Japan verliert sein letztes Gruppenspiel gegen die schon ausgeschiedenen Polen und erreicht trotzdem das Achtelfinale - der Fairplay-Wertung sei Dank.

Verzockt, aber trotzdem weiter: Japan ist mit Hängen und Würgen dank einer historischen Fairplay-Entscheidung ins WM-Achtelfinale eingezogen. (Spielplan und Ergebnisse der WM 2018)

Die Asiaten verloren zwar gegen die bereits ausgeschiedenen Polen 0:1 (0:0), entschieden aber das Duell um den zweiten Platz gegen das punkt- und torgleiche Team aus Senegal für sich - weil sie in der Fairplay-Wertung besser platziert waren. Zwei Gelbe Karten machten den Unterschied zu Gunsten Japans.

Die Afrikaner verloren in Samara ebenfalls 0:1 gegen Kolumbien. Auf diese Weise ist in der WM-Geschichte noch nie eine Gruppe entschieden worden. (Tabellen der Weltmeisterschaft in Russland)

Da die Japaner über das Zwischenergebnis im Parallelspiel informiert waren, geriet die Partie in der Schlussphase zur Farce. Das Team von Trainer Akira Nishino schob sich den Ball minutenlang in der eigenen Hälfte hin und her. Polen war ebenfalls mit dem Ergebnis zufrieden und verzichtete darauf, nach dem Ball zu jagen.

"Es war am Ende ein bisschen ein komisches Gefühl, aber das ist auch Fußball", sagte Kapitän Makoto Hasebe zur Endphase in der ARD.

"Wir haben sehr aggressiv gespielt in den ersten beiden Spielen. Dies ist uns heute nicht so gelungen", erklärte Nishino.

Belgien wartet im Achtelfinale

Im Achtelfinale wird es für Japan hart: Am Montag (20 Uhr) warten die starken Belgier. 

Bayern-Star Robert Lewandowski und seine Polen, die schon vor dem Spiel keine Chance mehr auf den Achtelfinal-Einzug hatten, reisen immerhin mit dem ersten Sieg im Gepäck nach Hause.

Der Bundesliga-Torschützenkönig verlässt Russland allerdings ohne Treffer, er blieb wie schon häufiger in dieser Saison in wichtigen Spielen den Beweis seiner angeblichen Weltklasse schuldig. Das Tor in Wolgograd erzielte Jan Bednarek (59.). (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Stars um Kagawa geschont

Japans Trainer Akira Nishino hatte vor dem Gruppenfinale völlig überraschend seine Erfolgself auseinandergerissen. Er stellte sein Team im Vergleich zum 2:2 gegen den Senegal gleich auf sechs Positionen um, viel Prominenz blieb zunächst draußen.

Unter anderem der Dortmunder Shinji Kagawa, der Kölner Yuya Osako und auch Hasebe von Eintracht Frankfurt saßen auf der Bank. 

Gotoku Sakai, Spielführer des Zweitligisten Hamburger SV, kam dagegen zu seinem ersten WM-Einsatz. Angesichts der Hitze in Wolgograd hatte Nishino vor dem Anpfiff ein ökonomisches und effektives Spiel seiner Mannschaft angekündigt.

Der Plan schien vor 42.189 Zuschauern zunächst aufzugehen. Die quirligen Asiaten rissen schnell die Spielkontrolle an sich und setzten auch in der Offensive Akzente, ohne allerdings wirklich gefährlich zu werden.

Lewandowski weitgehend blass

Auf der anderen Seite suchten die Polen immer wieder Lewandowski, der sich in Anfangsphase als Ballverteiler versuchte, danach aber immer mehr die Bindung zum Spiel verlor.

Entsprechend hatte die beste polnische Chance vor der Pause nicht der Bayern-Star, sondern Kamil Grosicki, dessen sehenswerter Kopfball Eiji Kawashima mit einer spektakulären Parade entschärfte. Die Torlinientechnik zeigte, wie knapp es war: Der Ball hatte schon etwas mehr als zur Hälfte die Torlinie überquert, als der Keeper des FC Metz ihn parierte. 

Nach der Pause brachte Nishino den Noch-Kölner Osako für Shinji Okazaki. Doch für neuen Schwung konnte auch der 28-Jährige zunächst nicht sorgen. Die Polen zogen sich weiter zurück und warteten ihrerseits auf Konter. Ein von Lewandowski gut eingeleiteter Vorstoß hätte fast zum Erfolg geführt, doch Kawashima rettete in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Münchner. 

Wenig später konnte aber auch der Torhüter nichts mehr machen. Nach einem Freistoß von Rafal Kurzawa ließ die japanische Hintermannschaft Bednarek völlig frei stehen. Der Abwehrspieler hatte keine Probleme, sein erstes Länderspieltor zu erzielen.