Der Videobeweis soll transparenter gemacht werden
Der Videobeweis kommt bei der WM 2018 zum Einsatz © dpa Picture Alliance

In Russland kommt erstmals bei einer Weltmeisterschaft der Videobeweis zum Einsatz. FIFA-Boss Gianni Infantino fürchtet vor allem Schiedsrichter-Fehler.

Von der Bundesliga auf die WM-Bühne: Der seit dieser Saison auch in Deutschland erprobte Videobeweis wird bei der Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni bis 15. Juli) zum Einsatz kommen. Diese Entscheidung traf das Council des Weltverbandes FIFA mit DFB-Präsident Reinhard Grindel am Freitag in Bogota/Kolumbien.

Damit dürften hitzige Diskussionen wie beispielsweise nach dem Wembley-Tor 1966 der Vergangenheit angehören.

"Wichtig ist nun, dass die Schiedsrichter-Teams so geschult werden, dass eine klare Kommunikation und eine reibungslose Umsetzung gewährleistet sind", schrieb Grindel bei Twitter. Das habe FIFA-Präsident Gianni Infantino "zugesichert".

Allerdings ist fraglich, wie die notwendige Ausbildung der Video-Assistenten im Eiltempo gelingen soll.

Infantino ist einer der größten Befürworter der Technik, die in der Bundesliga-Hinrunde zunächst zu Problemen und Missverständnissen geführt hatte. "Das ist eine historische Entscheidung", sagte der Schweizer: "Eine Entscheidung, die auf den Erkenntnissen aus über 1000 Spielen beruht und auf den Fakten, dass der Videobeweis den Schiedsrichtern hilft, das Spiel gerechter und fairer zu machen."

Regelhüter schon im März für Videobeweis-Einführung 

Die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) hatten bereits am 3. März grünes Licht für den Videobeweis gegeben. Über den Einsatz dürfen die jeweiligen Verbände und Ligen aber selbst entscheiden. Das Ergebnis der Council-Abstimmung war so erwartet worden. "Es gab Niemanden, der dagegen war", sagte Infantino.

Die FIFA plant, die Spiele aus einem Kontrollzentrum zentral in Moskau zu überwachen. In der Bundesliga sitzen die Videoassistenten im "Video-Assist-Center" in Köln, Gerüchte über die Nutzung des "Kölner Kellers" für die WM wurden vorerst nicht bestätigt.

Mit der Council-Entscheidung steigen die Chancen der Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) und Bastian Dankert (Rostock) auf eine WM-Nominierung als "VAR" (Video Assistant Referee). Felix Brych (München), WM-Schiedsrichter von 2014, und seine Linienrichter Mark Borsch (Mönchengladbach) und Stefan Lupp (Zossen) gelten für das Turnier als gesetzt.

 "Wir haben vollstes Vertrauen in unsere Schiedsrichter-Kommission mit dem Vorsitzenden Pierluigi Collina", sagte Infantino. Der frühere Weltklasse-Referee aus Italien werde die WM-Schiedsrichter "perfekt" vorbereiten.

DFB-Boss Grindel setzt auf Erfahrung 

"Für mich ist wichtig, dass wir Videoassistenten mit Erfahrung haben", hatte bereits am Donnerstag Grindel gesagt: "Die Qualifikation ist entscheidend, nicht die Konföderation, aus der ein Videoassistent kommt. Wir brauchen eine klare Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Videoassistenten. Und wir brauchen eine klare Kommunikation für die Zuschauer im Stadion und die Fans am Fernsehgerät."

Online-Tests des VAR laufen derzeit unter anderem auch in England und Italien. Es ist zu erwarten, dass die FIFA möglichst viele der bereits erfahrenen Videoassistenten beruft.

Wie es mit der Technik in Deutschland weitergeht, entscheiden die 36 Klubs der Deutschen Fußball Liga (DFL) am 22. März. Während für die Bundesliga bereits ein klare Entscheidung für oder gegen den weiteren Einsatz des VAR getroffen werden soll, wird es in der 2. Liga zunächst um die "Offline"-Erprobung gehen. Diese hätte zunächst - wie in der vergangenen Bundesliga-Spielzeit - keine Auswirkungen auf den Spielbetrieb.