Kaliningrad - Spanien rumpelt sich mit einem Remis gegen Marokko ins Achtelfinale. Ein Video-Tor in letzter Minute verhindert ein Debakel. Spieler und Trainer schlagen Alarm.

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Andres Iniesta pustete einmal kräftig durch, Sergio Ramos kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Trotz des glücklichen Endes im Fernduell mit Portugal um den Sieg der Gruppe B lagen die Nerven bei den Spaniern blank. (SERVICE: Die Tabelle der Gruppe B)

"So können wir nicht weitermachen", sagte Torschütze Isco nach dem schmeichelhaften 2:2 (1:1) gegen Marokko. "Wir müssen endlich unsere Ärmel hochkrempeln, uns konzentrieren und aufhören, unseren Gegner Tore zu schenken."

Der Weltmeister von 2010 benötigte in Kalinigrad ein hartes Stück Arbeit, um im Achtelfinale einem Duell mit dem Geheimfavoriten Uruguay zu entgehen. (Diese Teams stehen im Achtelfinale)

Ein später, erst nach Videobeweis anerkannter Treffer durch Iago Aspas (90.+1) wandte eine Blamage gegen den bereits zuvor ausgeschiedenen Underdog aus Afrika ab. 

Khalid Boutaib brachte die bravourös kämpfenden Afrikaner in der 14. Minute in Führung. Isco (19.) gelang zwar der schnelle Ausgleich, doch der Favorit tat sich danach enorm schwer und musste sogar das 1:2 durch Youssef En Nesyri (81.) hinnehmen. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Das ist nicht der Weg"

Nach Spielende konnte sich die Spanier dennoch über den Gruppensieg freuen, weil Portugal nicht über ein 1:1 gegen Iran hinauskam - und über die Tatsache, einem peinlichen Vorrunden-Aus wie dem vor vier Jahren in Brasilien entgangen zu sein. 

"Erst Zweiter, dann Erster - da sieht man, wie eng alles zusammenliegt", sagte Spaniens Trainer Fernando Hierro erleichtert. Aber auch er sah ein: "Das ist nicht der Weg. Wir dürfen dem Gegner nicht so viele Freiheiten lassen. Wir müssen uns im Achtelfinale gegen Russland dringend steigern."

Hierros Mannen begannen wie erwartet druckvoll und mit viel Ballbesitz, erlebten aber schnell ein böses Erwachen. Nach einem Missverständnis zwischen Iniesta und Ramos am Mittelkreis schnappte sich Boutaib den Ball, lief alleine auf David de Gea zu und traf durch die Beine des spanischen Keepers ins Tor.

Es war der vierte Schuss im Turnierverlauf auf de Geas Kasten - und das vierte Tor. (Der WM-Spielplan und alle Ergebnisse im Überblick) 

Isco bügelt Abwehr-Bock aus

Spanien reagierte mit energischen Angriffen und hatte schnell Erfolg. Nach feiner Vorarbeit von Iniesta drosch Isco den Ball aus fünf Metern fast wütend unter die Latte.

 Doch wer dachte, der Ausgleichstreffer sei der Auftakt eines gemütlichen Spazierganges der Iberer, wurde schnell eines Besseren belehrt.

Die Abwehr um Kapitän Ramos blieb ernorm anfällig, in der 25. Minute ließ sie sich von einem schnellen Einwurf in den Lauf von Boutaib überraschen, der 1:0-Schütze hatte seinen zweiten Treffer auf dem Fuß.

Doch de Gea parierte, erstmals in Russland, glänzend.

Marokko mit grenzwertiger Härte

Marokko wehrte sich tapfer, phasenweise aber auch mit grenzwertiger Härte. Mbark Boussoufa kassierte in der 31. Minute schon als vierter Marokkaner eine Gelbe Karte.

Nach der Pause präsentierte sich den 33.973 Zuschauern dasselbe Bild: Spanien drückte, Marokko blieb gefährlich - auch durch Unachtsamkeiten der Spanier. In der 50. Minute profitierte Boussoufa beinahe von Abstimmungsproblemen zwischen Ramos und De Gea.

Weitere fünf Minuten später hatten die Europäer noch wesentlich mehr Glück: Noureddine Amrabat traf mit einem fulminanten Schuss von der Strafraumgrenze nur das Lattenkreuz. "Wir hatten heute das Spiel nicht so unter Kontrolle, wie wir wollten", resümierte Iniesta nach dem Abpfiff. 

Die afrikanischen Fans auf der Tribüne feierten eine wilde Abschiedsparty, die auch das spektakuläre Tor von Aspas nicht stoppen konnte. Der für den enttäuschenden Diego Costa eingewechselte Angreifer von Celta Vigo traf nach einer Flanke mit der Hacke ins Netz.

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