Auch Polen mit Bayern-Star Robert Lewandowski verpatzt mit dem 1:2 gegen Senegal den WM-Start
Auch Polen mit Bayern-Star Robert Lewandowski verpatzt mit dem 1:2 gegen Senegal den WM-Start © Getty Images
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Moskau - Polen mit Robert Lewandowski verpatzt den WM-Auftakt gegen Senegal. Nach einem Eigentor legen sich die Osteuropäer auch den zweiten Gegentreffer praktisch selbst ins Netz.

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Robert Lewandowski war beinahe unsichtbar, ausgeschaltet, wirkungslos. Und am Ende blieb ihm nichts anderes übrig, als mit einem säuerlichen Blick und kopfschüttelnd auf die Anzeigetafel zu schauen.

Der formschwache polnische Torjäger vom FC Bayern verlor in seinem ersten WM-Spiel das Duell mit Senegals Sadio Mane klar und muss nach einer bitteren 1:2 (0:1)-Niederlage um den Einzug ins WM-Achtelfinale zittern (LIVETICKER zum Nachlesen).

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Die Polen unterlagen im Moskauer Spartak-Stadion verdient mit und ermöglichten den starken "Löwen von Teranga" in der Gruppe H den erlösenden ersten Sieg einer afrikanischen Mannschaft bei der WM in Russland. Grzegorz Krychowiak (86.) traf zu spät für die Polen. Beide Mannschaften spielen noch gegen Kolumbien und Japan.

Polen-Coach hadert: Plan nicht umgesetzt

"Wir hatten einen Plan, aber einen Plan zu haben und diesen dann durchzusetzen, das sind zwei Paar Schuh. Wir haben nicht koordiniert und dynamisch genug gespielt", haderte Polens Trainer Adam Nawalka anschließend.

Senegals Trainer Aliou Cisse war hingegen sehr stolz auf seine Mannschaft. "Sie haben entschlossen und gut gearbeitet. Wir haben eine Generation an Spielern zusammen, die Respekt verdient. Dieser Sieg bedeutet eine ganze Menge für uns und bietet große Chancen im Turnier."

Lewandowski bleibt für Polen blass

Lewandowski fiel mit dem einrasierten Blitz in seinem Haaransatz auf, doch wie schon in der entscheidenden Saisonphase bei den Münchnern trat er nicht wie jener Stürmer von Weltklasse auf, der er zu sein glaubt. Mane traf zwar auch nicht das Tor, doch der Liverpooler spielte eine Klasse besser und feierte einen enorm wichtigen Sieg.

Polens Verteidiger Thiago Cionek fälschte den Ball zunächst nach einem Schuss von Idrissa Gueye (37.) unhaltbar ab.

Kurioses Niang-Tor sorgt für Vorentscheidung

Das zweite Tor servierte Polen auf dem Silbertablett - nach Slapstick-Art: Krychowiak schlug den Ball unkontrolliert Richtung eigenes Tor, Jan Bednarek und der herausgelaufene Torhüter Wojciech Szczesny hatten einen Blackout, den M'Baye Niang eiskalt nutzte.

Der ehemalige Angreifer des AC Mailand war von Schiedsrichter Nawaf Abdulla Shukralla erst kurz zuvor wieder ins Feld gewunken worden und profitierte von der Konfussion der polnischen Defensive. (Die Tabelle der Gruppe H)

Auf "RL9" und Mane war das Spiel der Mannschaften zugeschnitten, was im Falle des Senegalesen noch auffälliger war. Die Afrikaner spielten viel über links, wo der Stürmerstar den Wolfsburger Jakub Blaszczykowski und den BVB-Profi Lukasz Piszczek gut beschäftigte. Auf der anderen Seite hatte Salif Sanem der im Sommer von Hannover 96 zum FC Schalke wechselt, Lewandowski stets bewundernswert im Griff.

Torchancen? Gab es lange, lange nicht. Polen baute behäbig auf - sollte es schneller gehen, wurden die Pässe sofort schlampig. Senegal ging aggressiver in die Zweikämpfe, ohne spielerisch gefährlich in den Strafraum zu kommen. Denn die Flanken waren unpräzise. Das Spiel lahmte, bis Piszczek an der Außenlinie den Ball verlor. Der Senegal nutzte dies zum Tor.

Anschluss für Polen kommt zu spät

Mit der Halbzeit war Blaszczykowskis 100. Länderspiel, zugleich sein WM-Debüt, beendet. Er wirkte angeschlagen. Trainer Adam Nawalka musste ohnehin das Risiko erhöhen, er stellte auf eine Dreier-Abwehrkette um. Polen mühte sich ab, auch Lewandowski schlenzte einen Freistoß auf das Tor (51.).

Der Dreifach-Patzer allerdings war ein Hammerschlag, von dem sich die Weiß-Roten vor 44.190 Zuschauern nicht mehr richtig erholten (Alle Ergebnisse im Überblick).

Arkadiusz Milik, einst bei Bayer Leverkusen und beim FC Augsburg, hatte zwar noch eine Chance: Er spitzelte den Ball aus kurzer Distanz ans Außennetz. Aber zu einem Sturmlauf raffte sich der (vermeintliche) Favorit nicht mehr auf. Mehr als der Anschlusstreffer gelang gegen den taktisch disziplinerten Senegal, der auch körperlich exzellent vorbereitet wirkte, gelang Lewandowski und Co. nicht mehr.