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München - Inter Mailand spielt in der Serie A die beste Saison seit zehn Jahren. Die Fans hoffen auf eine neue Ära, allerdings gibt es auch Unruhe rund um Trainer Antonio Conte.

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10 Jahre ist es nun her, dass sich Inter Mailand das letzte Mal die europäische Krone aufgesetzt hat.

Unter Trainer José Mourinho gewann der stolze Traditionsklub damals sogar das Triple aus Champions League, Meisterschaft und Pokal. Seitdem hat sich in Mailand vieles geändert. 

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Ein Jahr später gewann Inter zwar immerhin noch einmal den italienischen Pokal, weitere Titel folgten allerdings nicht. Der Klub versank viel mehr in der Bedeutungslosigkeit des italienischen Fußballs.

Nun haben die Nerazzurri immerhin wieder die Möglichkeit, einen internationalen Triumph zu feiern - auch wenn es "nur" die Europa League ist. Dazu muss das Team, das mittlerweile von Antonio Conte trainiert wird, am Montagabend im Viertelfinale Bayer Leverkusen bezwingen. (Bayer Leverkusen - Inter Mailand am Montag ab 21.00 Uhr im LIVETICKER)

Ein internationaler Titel könnte dem Beginn einer neuen Ära in Mailand Schwung verschaffen. 

Verheißungsvolle Transfers machen Fans Hoffnung

Denn seit einigen Monaten träumen die Inter-Fans wieder von großen Tagen in der Vereinsgeschichte. Immerhin hat der Klub den Kader ausgemistet und in den letzten zwei Jahren verheißungsvolle Spieler geholt.

Das Resultat: Inter spielte die beste Saison seit zehn Jahren und wurde Vizemeister - mit schlussendlich nur einem Punkt Rückstand auf Juventus Turin, das in den letzten Jahren fast schon außer Konkurrenz agierte. In der Coppa Italia war erst im Halbfinale Schluss, in der Champions League wegen Barcelona und Dortmund schon in der Gruppenphase. Als Drittplatzierter blieb aber die Europa League, in der Inter im Finalturnier in Deutschland nun um den Titel mitspielt.

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190 Millionen Euro machten die Verantwortlichen in der Saison 2019/20 locker, um endlich wieder um Trophäen mitzuspielen. Christian Eriksen war mit einer Ablösesumme von 27 Millionen Euro für seine Qualitäten fast schon ein Schnäppchen.

Mit dem Dänen hat Inter einen Spielmacher gefunden, der die Fäden im offensiven Mittelfeld ziehen kann. Allerdings entpuppte sich der 28-Jährige - der in der Winterpause von Tottenham Hotspur kam - bislang noch nicht als die erhoffte Top-Verstärkung. 

Anders verhält es sich mit Romelu Lukaku, für den die Mailänder satte 74 Millionen Euro an Manchester United überwiesen. Der Belgier dankt es seinem neuen Klub und schießt in der Lombardei seither alles klein. 30 Tore hat der 27-Jährige in dieser Saison wettbewerbsübergreifend bereits erzielt. 

Sein Sturmpartner Lautaro Martínez kommt immerhin auf 19 Treffer und sechs Vorlagen. Der 22-jährige Argentinier gilt als echtes Juwel, der FC Barcelona will ihn in diesem Sommer unbedingt nach Katalonien zu locken. 

Mit Alexis Sánchez ist ein dritter Stürmer ab der kommenden Saison endgültig Inter-Profi. Bislang war der 31-jährige Chilene von Manchester United ausgeliehen, nun kommt der einst bestbezahlte Spieler der Premier League ablösefrei nach Mailand. 

Zudem sind zwei weitere Deals sicher. Mit Nicoló Barella (für 25 Millionen Euro von Cagliari Calcio) und dem Ex-Dortmunder Achraf Hakimi (für 40 Millionen Euro von Real Madrid) hat Inter zwei große Talente geholt.

Ein offensiveres System soll Erfolg bringen

Die neue Zeitrechnung soll neben erfolgreichem Fußball auch von einer attraktiven Spielweise geprägt sein. Conte hat ein System mit zwei offensiven Außenverteidigern und zwei Stürmern eingeführt. 

Zuvor hatte zumeist Mauro Icardi die einzige Sturmspitze gegeben. Die siebenjährige Ära des Argentiniers bei Inter fand in diesem Transferfenster endgültig ein Ende, nachdem der Stürmer - der in Mailand auch immer wieder durch kleinere Skandale aufgefallen war - zuvor schon ein Jahr an Paris Saint-Germain ausgeliehen war.

Dank der neuen Ausrichtung erzielte Inter in der vergangenen Serie-A-Spielzeit 81 Tore in 38 Partien. Nur Überraschungsmannschaft Atalanta Bergamo kam auf noch mehr Treffer. 

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Umso verwunderlicher ist, dass in Mailand vor dem Europa-League-Duell gegen Leverkusen das Chaos ausgebrochen ist. Alles begann mit einem Rundumschlag Contes nach dem 2:0-Sieg bei Atalanta Bergamo am letzten Spieltag der Serie A.

Conte bei Inter vor dem Aus

"Es war für mich persönlich ein hartes Jahr, sehr hart", hatte sich der Italiener bei Sky Italia in Rage geredet: "Ich glaube nicht, dass die Arbeit der Spieler gewürdigt wurde. Ich glaube nicht, dass meine Arbeit gewürdigt wurde, und wir alle wurden vom Klub sehr wenig geschützt."

Contes Worte richteten sich vor allem an den chinesischen Präsident Steven Zhang: "Wir müssen in allen Bereichen wachsen und uns verbessern, auch abseits des Platzes. Und ein großer Klub sollte seine Spieler besser schützen. Wir werden das alles am Ende der Saison besprechen, ich muss den Präsidenten treffen, der ist gerade in China."

Über ihm und seinen Spielern sei "ein Haufen Scheiße" ausgekippt worden. "Wir mussten monatelang Scheiße fressen und bekamen null Schutz", wetterte Conte. "Ich kann im ersten Jahr ein Blitzableiter sein, aber wenn man nicht lernt und immer wieder die gleichen Fehler macht, ist das einfach verrückt."

Nach Contes Ausbruch sind sich die italienischen Medien einig, dass der Schaden, den das Interview hinterlassen hat, irreparabel sei. Demnach zerbrechen sich die Verantwortlichen in Mailand bereits die Köpfe darüber, wer die Nachfolge des 51-Jährigen antreten soll. 

Massimiliano Allegri erscheint dabei als wahrscheinliche Lösung. Der italienische Erfolgscoach trainierte zuletzt Juventus, hat ein Sabbatjahr hinter sich und ist nun wohl wieder bereit, einen Klub zu trainieren. Eine weitere Möglichkeit soll Mauricio Pochettino darstellen. Der frühere Trainer von Tottenham Hotspur befindet sich ebenfalls auf Vereinssuche. 

Diese unerwartete Entwicklung dürfte den Fans Sorge bereiten, denn sie hatten mit Sicherheit gehofft, dass das Chaos - das bei den Nerazzurri jahrelang regierte - endlich überwunden ist und der Klub in eine neue Ära aufbricht. Leicht würde es aus sportlicher Sicht wohl keinem der beiden fallen, Contes Werk weiterzuführen.

Gegen Leverkusen wird Conte auf jeden Fall noch auf der Bank sitzen. Und wenn er am Ende die Europa-League-Trophäe nach Mailand bringen könnte, dann könnte er sich mit Präsident Zhang und den anderen Verantwortlichen vielleicht doch noch zusammenraufen.