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München - Ex-Trainer Ewald Lienen erklärt, warum sich der deutsche Fan vom DFB-Team abwendet. Einen großen Anteil habe Oliver Bierhoff mit seiner aggressiven Vermarktung.

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Am Montagnachmittag kam aus Frankfurt die Nachricht, dass Joachim Löw auch künftig die Geschicke der Nationalmannschaft leiten wird.

Der Bundestrainer, so entschied es das DFB-Präsidium nach zweiwöchiger Bedenkzeit, darf zumindest bis zur Europameisterschaft im kommenden Juni im Amt bleiben. 

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Für Ewald Lienen, "Wertebotschafter" des FC St. Pauli, ist das Festhalten an Löw keine Überraschung. "Ich habe mit einer Palastrevolution nicht gerechnet und nie angenommen, dass es zu einer anderen Entscheidung kommt", sagte der frühere Bundesligaprofi und - trainer bei "WE NEED TO TALK", der interaktiven Liveshow von SPORT1.   

Lienen: Festhalten an Löw richtig

Eine Trennung ein halbes Jahr vor dem EM-Turniere hätte Lienen "für unsinnig gehalten", sagte er. "Der Zeitpunkt nach der WM 2018 wäre einer gewesen, etwas zu verändern."

Ausgerechnet Lienen, der schon als aktiver Spieler den Ruf eines Rebellen hatte, auf Kuschelkurs? Keineswegs - denn anschließend knöpfte er sich den DFB und Oliver Bierhoff vor. 

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"Von 2006 bis 2014 hat die Nationalmannschaft unglaubliche Sympathien national und sogar weltweit aufgebaut", erinnert sich Lienen.

"Während wir früher immer gehänselt wurden, dass wir zwar gewinnen, aber nicht schön spielen, hatten wir da eine Phase, wo wir schön gespielt, aber nicht mehr gewonnen haben. Das hat aber zu mehr Sympathie geführt. Bei der WM habe man dann sogar Schönheit und Erfolg in Einklang gebracht.

Lienen: "...dann bin ich falsch gewickelt"

Der DFB habe es dann mit seinen Marketingstrategien unter dem DFB-Manager Bierhoff aber maßlos übertrieben. "Oliver Bierhoff kommt aus der Vermarktungsecke. Ich kann nicht nur meine Seele verkaufen und denken, dass ich damit die Leute gewinne. Fußball ohne Fans ist ein anderer Fußball, er ist im Grunde genommen tot - auch für Investoren. Diese sind nur da, wenn viele Fans da sind."

Lienen redete sich immer mehr in Rage. "Das Erlebnis im Stadion, was wir momentan nicht haben, wird gerade von der aktiven Fanszene immer wieder getragen. Wenn das nicht mehr da ist und ich daraus einen "Supporter's Club" mache, für den ich einen Beitrag bezahle und das auch noch mit einem großen internationalen Konzern garniere, dann bin ich falsch gewickelt und auf einem kompletten Holzweg."

In dem Moment, als der Erfolg ausblieb, sei dem DFB die ungezügelte Vermarktung um die Ohren geflogen. "Ich kann mich nur retten, wenn ich total erfolgreich alles weghaue und die Leute sagen 'na gut, aber sie gewinnen ja alles". Das war leider nicht mehr der Fall - und diese Kombination hat dann dazu geführt, dass das Faninteresse und das Ansehen der Nationalmannschaft in der Öffentlichkeit sehr gelitten hat."