München - Drastische Maßnahme gegen die Fans von Eintracht Frankfurt: Vor dem Geisterspiel gegen Olympique wird in Marseille ein Aufenthaltsverbot verhängt.

von Martin Hoffmann , Sportinformationsdienst

Unglaublich, aber wahr: Gegen die Anhänger von Eintracht Frankfurt ist für den Tag der ersten Europa-League-Partie ein komplettes Aufenthaltsverbot in Marseille verhängt worden.

Dies hat die für die Stadt zuständige Präfektur beschlossen, der Fan-Bann gilt für das gesamte öffentliche Stadtgebiet von Marseille, am Donnerstag von 8 Uhr bis 24 Uhr. Verstöße gegen das Verbot können Haft- und hohe Geldstrafen nach sich ziehen.

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Die Partie gegen Olympique Marseille war schon vorher zu einem Geisterspiel erklärt worden - schuld daran waren nicht Frankfurter Fans, sondern Anhänger von Marseille, die ihrem Klub durch mehrmaliges Fehlverhalten eine Strafe einbrockten.

Aus Sorge vor neuen Vorfällen greift die zuständige Verwaltung nun zu dieser harten Maßnahme, zum Entsetzen von Eintracht-Vorstand Axel Hellmann: "Ein komplettes Stadtbetretungsverbot für unsere Anhänger zu erlassen, stellt einen völlig unangemessenen und rechtsstaatlich hochgradig bedenklichen, wenn nicht unzulässigen Eingriff in die Rechte eines jeden einzelnen dar."

"Jeder, der sich darauf beruft, Fan von Eintracht Frankfurt zu sein"

Unabhängig davon stellt sich die Frage: Wie will Marseilles Polizei dieses umfassende Verbot überhaupt konkret umsetzen?

Die Verwaltung formuliert die Anordnung so: Vom Verbot betroffen sei jeder, "der sich darauf beruft, Fan von Eintracht Frankfurt zu sein bzw. sich als solcher durch sein Verhalten zu erkennen gibt".

Mit anderen Worten: Bestraft werden Fans, die sich mit Eintracht-Fanartikeln kleiden, Fanlieder oder Sprechchöre anstimmen - oder solche, die aus irgendeinem Grund einem Polizisten mitteilen: "Ich bin Eintracht-Frankfurt-Fan."

Wichtiges Detail: Das Verbot gilt für die "Öffentlichkeit auf dem Stadtgebiet", Hotelzimmer oder sonstige Übernachtungsstätten wird die Polizei also nicht räumen. Verlassen dürfen sie die privaten Räumlichkeiten aber im angegeben Zeitraum offiziell nicht.

Hellmann sieht UEFA in der Pflicht

Frankfurt-Vorstand Hellmann ist über die Maßnahme merklich verzweifelt - und sieht auch Europas Fußball-Verband für diesen aberwitzigen Auswuchs in der Verantwortung. Es werde "überdeutlich, dass dringender Handlungsbedarf bei der UEFA hinsichtlich der Anwendungspraxis von Kollektivstrafen besteht. Im Ergebnis sperrt man uns als völlig unbeteiligte Dritte nicht nur von einem Spiel sondern aus einer ganzen Stadt aus. So kann das nicht weitergehen."

Hellmann spricht von einem "Generalverdacht, dem wir in aller Klarheit widersprechen": Die Fans wollten die Mannschaft schlicht durch Europa begleiten und würden nicht mitfahren um "Ärger zu suchen".

Bei Frankfurts Fans erinnert der Beschluss aus Frankreich an eine ähnliche Maßnahme der Stadt Darmstadt, die vor dem Risiko-Derby gegen Darmstadt 98 ein Aufenthaltsverbot für Eintracht-Fans in der Darmstädter Innenstadt verhängte - es aber unter dem Druck mehrerer Klagen schließlich zurückzog.

Das Fanbündnis Nordwestkurve hatte bereits am Montag verkündet, nicht nach Marseille fahren zu wollen. Es sei eine Frage der "Solidarität mit allen Eintrachtlern, denen dieses Erlebnis genommen wird". Trotz des Geisterspiels hätte der Eintracht ein minimales Ticketkontingent von 200 Karten zur Verfügung gestanden.