München - Das Deutschland-Spiel gegen Südkorea am Nachmittag kollidiert für viele Fans mit ihrer Arbeitszeit. Ist Mitfiebern im TV erlaubt? SPORT1 klärt auf.

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Südkorea gegen Deutschland, an einem Mittwochnachmittag: Bei dieser Ansetzung werden viele gestöhnt haben. Für die meisten Fans kollidiert die Anstoß-Uhrzeit des dritten Gruppenspiels (ab 16 Uhr im LIVETICKER) mit ihrer regulären Arbeitszeit.

Ein Horror-Szenario? Für die meisten nicht: Die wenigsten Arbeitgeber wollen in diesen Zeiten WM-Spielverderber sein und ermöglichen das Mitfiebern an TV-Gerät, Leinwand oder Handy.

Aber wie genau ist eigentlich die Rechtslage, wenn es um Fußballgucken am Arbeitsplatz geht? Und was kann passieren, wenn man tatsächlich einen Fußballmuffel als Vorgesetzten hat?

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen:

Können Arbeitgeber das WM-Gucken im TV verbieten?

Rein juristisch ist die Lage klar: ja! Arbeitnehmer sind zum Arbeiten verpflichtet, nebenbei Fußball zu schauen ist eine Ablenkung, die Arbeitgeber nicht dulden müssen. Sie sind zu Abmahnungen berechtigt, im Wiederholungsfall auch zur Kündigung. Dabei ist auch unerheblich, ob auf einen großen Fernsehbildschirm oder auf einen Stream ins kleine Smartphone-Display gelugt wird.

Erst im Mai hat ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln die Rechtslage verdeutlicht: Ein Mechaniker wollte dort eine Abmahnung aus seiner Personalakte entfernen lassen: Er hatte seinen Arbeitsplatz verlassen, um in ein Europa-League-Spiel reinzuschauen.

Er scheiterte in mehreren Instanzen, obwohl es erwiesenermaßen nur um "30 Sekunden bis maximal zwei Minuten" ging. Die Gerichte bestätigten die Bewertung des Vorfalls als "massive Verletzung Ihrer arbeitsvertraglichen Pflichten". Die Abmahnung verstoße auch nicht gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

Mit anderen Worten: Jeder Fan, der in der Arbeit das Spiel verfolgen will, ist auf den guten Willen seines Chefs angewiesen. Rechtlich steht er auf verlorenem Posten.

Was ist mit Radio und Liveticker?

Fürs Radio gelten dieselben Regeln wie fürs Fernsehen. Und ein Arbeitgeber kann das Hören von WM-Übertragungen auch dann verbieten, wenn er Radios ansonsten erlaubt - Fußballübertragungen ziehen ja meistens mehr Aufmerksamkeit auf sich als Musik.

Auch bei Livetickern liegt im Ermessen des Arbeitgebers, was geht und was nicht geht. Wo privates Surfen am Arbeitsplatz erlaubt ist, wird ein gelegentlicher Check des Spielverlaufs aber gewiss kein Problem sein.

Gibt es Ausnahmen?

Natürlich - und sehr viele. Die meisten Chefs wissen ja, dass es dem Betriebsklima mehr nutzt als schadet, bei einer WM auf die Fußball-Fans in der Belegschaft Rücksicht zu nehmen.

Die Universität Hohenheim hat dazu eine Befragung durchgeführt, an der sich das ablesen lässt. 38 Prozent der Chefs deutscher Betriebe sind demnach einverstanden damit, dass ihre Angestellten WM-Spiele im Fernsehen schauen, die Mehrheit von 57 Prozent hat zumindest mit Radioübertragungen kein Problem.

Beim Deutschland-Spiel wird der gute Wille auch nochmal um einiges größer sein als bei Australien - Peru am Vortag.

Was tun die Unternehmen?

Gerade größere Firmen kommen den Fans oft aktiv entgegen: Beim DFB-Sponsor Daimler etwa werden bei Großturnieren die Schichtpläne an die Anstoßzeiten angepasst, oft gibt es auch kleine Fanfeste für ihre Angestellten. Auf dem Allianz-Campus bei München gibt es ein Public Viewing "mit kalten Getränken, Grill und Döner", wie Unternehmenssprecher Timo Scheil SPORT1 berichtet.

Bei der Lufthansa, Thyssen und zahlreichen anderen Betrieben gibt es ähnliche Events (die dann aber nicht zwingend als Arbeitszeit zählen).

Natürlich kann bei rollendem Ball nicht überall der Betrieb stillstehen, Bus- und Bahnfahrer etwa dürfen sich von den Übertragungen nicht ablenken lassen. Die Berliner Verkehrsbetriebe halten Fahrer und Passagiere aber mit Tor-Durchsagen auf dem Laufenden.

"Es wird von allen gut angenommen", sagt BVG-Sprecher Markus Falkner.

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TV: ZDF
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Ticker: SPORT1.de