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München - Joachim Löw spricht emotional über die vergangenen turbulenten Wochen beim DFB. Seine Zukunft hält der Bundestrainer offen. Die Rückkehr eines Trios ist möglich.

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60 Minuten Joachim Löw! 

Nach Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff hat am Montagnachmittag auch der Bundestrainer Stellung bezogen. Löw brachte in 60 Minuten deutlich zum Ausdruck, was ihm verbandsintern missfällt und was man bis einschließlich der EM 2021 erwarten kann. (Die Pressekonferenz zum nachlesen im TICKER)

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SPORT1 war dabei und fasst Löws wichtigste Aussagen zusammen!  

- Das 0:6 gegen Spanien nagt an ihm  

"Wir haben die Fans dermaßen enttäuscht", sagte der 60-Jährige. Er selbst wache morgens noch immer gefrustet auf.

Das historische Debakel hat er mittlerweile aufgearbeitet. Ganz bewusst habe er sich danach aus der Öffentlichkeit zurückgezogen: "Es waren erst mal intensive Gespräche anberaumt."

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Was ihm gehörig stinkt, ist, dass der DFB selbst in einer Pressemitteilung formulierte, dass Löw Zeit brauche, um einen emotionalen Abstand zum 0:6 herstellen zu können. "Das brauche ich nicht", stellte Löw klar.  

- Weitere Indiskretionen werden Folgen haben 

Bei ihm herrsche "Explosionsgefahr", wenn Dinge nach außen getragen werden, sagte Löw. Er habe sich daher "sehr darüber geärgert" und sei "maßlos enttäuscht" über den zuletzt öffentlich gewordenen Versuch von Fritz Keller, wonach dieser Löw von einem Rücktritt nach der EM 2021 überzeugen wollte. Nur, um nach SPORT1-Informationen öffentlich für Ruhe zu sorgen.

"Ich wünsche mir Geschlossenheit und Vertrauen", sagte Löw. Mit Keller hat der Bundestrainer mittlerweile telefoniert, um sich "auszusprechen". Damit sei die Sache für Löw nun geklärt. 

- Löw will ins EM-Finale 

Zwar betonte der Bundestrainer, dass bei einem Turnier viel passieren könne und es schwierig sei, im Vorfeld über Titel zu sprechen. Dennoch betonte er kämpferisch: "Wir wollen das Finale erreichen und das Turnier gewinnen."

- Weiterhin keine Stadionbesuche 

Kritik hagelte es zuletzt, weil Löw, anders als U21-Auswahltrainer Stefan Kuntz, Stadionbesuche vermeidet und auch nicht beim Topspiel zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig (3:3) vor Ort war.

"Am liebsten würde ich zu Fuß ins Stadion laufen", sagte Löw. Er wolle sich aber weiterhin an die Vorgaben der DFB-Teamärzte und der Politik halten und Kontakte vermeiden, um eine Corona-Infektion zu vermeiden.

"Wir haben eine gewisse Vorbildfunktion", erklärte Löw: "Ich gehe bis Jahresende nicht in Stadien." Er versicherte aber, sämtliche Spiele zu verfolgen, seine Spieler kenne er aus dem "Effeff", die Bundesliga wie seine "Westentasche". 

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- Keine Rücktrittsgedanken  

"Nein, diese Gedanken gab es bei mir nicht", versicherte Löw angesichts der turbulenten vergangenen Wochen. Zwar sei er am vergangenen Montag mit einem offenen Gefühl in die Präsidiumssitzung gegangen, doch bis heute spüre er das volle Vertrauen des Präsidiums.

Allerdings äußerte er sich zu keiner Zeit darüber, ob er seinen Vertrag bis einschließlich der WM 2022 in Katar definitiv erfüllen werde. Entscheidend wird das Abschneiden bei der EM 2021 sein. Löw: "Nach dem Turnier wird Bilanz gezogen." Er versicherte: "Ich habe die Motivation und habe sie nie verloren."

Die schlechte Stimmung im Land der DFB-Auswahl gegenüber will er mit Siegen wiederherstellen: "Die Fans kann man nur mitreißen, wenn man gewinnt. Ich kann die Wut und Enttäuschung absolut verstehen." 

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- Kroos bleibt wichtig

Toni Kroos ist für den Bundestrainer "ein Muster an Beständigkeit und Zuverlässigkeit". Kritik am zuletzt im DFB-Dress enttäuschenden Weltmeister von 2014 lässt er nicht zu. "Über seine Qualitäten zu sprechen ist mühselig", sagte Löw.

Bei ihm und Real Madrid werde Kroos weiterhin eine bedeutende Rolle spielen, versicherte er. Doch auch vom 30-Jährigen erwartet Löw zukünftig mehr Kommunikation auf dem Platz. Zu den DFB-Anführern zählt er Kroos, Kapitän Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Ilkay Gündogan. 

- Trio-Rückkehr noch nicht entschieden 

Löw erklärte nochmals, warum er bislang auf die Rückkehr der ausgemusterten Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng verzichtet hat: "Junge Spieler brauchen Zeit, um sich zu entwickeln." So, wie es die Weltmeister von 2014 bei der EM 2012 und der WM 2010 getan haben. 

Bislang habe er für eine Rückholaktion noch "keine Veranlassung" gesehen. Löw bestätigte, dass er mit dem Trio noch keinen Kontakt hatte, doch riss die Tür weit auf, indem er impulsiv betonte: "Wir müssen schauen, was uns den größtmöglichen Erfolg bringt."

Und weiter: "Viele Spieler haben sich gut entfaltet. Aber das Allerwichtigste ist, im nächsten Jahr zu entscheiden, und da bin ich der Allererste mit meinem Trainerteam, der das tut: Abzuwägen, was die Mannschaft braucht, um beim Turnier erfolgreich zu sein. Ich werde im Sinne des Erfolgs der deutschen Nationalmannschaft alles Erdenkliche tun, was möglich ist. Am Ende entscheiden wir Trainer unmittelbar vor der Nominierung. Denn ich habe heute keine Ahnung, wie sich die Situation im März darstellen wird. Ich hoffe und wünsche mir, dass alle Spieler gut über die Wintermonate kommen."

- Keine Nachfolger-Gespräche mit Bierhoff 

Bierhoff betonte zuletzt, dass er sich qua seines Amtes bereits mit der Zeit nach Löw beschäftigen müsse und darüber auch mit Löw gesprochen habe.

Auf SPORT1-Nachfrage sagte der Bundestrainer: "Ob Oliver das gesagt oder angedeutet hat, weiß ich nicht. Mit mir persönlich hat er darüber in der Vergangenheit und in den letzten Tagen nicht gesprochen. Muss er aber auch nicht, ich habe damit kein Problem. Nach dem Turnier muss entschieden werden. Es ist daher legitim, dass er sich rechtzeitig um Dinge kümmert, die irgendwann mal kommen können. Für mich verständlich und nachvollziehbar."