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München - Nach der Rücktrittsankündigung von Joachim Löw wird über dessen Nachfolge heiß diskutiert. Einige Kandidaten wiegeln gleich ab, ein Anwärter bringt sich in Stellung.

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Joachim Löw macht im Sommer nach der EM Schluss - so viel steht fest. Offen ist die seit Löws Rücktrittsankündigung am Dienstag heiß diskutierte Frage: Wer wird neuer Bundestrainer?

Bei der Suche nach Löws Nachfolger herrschen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) laut Präsident Fritz Keller "keine Denkverbote". Und Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff erklärte im Rahmen einer einstündigen Pressekonferenz am Donnerstag mit Keller und Löw auf die Frage, ob denn auch eine Frau Löw beerben könnte: "Ich würde nie etwas ausschließen. Insofern dürft ihr weiter spekulieren."

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Eines steht fest: Einen Schnellschuss wird es seitens des DFB nicht geben. Das betonten die Protagonisten mehrfach. Der mit der Suche betraute Bierhoff bekräftigte, in den kommenden Wochen keine Namen kommentieren oder irgendwelche Wasserstandsmeldungen abgeben zu wollen. "Es ist nicht so, dass man sich erst ab heute mit dem Gedanken beschäftigt, man hat natürlich im Hinterkopf immer einen solchen Fall", sagte Bierhoff. "Es ist eine wichtige Entscheidung für unseren Verband, für Fußballdeutschland, für unsere Fans. Aber es ist keine dringende Entscheidung."

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Löw hält sich bei Suche nach seinem Nachfolger raus

Bierhoff befindet sich bei der Trainerfindung in engem Austausch mit Keller und dem Präsidialausschuss. "Am Ende wird das Präsidium das entscheidende Gremium sein, dass den Bundestrainer beschließt", skizzierte Bierhoff den Ablauf.

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Löw selbst will sich nicht in die Suche nach seinem Nachfolger einmischen. "Das ist ganz allein die Aufgabe unseres Präsidiums. Ich möchte da nichts in irgendeine Richtung sagen. Ich glaube, die Entscheidung liegt bei Oliver in guten Händen", betonte der 61-Jährige. Mit seiner nun getroffenen Entscheidung wolle er dem neuen Bundestrainer mit Blick auf die Heim-EM 2024 die nötige Zeit einräumen. "Dieses Turnier im eigenen Land muss zu einer Explosion führen", erklärte Löw. "Es soll auf keinen Fall daran scheitern, dass der Trainer an seinem Stuhl klebt."

Einige Kandidaten nahmen sich mit ihren Absagen in den vergangenen Tagen zunächst selbst aus der Verlosung. Ein ebenfalls heiß gehandelter Name signalisierte hingegen Bereitschaft. SPORT1 gibt einen Überblick über den aktuellen Stand.

Hansi Flick (56, FC Bayern, Vertrag bis 2023):

Der Erfolgstrainer des FC Bayern ist nach SPORT1-Informationen Top-Kandidat auf Löws Nachfolge.

Ist er aktuell verfügbar? Nein, nicht ohne Weiteres. Sein Vertrag beim FC Bayern läuft bis 2023. Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hat Flick im SPORT1-Interview am 5. Februar ein Wechselverbot zum DFB erteilt.

Das sagt Flick selbst: Seit Löws Rücktrittsankündigung hat sich Flick noch nicht öffentlich geäußert. Auf der Spieltagspressekonferenz am Freitag um 12 Uhr dürfte er wohl mit dieser Frage konfrontiert werden.

Löw meinte am Donnerstag auf die Frage nach Flick, der von 2006 bis 2014 als sein Assistent beim DFB arbeitete: "Wie mein Verhältnis zu Hansi ist, weiß jeder. Wir haben acht Jahre zusammengearbeitet. Jeder kennt auch die Qualität von Hansi. Aber es ist nicht meine Aufgabe, über einen Nachfolger zu sprechen."

Jürgen Klopp (53, FC Liverpool, Vertrag bis 2024):

Der Liverpool-Coach steht bei vielen Fans ganz oben auf der Wunschliste, auch eine große Mehrheit der SPORT1-User wünscht sich Klopp als neuen Bundestrainer.

Ist er aktuell verfügbar? Nein, sein Vertrag läuft noch bis 2024 – und den will er nach eigener Aussage trotz der momentan gerade in der Premier League schwierigen Phase erfüllen.

