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Frankfurt am Main - Sebastian Rode überragt beim Sieg der Frankfurter gegen Benfica alle. In der Heimat hat er die alte Stärke wiedergefunden – und könnte eine neue Stufe erklimmen.

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Es war nicht ganz Mitternacht, als in Frankfurt auf einmal alles möglich war.

"Chelsea? Gut, die haben Hazard und so – aber der Seppi ist bereit", sagte Mittelfeldabräumer Gelson Fernandes zum Halbfinal-Gegner der Eintracht in der Europa League. (SERVICE: Spielplan der Europa League)

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Seppi, das ist Sebastian Rode. Dass die Namen Eden Hazard und Sebastian Rode im gleichen Satz genannt werden, davon hätte der Frankfurter im Herbst wahrscheinlich nicht mal selbst geträumt.

Rode blüht wieder auf nach langer Leidenszeit

Doch im Europa-Rausch der Frankfurter wird es plötzlich Realität. Hazard, WM-Halbfinalist sowie einer der begehrtesten und teuersten Kicker des Planeten, wird sich in den kommenden Wochen mit dem Namen Rode beschäftigen müssen.

Mit einem, der in den letzten fünf Jahren mehr Zeit auf den Ersatzbänken und bei den medizinischen Abteilungen des FC Bayern und von Borussia Dortmund verbracht hat, als auf dem Rasen. Und der jetzt dabei ist, sich für diese lange Leidenszeit zu entschädigen.

"Ich bin unglaublich froh, dass ich wieder auf dem Platz stehen kann, dass ich verletzungsfrei bin, dass ich das Vertrauen von Trainer, Verein und der ganzen Region hier habe", schwärmte Rode nach dem Abpfiff: "Das versuche ich Woche für Woche zurückzugeben. Das gelingt mir momentan sehr gut."

"Das hat er sich verdient"

Im Viertelfinal-Rückspiel gegen Benfica Lissabon versetzte er die 48.000 Fans in der Frankfurter Arena und viele mehr im ganzen Rhein-Main-Gebiet mit seinem Treffer zum 2:0 in einen kollektiven Freudentaumel (zum Spielbericht).

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"Endlich mal ein Tor von mir und dann auch noch so ein wichtiges. Ein unbeschreibliches Gefühl", beschrieb der 28-Jährige die Szene.

Mitspieler Danny da Costa verriet, dass er bei Rode nach der Mannschaftsbesprechung am Mittag eigentlich zwei Treffer in Auftrag gegeben hatte: "Aber mit dem einen kann ich auch ganz gut leben, weil es der entscheidende zum Weiterkommen war. Es freut mich ungemein, das hat er sich verdient."

Rode erfindet die Kopfgrätsche

Es dürfte schwer werden, jemanden zu finden, der es Rode nicht gegönnt hat. "Seb ist einfach ein super Typ", erklärte da Costa. In der Mannschaft und in der ganzen Region ist er beliebt, sein Geburtsort Seeheim-Jugenheim liegt gerade einmal gut 40 Kilometer vom Frankfurter Stadion entfernt.

Auf dem Platz ist Rode Abfangjäger und Motor des Frankfurter Spiels. Immer wieder attackierte er die Benfica-Profis am Donnerstag im Vollsprint, fing Bälle ab und beruhigte mit seiner starken Passquote von 82,2 Prozent das Spiel (SPORT1-Note: 1).

Als die Füße ihn irgendwann nicht mehr trugen, stürzte sich Rode kurz vor seiner Auswechslung einfach kopfüber mit dem gesamten Körper in den nächsten Zweikampf. Bei seiner Auswechslung gab es stehende Ovationen.

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Bleibt Rode dauerhaft in Frankfurt?

Bis Saisonende ist der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund an den Main ausgeliehen, der BVB gratulierte Rode via Twitter zu seinem entscheidenden Treffer.

Dass Rode im Sommer zu den Schwarzgelben zurückkehrt, ist derzeit aber nur schwer vorstellbar. Schon im Februar berichtete die Sport Bild, dass der BVB Rode angeblich für einen einstelligen Millionenbetrag an die Eintracht verkaufen würde.

Der kann sich auch vorstellen zu bleiben. Er wird merken, dass in Frankfurt etwas Besonderes entstanden ist, das noch weiterwachsen kann. Und Sebastian Rode könnte das Gesicht dieser Mannschaft, dieses Vereins werden. So wie es Marco Reus bei Borussia Dortmund ist.

Manchmal muss man eben auch erst von Zuhause weggehen, um zu merken, wie wichtig Heimat sein kann.