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München - Die Coronakrise macht eine Verschiebung der EM ins Jahr 2021 unumgänglich. Ein Gewerbe im Austragungsort München leidet besonders unter den Konsequenzen.

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Für Ligen und Vereine war die EM-Verlegung um ein Jahr eine gute Nachricht, für viele andere allerdings eine schlechte.

Insbesondere Gastronomiebetriebe in den Austragungsstädten trifft es hart, dass im Juni und Juli nicht Tausende Fußball-Fans anreisen und den Konsum steigern.

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Auch in München hätten in diesem Sommer vier Spiele der Europameisterschaft stattfinden sollen. Den Effekt, den ein solches Mega-Event auf die Gastronomie-Branche normalerweise hat, beschreibt Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer der DEHOGA Bayern (Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband) im Gespräch mit SPORT1.

"Grundsätzlich haben Großereignisse wie Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften große Strahlkraft, nicht nur für den jeweiligen Austragungsort wie in diesem Fall München. Das erleben wir auch beispielsweise beim Oktoberfest und bei großen Messen. Diese Strahlkraft wirkt um einen weiten Radius um München herum, weshalb Hotels und Gaststätten bei diesen Events voll sind", erklärt Geppert.

Hotels verzeichnen Stornierungswelle

In diesen Zeiträumen erzielen die Betriebe weitaus größere Einnahmen als im Normalbetrieb.

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Wenn nun solche Großereignisse wie eine EM nicht einmal drei Monate vorher abgesagt werden, hat das dramatische Konsequenzen, insbesondere auf Hotels.

"Nach Verschiebung der EM haben wir eine richtige Stornierungswelle erlebt. Inzwischen hat die Stornierungsquote nahezu 100 Prozent erreicht", berichtet Geppert.

Der DEHOHA-Landeschef macht aber auch deutlich, dass das Dilemma schon früher begonnen hat.

"Als die Nachricht von der EM-Verschiebung kam, befanden wir uns schon in einer außergewöhnlichen Lage. Wir hatten die große Stornierungswelle bei den Messen, die massenweise Absage von Veranstaltungen. Von daher war es logisch und medizinisch vernünftig, dass die EM verschoben wird. Die Hiobsbotschaften sind quasi minütlich eingetrudelt", so Geppert.

Umsätze brechen komplett ein

Der Verband befinde sich im "kompletten Krisenmodus". Viele Betriebe kämpfen nun um ihre Existenz. Selbst große, gut wirtschaftende Unternehmen sind gefährdet.

"Wir hatten vom Beginn der Krise an starke Umsatzeinbrüche. Inzwischen sind die Umsätze quasi bei null. Wir haben aktuell existenzielle Nöte. In dieser Situation gilt es, die Betriebe bildhaft einzufrieren", macht Geppert deutlich und fügt hinzu: "Wir hoffen, dass diese Phase möglichst kurz ist. Die Absage der EM ist nur ein weiterer Baustein. Selbst wenn die EM stattgefunden hätte, hätten wir mit starken Einbrüchen der Umsätze zu kämpfen gehabt."

Von der bayerischen Staatsregierung erhalten die Unternehmen nun Soforthilfen und über Banken Darlehen, um die Liquidität zu sichern. Zudem sei die Anpassung der Kurzarbeiterregel von enormer Bedeutung, da es sich bei der Gastronomie um eine sehr personalintensive Branche handelt.

Dr. Thomas Geppert appelliert an Regierung

"Wir hoffen, dass wir unsere Betriebe mit diesen Maßnahmen am Leben erhalten können", meint Geppert, der zudem für die Zeit nach der Coronakrise einen Appell an die Regierung richtet.

"Um nach der Krise Rendite zu erwirtschaften, wäre es essentiell, die Umsatzsteuer für die Gastronomie auf sieben Prozent zu senken. Das wäre eine Maßnahme, die wirklich greifen würde, die die Betriebe wieder nach vorne bringen würde und ein starkes Signal an die Branche und die Banken wäre", fordert der DEHOGA-Geschäftsführer im Freistaat.

Dr. Thomas Geppert vertritt als Landesgeschäftsführer der DEHOGA Bayern die Interessen von Hotels und Gaststätten im Freistaat
Dr. Thomas Geppert vertritt als Landesgeschäftsführer der DEHOGA Bayern die Interessen von Hotels und Gaststätten im Freistaat © Imago

Dann würde auch der Effekt einer Europameisterschaft im Sommer 2021 einen größeren Erholungseffekt für die Betriebe seines Verbands haben: "Darüber hinaus würde natürlich die EM nächstes Jahr helfen, da zu dieser Zeit die Umsätze enorm hoch wären."