Das sagt Klopp selbst: "Ich werde als Trainer der deutschen Nationalmannschaft im Sommer nicht zur Verfügung stehen", sagte Klopp am Dienstag. "Ich habe noch drei Jahre Vertrag in Liverpool. Das ist ganz einfach. Man unterschreibt Verträge und versucht, sich daran zu halten. Ich habe auch in Mainz meine Verträge eingehalten, obwohl auch andere Bundesligisten mit mehr Geld Interesse an mir hatten."

Bierhoff meinte am Donnerstag generell, er wolle sich bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer nicht an irgendwelchen Umfragewerten orientieren.

Julian Nagelsmann (33, RB Leipzig, Vertrag bis 2023):

Nagelsmann scheiterte mit RB Leipzig zwar gerade in der Champions League, hat aber in der Bundesliga und im DFB-Pokal noch große Titelambitionen. Julian Nagelsmann feiert am 23. Juli seinen 34. Geburtstag und würde im Fall der Fälle als jüngster Bundestrainer Geschichte schreiben. Doch er hat aktuell andere Pläne.

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Ist er aktuell verfügbar? Nein, nicht ohne Weiteres. Sein Vertrag bei RB Leipzig läuft bis 2023.

Das sagt Nagelsmann selbst: "Die nächsten Jahre will ich auf jeden Fall Vereinstrainer bleiben", sagte Nagelsmann am Dienstag bei Sky. Es sei "nicht wirklich gut zu beantworten", ob ihn der DFB-Job später reizen würde. "Aber klar, es ist für jeden Trainer eine Ehre, von einer sehr erfolgreichen Fußballnation Nationaltrainer zu sein. Aber für mich aktuell und in den nächsten Jahren noch kein Thema."

Ralf Rangnick (62, derzeit ohne Job):

Der 62 Jahre alte Bundesliga-Macher gilt als Visionär und resoluter Reformer. In Hoffenheim und Leipzig hat er bewiesen, dass er Talente entwickeln und neue Erfolgs-Strukturen schaffen kann.

Ist er aktuell verfügbar? Ja, bis Sommer 2020 war Rangnick Head of Sport and Development Soccer bei Red Bull, seither ist er ohne Job.

Das sagt Rangnick selbst: "Selbstverständlich würde ich den Anruf entgegennehmen und mir das auch anhören", verriet Rangnick am Mittwochabend bei Sky. "Jeder Deutsche, der ein solches Angebot bekommen würde, müsste sich das auch überlegen. Ich kann mir grundsätzlich alles vorstellen – es ist aber eine Frage des Timings. Im Moment bin ich frei."

Als Bundestrainer würde der 62-Jährige eng mit Bierhoff zusammenarbeiten. "Ich könnte mir das gut vorstellen, und auch eine Zusammenarbeit mit Oliver Bierhoff würde ich durchaus fruchtbar sehen. Er war damals auch öfter in Leipzig und hat sich unser Konzept angesehen. Ich denke, dass es bei einer Zusammenarbeit sehr fruchtbar für die Zukunft des deutschen Fußballs aussehen würde."

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Könnte sich Bierhoff das auch vorstellen? "Ich werde nichts dazu sagen, was Kandidaten sagen", blieb Bierhoff am Donnertag seiner Linie treu.

Stefan Kuntz (58, U21-Nationaltrainer, Vertrag bis 2023):

Als mögliche verbandsinterne Lösung gilt U21-Trainer Stefan Kuntz. Der frühere Top-Stürmer genießt aufgrund seiner Erfolge mit der U21 ein hohes Ansehen beim DFB und hat auch wegen seiner loyalen Art viele Fürsprecher.

Ist er aktuell verfügbar? Ja, durchaus. Allerdings bereitet er sich aktuell mit der U21 auf Ende März beginnenden EM-Endrunde vor. Die K.o.-Phase ist für Mai und Juni geplant. Nach der EM könnte Kuntz theoretisch Löws Erbe antreten. Sein Vertrag beim DFB als U21-Trainer läuft noch bis 2023.

Das sagt Kuntz selbst: Seit Löws Rücktrittsankündigung hat sich Kuntz noch nicht öffentlich geäußert.

Bierhoff meinte generell: "Wir haben das Glück, dass wir in Deutschland gute Trainer haben. Wir haben auch gute deutsche Trainer im Ausland und wir haben gute Trainer im DFB."