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Joachim Löw legt sein Amt als Bundestrainer nieder. Bei seiner Nachfolge sollte der DFB nicht den bequemen Weg gehen, meint SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk.

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Noch weiß niemand, welche Folgen der angekündigte Abschied von Bundestrainer Joachim Löw auf das EM-Turnier 2021 haben wird. (Die Reaktionen auf den Löw-Hammer)

Als Helmut Schön seinen Abgang plante, endete die WM 1978 in einer Blamage. Franz Beckenbauer dagegen holte 1990 den WM-Sieg. Deutschland und seine 80 Millionen Bundestrainer: Hinterher ist man immer schlauer.

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Wichtiger wird die Zeit danach sein. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) könnte die Löw-Nachfolge im Sommer schnell und zielorientiert lösen. Vier Kandidaten drängen sich auf und bringen beste Voraussetzungen mit, damit die WM 2022 und die Heim-EM 2024 sportlich nicht in einem Desaster enden. Die Namen sind bekannt und bergen kein gesteigertes Risiko.

  • Jürgen Klopp - er kann als Kloppo Begeisterung für die Nationalmannschaft im Land entfachen
  • Hansi Flick - er weiß als Bayern-Trainer sowieso, wie man mit verwöhnten Starspielern umgeht
  • Stefan Kuntz - er kennt als Junioren-Bundestrainer die nächste Spielergeneration bestens
  • Marcus Sorg - er würde als Löw-Vertrauter und Fachmann den eingeschlagenen Kurs fortsetzen

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Innovativ ist keine dieser Lösungen, weil jeder einzelne das täte, was man von einem Bundestrainer erwartet: Er brächte die Mannschaft in Schuss. Das ist eine Menge und doch zu wenig. Es ist offensichtlich, dass der deutsche Fußball Reformbedarf hat, um über die EM 2024 hinaus eine Chance auf große Turniersiege zu wahren.

Löw-Abgang als doppelte Chance auf einen Neuanfang

Kein Teenager in Deutschland kennt einen anderen Bundestrainer als Joachim Löw. Sein Abgang bietet deshalb gleich doppelt die Chance auf einen Neuanfang. Der DFB braucht einen Ruck. Mit Oliver Bierhoffs Appellen ("Zurück an die Weltspitze") ist es jedenfalls nicht getan. Schon die Formulierung hat nichts mit der Basis gemeinsam.

Der Verband braucht einen Praktiker, der über das Tagesgeschäft hinaus denkt und zum Beispiel der DFB-Akademie in Frankfurt Leben einhaucht. Ein Nachwuchskonzept, das Spielformen anbietet und keine Impulse, ist kein Erfolgsrezept. Ganzheitlich muss der Neue denken. Ob als Bundestrainer oder Sportdirektor oder in Personalunion: Das ist nebensächlich. (Umfrage: Wer soll Löws Nachfolger werden?)

Der DFB braucht einen wie Ralf Rangnick

Ralf Rangnick wäre so ein Trainer, der in Konzepten denkt. In Hoffenheim und Leipzig hat er jeweils Ergebnisdruck und Nachhaltigkeit miteinander verquickt. So einen braucht der DFB: Einer, der vom Verband Mut einfordert, den unbequemen Weg zu gehen. Man kann, siehe oben, auch bequemer entscheiden. Aber das wäre halt kurzfristig gedacht.

Der DFB muss sich darüber klar werden, dass die anstehenden Aufgaben nicht mit der Besetzung einer gut bezahlten Trainerstelle erledigt sind. Welche Rolle spielt der Schulsport bei der Kinder- und Jugendförderung? Welchen Doppelpass spielen Auswahltrainer, Nachwuchsleistungszentren und Amateurklubs? Welchen Fußball sollen die Deutschen spielen?

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Das "Wir"-Gefühl fehlt

Joachim Löw gab darauf keine Antworten, weil er sich - aus gutem Grund - zuletzt mit der Nationalelf vom restlichen Treiben im DFB separiert hatte und sein eigenes Ding machte. Die Entfremdung, die man zwischen Nationalmannschaft und Fußballfamilie festgestellt hat, liegt auch in dieser Isolation begründet. Aus "Wir" wurde "Die da".

Es spricht ja nichts dagegen, dass der DFB zusätzlich zu einem Bundestrainer Klopp oder Flick einen Sportdirektor bekommt, der Basis-Arbeit und Elite-Denken nicht für einen natürlichen Widerspruch hält und eben weiß, dass der Erfolg der Nationalmannschaft auch davon abhängt, dass sich Familien den Besuch von Länderspielen wieder finanziell leisten können.

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