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Mit der Entscheidung, die EM zu verschieben, sind die zuletzt oft gescholtenen Herren der UEFA scheinbar zur Vernunft gekommen. Darin liegt eine Chance.

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Der 17. März 2020 geht in die Geschichtsbücher ein. Als der Tag, an dem erstmals überhaupt eine Fußball-Europameisterschaft verschoben werden musste.

Das kontinentale Turnier wird aufgrund der Corona-Krise nicht wie geplant in diesem, sondern im darauffolgenden Sommer ausgetragen. Und das ist gut so!

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Als alternativlos bezeichnete auch der DFB um Präsident Fritz Keller, Bundestrainer Joachim Löw sowie Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff die EM-Verlegung.

Die zuletzt oft gescholtenen Herren der UEFA sind scheinbar zur Vernunft gekommen. Vor einer Woche noch ließen sie verlauten, dass die EURO 2020 am 12. Juni 2020 in Rom gestartet wird. "Die UEFA steht in Kontakt mit den zuständigen internationalen und lokalen Behörden bezüglich des Coronavirus und seiner Entwicklung", hieß es. "Es gibt keinen Grund, am geplanten Zeitplan etwas zu ändern."

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Der Gedanke, inmitten des weltweiten Corona-Chaos eine paneuropäische (Geister-)EM (auch über diese groteske Idee wurde diskutiert) in zwölf Ländern und zwölf Städten mit 24 Mannschaften auszurichten, erschien sogar der profitgierigen UEFA als zu absurd.

Spitzenvereine haben gezeigt, dass sie am längeren Hebel sitzen

An diesem 17. März haben vor allem die europäischen Spitzenvereine gezeigt, dass sie am längeren Hebel sitzen. Der Druck, den die Klubvereinigung ECA und die Vereinigung der Europäischen Ligen bei der Mammut-Telefonkonferenz auf die Europäische Fußball-Union ausübten, war enorm. Den Vereinen ist nämlich aufgrund eigener Existenzängste daran gelegen, den eigenen Betrieb bis zum Sommer halbwegs geregelt zu Ende zu bringen. Das tägliche Brot der Klubs sind nunmal die nationalen Wettbewerbe.

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Klar ist: Der UEFA gehen durch die Turnier-Absage Gelder in Millionenhöhe flöten. Tausende Mitarbeiter wurden für die EM 2020 eingestellt, Einrichtungen gebaut, Firmen beauftragt. Der 17. März bringt auch die Erkenntnis: Eine Großveranstaltung wie die EM abzusagen tut zwar weh und kostet Geld – ist aber machbar!

UEFA-Boss Aleksander Ceferin, der die Video-Konferenz im Übrigen wegen Reiseeinschränkungen aus Slowenien heraus führte, hat nach der EM-Verschiebung von der großen "Solidarität" und "Toleranz" der Fußball-Familie gesprochen.

Vereine und Verbände könnten sich auch in Zukunft solidarisch zeigen und mit Blick auf immer mehr undurchsichtige Wettbewerbe wie eine Nations League, eine Conference League oder eine Klub-WM ein Zeichen setzen. Und überdies: In zwei Jahren soll ein anderes Turnier ausgetragen werden. Ein noch absurderes. Eine Winter-WM in Katar. In einem Land, das Menschenrechte mit Füßen tritt. Was wäre, wenn die mächtigen Vereine und Verbände auch hier sagen: mit uns nicht?!