Marco Rose trifft im Duell gegen Leipzig auf Ralf Rangnick © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago

München - Leipzig gegen Salzburg: Am Donnerstag steigt das erste Duell der beiden "Brause-Klubs". Salzburg-Coach Marco Rose spricht bei SPORT1 über das brisante Aufeinandertreffen.

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Es ist das erste RB-interne Pflichtspiel überhaupt. RB Leipzig empfängt am Donnerstagabend Red Bull Salzburg in der der Europa League (RB Leipzig - Red Bull Salzburg ab 21 Uhr im LIVETICKER). 2005 wurde der österreichische Klub gegründet, vier Jahre später der Schwesterklub aus Sachsen.

Vor dem brisanten Duell spricht Salzburgs Coach Marco Rose im SPORT1-Interview über sein Team, den Aufstieg als Trainer und seinen Widersacher auf Leipzig-Seite, Ralf Rangnick.

SPORT1: Herr Rose, die vergangene Saison war historisch erfolgreich. War es das schönste Jahr in Ihrer Karriere?

Marco Rose: Es war sicher außergewöhnlich. Wir wissen, dass wir eine richtig gute Saison gespielt und den Verein Red Bull Salzburg in Europa auf ein neues Niveau gehoben haben. Darauf sind wir alle sehr stolz. Nicht nur auf die reinen Ergebnisse, sondern auch auf das gute Feedback, für unsere Spielweise. Wenn wir so weitermachen, neue Ziele angehen, die Dinge, die wir letztes Jahr gut gemacht haben bestätigen und sogar besser machen, ist alles wunderbar. Wir dürfen uns nicht auf der vergangenen Saison ausruhen.

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SPORT1: Das hat sie aber als Trainer auch auf eine neue Stufe gestellt, oder?

Rose: In solchen Kategorien denke ich gar nicht. Wir sind ein Team und wir haben uns im abgelaufenen Jahr alle gut entwickelt. Die Mannschaft hat ihren Marktwert verdreifacht. Wir haben in Europa ein sehr positives Standing erreicht. Nicht nur, weil wir im Halbfinale waren, sondern weil wir auch guten Fußball spielen. Das ist der Maßstab für mich als Trainer. Mein eigener Stellenwert ist nicht wichtig. Man wird schnell eine heiße Aktie und dann kühlt der Marktwert aber auch ganz schnell wieder ab.

SPORT1: Sie sind als Trainer sehr authentisch und wirken immer cool und abgeklärt. Sind Sie das wirklich?

Rose: Ich bin, wie ich bin. Und wenn bei meiner Authentizität Coolness rüber kommt, dann soll es mir recht sein. Es gab aber auch Momente, in denen ich überhaupt nicht cool war. Als wir gegen Roter Stern Belgrad aus der Champions League ausgeschieden sind, war das hart. Ich habe mit allen im Verein und im Umfeld mitgelitten und wir haben uns da richtig schlecht gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass uns da richtig etwas genommen wurde. Das tut natürlich sehr weh, in solchen Situationen bin ich dann weniger cool.

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SPORT1: Wie verarbeiten Sie persönlich so einen Misserfolg?

Rose: Die ersten Minuten in der Kabine waren schwer, das muss ich ehrlich sagen. Der Abend danach war auch nicht leicht. Der nächste Morgen immer noch schwierig (lacht). Dann kommt man zusammen und es gibt zur Bewältigung zwei wichtige Faktoren. Der eine ist Zeit. Es dauert bei jedem unterschiedlich lange, die Dinge zu bewältigen Der andere Faktor heißt Erfolgserlebnisse. Am Wochenende danach haben wir in der österreichischen Bundesliga wieder gewonnen, da gab es dann auch wieder ein Lächeln in den Gesichtern. Jetzt stehen neue Aufgaben an wie Bundesliga und Europa League, die wir ebenfalls erfolgreich absolvieren wollen.

