Kasan und München - Tae-Yong Shin gilt wegen seines Kleidungsstils als asiatisches Double von Joachim Löw. Abgesehen davon hat Südkoreas Coach aber wenig mit dem Bundestrainer gemeinsam.

von Kerry Hau

Eine elegante dunkle Hose, ein schickes helles Hemd, dazu noch eine Uhr und ein Armband als noble Verzierung der Handgelenke: Südkoreas Trainer Tae-Yong Shin gibt an der Seitenlinie allzu gerne das Bild eines gepflegten Gentleman ab. 

Mit seinem Faible für Mode tanzt der 47-Jährige keineswegs aus der Reihe. Ganz im Gegenteil. Im heutigen Fußball-Business lässt fast jeder Teammanager seinen Trainingsanzug im Schrank hängen. Jürgen Klopp ist eine der wenigen Ausnahmen.

Dass Shin bei der WM in Russland trotzdem alle Blicke auf sich zieht, ist seinen dichten, tief in die Stirn fallenden schwarzen Haaren geschuldet. Er sieht Weltmeister-Trainer Joachim Löw so zum Verwechseln ähnlich.

"Löw zieht sich sehr modisch an"

In Südkorea feiern sie Shin bereits seit 2012 als "Löw Asiens". Damals gewann der Hamburger SV im Land der Morgenstille ein Vorbereitungsturnier gegen Shins damaligen Arbeitgeber FC Seongnam.

Als der frühere Mittelfeldspieler vor einem Jahr die Nachfolge von Uli Stielike als Nationaltrainer antrat und in die deutsche WM-Gruppe F gelost wurde, nahm der Hype um den Löw-Doppelgänger erneut an Fahrt auf.

Shin selbst hält von den Vergleichen wenig. Natürlich sei es "eine Ehre", in diversen Foto-Collagen mit dem "besten Trainer der Welt" aufzutauchen, sagte er vor dem direkten Duell mit dem DFB-Coach am Mittwoch (ab 16 Uhr im LIVETICKER). Löw ziehe sich ja schließlich auch "sehr modisch" an und sei "ein wunderbarer Mensch".

Vom Typ her wie Mourinho

Als reine Kopie seines Gegenübers, hatte Shin schon 2016 in einem Interview mit der Bild betont, wolle er sich aber nicht verstanden wissen: "Ich kopiere Löw nicht. Er interessiert sich für Mode, ich interessiere mich für Mode. Da kommen Ähnlichkeiten schon mal vor."

Shin tickt als Mensch ohnehin anders als der Bundestrainer. Er strotzt nur so vor Selbstgefälligkeit. "Ich war schon als Spieler schrecklich arrogant, aber jetzt muss ich sagen, dass ich einfach großartig bin", sagte er einmal über sich selbst.

Kein Wunder, dass ihn in Südkorea viele auch mit Jose Mourinho vergleichen. Im Gegensatz zum egomanen Portugiesen kann Shin allerdings auf keine große Karriere zurückblicken.

Tae-Yong Shin coacht sein Team immer im schicken Hemd © Getty Images

Kritik an Taktik

Als Spieler schaffte er es nie nach Europa. Und sein größter Erfolg in seiner Trainer-Laufbahn war neben der knappen Qualifikation für die WM der Gewinn der asiatischen Champions League mit Seongnam im Jahre 2010. 

Nach den Pleiten gegen Schweden (0:1) und Mexiko (1:2) blieb Shin daher nichts anderes übrig, als tief zu stapeln. Die Chance, den Weltmeister zu schlagen und ins Achtelfinale einzuziehen, bezifferte er auf "einen Prozent". (SERVICE: WM-Tabellenrechner)

In Südkorea steht er mächtig in der Kritik. Seine an Star-Stürmer Heung-Min Son angepasste taktische Ausrichtung erwies sich als Fehlgriff.

Seine Mannschaft trat bei den bisherigen Spielen nicht als geschlossene Einheit auf. Zum Teil ähnlich wie die seines modischen Doubles Joachim Löw.

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