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Rumäniens Nationaltrainer Christoph Daum rastet auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Chile vollkommen aus - und erläutert später die Hintergründe.

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Rumäniens Nationaltrainer Christoph Daum hat in einer emotionalen Wutrede seinem Unmut Luft gemacht.

Auf der Pressekonferenz vor dem Freundschaftsspiel gegen Chile (3:2-Sieg Rumänien) flippte Daum vollkommen aus, als ihn ein Journalist fragte, ob er in Erwägung ziehe, nach der Partie als Nationaltrainer zurückzutreten und seinen Vertrag einvernehmlich aufzulösen.

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Daum macht Journalisten rund

Daraufhin wetterte Daum zwei Minuten lang wild gestikulierend auf seinem Podium: "Das liegt nicht auf dem Tisch! Ich weiß nicht, was Sie da konstruieren wollen. Es ist immer das Gleiche. Seit Monaten höre ich, dass ich zurücktreten soll! Sagen Sie mir einen Grund, gemessen an dem, was wir erreicht haben und was wir in Zukunft vorhaben, warum ich jetzt aufhören sollte? Nur weil die Resultate nicht stimmen?"

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Auf Nachfrage, was er denn noch erreichen möchte, polterte Daum weiter direkt gegen den rumänischen Journalisten: "Wenn Sie wirklich offen dafür wären, würde ich mich mit Ihnen hinsetzen und ein, zwei, drei Stunden über Fußball reden. Aber wenn ich mit Ihnen rede, nehmen Sie nicht ein Prozent davon auf. Sie verdrehen es ins Gegenteil und schaffen Lügen. Selbst wenn ich Ihnen die Fakten sage, sind Sie nicht interessiert. Über das, was wir erreicht haben, schreiben sie nichts! Alles was Sie interessiert, ist mein Rücktritt."

Am Ende seiner Wutrede stellte Daum sogar den Nationalstolz des Journalisten infrage: "Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin rumänischer als sie. Ich identifiziere mich mehr mit diesem Land und den Menschen als Sie. Sie sind keine Hilfe, Sie zerstören nur alles."

Daum erklärt seinen Ausraster

Kurz nach seiner Wutrede erklärte Daum, warum er die Beherrschung verlor. "Ich hatte das Gefühl, das musste mal raus. Es scheint so, dass dem einen oder anderen Medium, das hier in der Vergangenheit mehr Einfluss hatte, nicht passt, dass sich Dinge hier verändern", sagte der 63-Jährige in einem Interview der Welt.

Dass der Präsident des rumänischen Fußballverbands auf Integrität und Transparenz setzt, würde einigen Personen missfallen, da nichts mehr "hinten herum oder im Verborgenen" läuft. 

Der Trainer prangerte erneut an, einige Geschichten in Zeitungen seine "klar tendenziös und auch diffamierend". "Das geht so nicht. Das ist respektlos", befand Daum.

Trotz der ständigen Kritik mancher Journalisten spüre er immer noch die Rückendeckung des Verbands. "Doch sollte ich spüren, dass die Mannschaft und die Bevölkerung gegen mich wären, würde ich sofort gehen. Aber dem ist nicht so", sagte Daum.

Und: "Ich habe dem Präsidenten ganz klar gesagt, dass er auf mich zukommen soll, wenn er das Gefühl hat, dass ich zur Belastung werde." 

Ärger auch nach Spiel gegen Polen

Das anschließende Freundschaftsspiel gegen Chile gewann Rumänien nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2.

Bereits nach der Niederlage gegen Polen in der WM-Qualifikation am vergangenen Samstag reagierte Daum auf der Pressekonferenz nach der Partie äußerst gereizt. "Warum fragt ihr mich, ob ich zurücktrete? Seit Wochen stellt man mir dieselbe Frage", sagte der Nationaltrainer, der mit Rumänien kaum noch Chancen auf die Teilnahme an der WM 2018 hat.

Daums Zukunft trotz Sieg offen

Verbandspräsident Razvan Burleanu vermied nach dem Erfolg gegen Chile ein klares Bekenntnis zum 63 Jahre alten früheren Stuttgarter Meistercoach, warb aber zugleich auch um Geduld.

"Über Nacht lässt sich nichts erreichen", sagte Burleanu und sprach von einer "langjährigen Perspektive". Die Zusammenarbeit mit Daum beinhalte jedoch auch eine Klausel für die Qualifikation zur WM-Endrunde 2018 in Russland.

Auch deshalb will Burleanu die sportliche Lage von der Technischen Kommission des Verbandes überprüfen lassen und anschließend Daums Personalie neu bewerten. Der Sieg gegen Chile, beim Confed Cup in Russland deutscher Gruppengegner, war erst der zweite im achten Spiel seiner Amtszeit.

Nach der Wutrede sagte Daum: "Ich wollte keinen Konflikt mit den rumänischen Journalisten, ich weiß, dass sie hinter der Nationalmannschaft und dem rumänischen Fußball stehen. Aber manchmal schreiben sie verrückte Dinge."