Rose mit Leipzig-Vergangenheit

SPORT1: Jetzt geht es gegen RB Leipzig. Bestimmt ein ganz besonderes Duell für Sie, oder? 

Rose: Es wird ein sehr spezielles Spiel, weil wir uns gut kennen und eine ähnliche Spielidee haben. Die Geschichte beider Vereine macht es so spannend. In der Vergangenheit war Ralf Rangnick Sportdirektor von beiden Vereinen und viele seiner Ideen wurden damals auch hier in Salzburg eingebracht. Einige, die in Salzburg gespielt haben, sind mittlerweile in Leipzig. Ich bin gebürtiger Leipziger, der in Salzburg arbeitet. Mittlerweile aber gehen beide Klubs ihren eigenen Weg.

SPORT1: Viele hat es überrascht, dass Ralf Rangnick noch mal für ein Jahr Trainer wird. Sie auch?

Rose: Ich habe das aufgenommen, wie jeder Interessierte. Es war nicht meine Entscheidung und nicht mein Verein. Jetzt ist Ralf noch mal Trainer und am Donnerstag mit seiner Mannschaft unser Gegner. Eins ist klar: Er ist mit großer Leidenschaft Fußballtrainer.

SPORT1: Wie gingen Sie die Vorbereitung für dieses wichtige Spiel an?

Rose: Wir drehen jetzt nicht durch. Wir spielen in einer schwierigen Gruppe und haben noch zwei andere anspruchsvolle Gegner. Der erste Gruppengegner heißt eben RB Leipzig. Sie haben zuletzt den ersten Sieg in der Liga eingefahren und es wird nicht einfach. Das Wichtigste ist, dass wir uns auf unsere Leistung und unsere Inhalte konzentrieren. Und wenn das stimmt, dann verspricht das meistens auch ein erfolgreiches Spiel.

SPORT1: Red Bull Salzburg ist zum elften Mal in der Champions-League-Qualifikation gescheitert. Was macht das mit Ihnen?

Rose: Ich als Trainer habe das erst im zweiten Jahr erlebt. Manche Spieler haben es zum ersten Mal miterlebt, andere zum zweiten oder dritten Mal. Für uns ist dieses Thema deshalb gar nicht so wild wie für die Fans und enge Vertraute, die schon jahrelang dabei sind. Wir werden weiter daran arbeiten, bis wir es irgendwann schaffen.

SPORT1: Die Mentalität Ihrer Mannschaft wurde in der vergangenen Runde sehr gelobt. Wie ist sie aktuell?

Rose: Herausragend. Denn wir haben auch in der aktuellen Saison schon wieder Spiele spät gewonnen. Wir haben auch gegen Belgrad bis in die Nachspielzeit hinein alles gegeben. Das ist eigentlich das Bittere an der Nummer, dass wir es so sehr verdient gehabt hätten, weiterzukommen. Aber die Jungs funktionieren, sie sind weiter gierig und hungrig.

Rose lässt ferne Zukunft offen

SPORT1: Sie haben ihren Vertrag in Salzburg verlängert. War die Bundesliga keine Option?

Rose: Ich lebe und arbeite gerne in Salzburg. Wir haben eine herausragende Infrastruktur und top Bedingungen. Es läuft alles sehr professionell ab und es ist ein ambitionierter Klub. Wir haben die Möglichkeit europäisch zu spielen und in der Stadt herrscht eine hohe Lebensqualität.

SPORT1: Wie stark waren die Lockrufe aus der Bundesliga?

Rose: Red Bull Salzburg wollte mit mir als Trainer weiter machen und hat klar gesagt, dass man mich nicht gehen lässt. Und dann haben wir den Vertrag verlängert. Grundsätzlich gibt es viele spannende Ligen und man weiß nie, was die Zukunft bringt. Aber ich habe mich für Salzburg entschieden und mache das weiter mit maximaler Energie und großer Freude.