Jekaterinburg - Die Schweden drücken im Gruppenfinale gegen Mexiko von Beginn an aufs Tempo und belohnen sich in der zweiten Hälfte selbst.

Die schwedische WM-Party in der Arena von Jekaterinburg hatte längst ihren Höhepunkt erreicht, da realisierten langsam auch die geschlagenen Mexikaner ihr großes Glück.

Nach und nach sickerte die Nachricht von der sensationellen deutschen Niederlage im 700 Kilometer entfernten Kasan durch. Eigentorschütze Edson Alvarez heulte im Zwiespalt der Gefühle, seine Teamkollegen blickten sich immer wieder ungläubig an. Konnte es wirklich wahr sein?

Es konnte! Trotz der 0:3 (0:0)-Pleite gegen haushoch überlegene Schweden zog auch Mexiko ins WM-Achtelfinale ein. Damit hatte nach der enttäuschenden Vorstellung niemand der El Tri mehr gerechnet. (SERVICE: Die Tabelle der Gruppe F)

Die Schweden verdienten sich dagegen ihren ersten Einzug in die K.o-Runde seit zwölf Jahren mit dem Mut, der ihnen beim unglücklichen 1:2 gegen Deutschland noch gefehlt hatte. Der Bremer Ludwig Augustinsson (50.) und Kapitän Andreas Granqvist (62.) per Foulelfmeter hatten Blagult bereits belohnt, ehe Alvarez (74.) für die Entscheidung sorgte. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Ein Traum ist wahr geworden"

"Ein Traum ist wahr geworden. Wahnsinn", sagte Augustinsson und richtete sein Wort an die Deutschen: "Sie sind eine fantastische Mannschaft. Aber das ist Fußball. Deutschland hatte seine Chance."

Während die Schweden ohne ihren längst zurückgetretenen Superstar Zlatan Ibrahimovic auf einen ähnlichen Lauf wie 1994 in den USA hoffen, der damals auf Platz drei endete, dreht sich für Mexiko alles nur um eine Frage: Wie kann der Achtelfinalfluch endlich gebannt werden? Die Runde der besten 16 Teams hatten die Lateinamerikaner auch bei den vergangenen sechs Weltmeisterschaften erreicht, nie schafften sie den Sprung ins Viertelfinale. (Der WM-Spielplan und alle Ergebnisse im Überblick)

Nach der glücklichen Qualifikation für die K.o-Runde wachsen die Zweifel der so stark gestarteten Mexikaner wieder. Die klare Niederlage wird ihre Spuren hinterlassen.

Im Achtelfinale bekommen es Schweden und Mexiko mit einem Gegner aus der Gruppe E zu tun - entweder Brasilien, Schweiz oder Serbien. Schweden spielt als Gruppenerster am kommenden Dienstag in St. Petersburg, Mexiko als Zweiter einen Tag früher in Samara.

Berg als Chancentod

Keine leichten Aufgaben, aber zumindest die Schweden glauben an ihre Chance. "Wir haben gezeigt, dass alles möglich ist", sagte Augustinsson. "Wir sind seit dem Spiel gegen Deutschland ein ganzes Stück gewachsen", lobte Trainer Janne Andersson. Schadenfreude nach den Auseinandersetzungen mit den Deutschen nach dem Schlusspfiff in Sotschi kannte er nicht: "So denke ich nicht. Nicht in einer Million Jahre."

Waren die Schweden nach ihrer Führung gegen den Weltmeister verzagt und hatten sich zurückgezogen, spielten sie gegen Mexiko von der ersten Minute an auf Sieg. Alleine der Ex-Hamburger Marcus Berg hatte Chancen für zwei Spiele, auch der Leipziger Emil Forsberg vergab zwei gute Möglichkeiten. Nachdem Augustinsson den Bann gebrochen hatte, holte Berg den Elfmeter heraus, der Mexiko zu Boden drückte.

Die stolzen Lateinamerikaner zitterten bis zum Schlusspfiff in Kasan, dann brach auf den Rängen der Jubel unter den Zigtausenden mexikanischen Fans aus. Bis die Nachricht vom deutschen K.o. bei den Spielern und Trainer Juan Carlos Osorio angekommen war, dauert es jedoch noch einige bange Minuten.