Weltklassespieler aufgestiegen. Und gegen Schweden ist er in eine noch höhere Liga aufgestiegen. In eine, die überhaupt nur ganz wenige erreichen. 

Wie er die Bälle erobert und verteilt hat und dann am Ende den Freistoß rein macht - Hut ab nach der Vorgeschichte.

So einen Fehlpass wie vor dem 0:1 habe ich seit Jahren nicht von ihm gesehen. Kroos ist selbst entsetzt gewesen über dieses Tor. Wenn der wegknickt in der zweiten Halbzeit und das nicht wegsteckt - dann gute Nacht DFB-Team. 

Ein zweiter Gewinner des Spiels ist für mich Joachim Löw. Der Bundestrainer hat sich oft schwer getan in der Vergangenheit, verdiente Namen des Sports beiseite zu nehmen. Gegen Schweden hat er dann etwas gemacht, was für mich sehr beachtlich war.

Mit der Aufstellung, die er gewählt hat, habe ich den Eindruck: Löw hat endgültig mit der WM 2014 abgeschlossen. Er hat neue Spieler für bewährte Kräfte gebracht. Der Nächste, der an der Reihe ist, ist Julian Brandt. 

Und dann wären wir automatisch bei Thomas Müller. In der Form gehört er für mich nicht mehr in die Startelf. Die Körpersprache, die kindliche Unbekümmertheit - alles irgendwie weg.

Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass der Bundestrainer vor dem nächsten Spiel zu ihm geht und sagt: "Thomas, du bleibst heute draußen."

Zum Abschluss noch ein paar Worte zu der Medienschelte einiger deutscher Spieler: Welches Thema möchtest du denn bitteschön haben, wenn du als Titelverteidiger ins Turnier startest und verlierst? 

Jeder Spieler in dieser deutschen Mannschaft ist um eine Klasse besser als sein mexikanischer Gegenspieler. Wenn du es dann nicht auf den Platz bekommst, ist doch klar, dass du Kritik erhältst. 

Wie man damit umgeht, hat Joshua Kimmich gezeigt. Der hat nach dem Mexiko-Spiel ordentlich einen abgekriegt. Gestern hat er mir gefallen. Der Junge ist lernfähig und vor allem: lernwillig. 

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.