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Stuttgart und München - In der Nationalmannschaft zeichnet sich die Rückkehr zur Blockbildung ab. Dabei könnte neben den Bayern-Stars der Chelsea-Fraktion eine tragende Rolle zukommen.

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Die Blues-Fraktion gibt in der Nationalmannschaft immer mehr den Ton an. Geht es nach Antonio Rüdiger, könnte aus dem Duo schon bald ein Trio werden.

"Mit Timo Werner hat alles gut geklappt, da hab ich meinen Beitrag geleistet. Und ich hoffe, dass das jetzt wieder klappt", schmunzelte Rüdiger auf der Pressekonferenz vor dem Duell gegen Spanien (Nations League: Deutschland - Spanien am Donnerstag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER)

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Nachdem Werner in diesem Sommer - auch dank Rüdigers Charmeoffensive - schon zum FC Chelsea gewechselt ist, befindet sich Nationalmannschaftskollege Kai Havertz unmittelbar vor der Unterschrift bei den Blues.

Starker Chelsea-Block in der Nationalmannschaft

Neben dem normalerweise dominanten Bayern-Block, den nach dem Champions-League-Triumph aktuell nur Leroy Sané und Niklas Süle repräsentieren, könnte künftig das Chelsea-Trio eine weitere starke Fraktion in der Nationalmannschaft bilden. Auch weil der Dortmunder Block, der nach der Abreise von Nico Schulz aktuell nur aus Emre Can und Julian Brandt besteht, immer weiter schrumpft.

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Sind Rot und Blau also im Kampf um den EM-Titel im kommenden Jahr Trumpf?

"Es war immer der große Vorteil der Nationalmannschaft, dass es viele Bayern-Spieler gab. Auch bei der WM kam ein Großteil der Stammmannschaft von Bayern", erklärte der Neu-Londoner Werner auf der DFB-PK am Dienstag. "Es ist immer wichtig, dass man sich gut versteht auf dem Platz. Wenn man im Verein zusammen spielt und Erfolge feiert, ist es klar, dass dann auch bei der Nationalmannschaft ein besseres Verständnis auf dem Platz herrscht."

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Der 24-Jährige verkörpert zusammen mit Süle und Sané gleichermaßen die "goldenen" Jahrgänge 1995/96. Die aktuell geschonten Münchner Triple-Helden Joshua Kimmich, Serge Gnabry und Leon Goretzka komplettieren diese Generation - und sind neben den Rio-Weltmeistern Manuel Neuer und Toni Kroos die Eckpfeiler in Joachim Löws Team.

Werner betont jahrelange gemeinsame Erfahrungen

Dass davon größere Gruppen in einem Verein spielen, ist für Werner "vielleicht gar nicht so wichtig", "weil wir uns alle schon sehr lange kennen und lange miteinander gespielt haben", erklärt der ehemalige Leipziger. "Dieses Gerüst ist eigentlich der Vergangenheit geschuldet."

Ein Blick in die Geschichte verrät, dass die Blockbildung in der Nationalmannschaft eine große Tradition hat.

Beim WM-Triumph 2014 stellten die Bayern mit sieben Spielern die größte Gruppe, gefolgt von fünf BVB-Spielern.

Während um die Jahrtausendwende Teamchef Rudi Völler der Block-Bildung eher abgeschworen hatte und bei der EM 2004 seinen 23er-Kader mit Spielern aus elf verschiedenen Vereinen zusammenwürfelte, waren die großen Erfolge der Nationalelf auch zumeist auf starke Klub-Fraktionen zurückzuführen.

Blockbildung wichtig bei großen Triumphen

Beim bislang letzten EM-Titel 1996 machten die sieben Bayern-, fünf BVB- und vier Werder-Profis einen Großteil des Kaders aus. Begründet wurde diese Tradition von Sepp Herberger, der beim WM-Triumph 1954 im Finale gegen Ungarn fünf Spieler des 1. FC Kaiserslautern um Kapitän Fritz Walter von Beginn an aufs Feld schickte.

Üblicherweise stellt der deutsche Rekordmeister aus München den stärksten Block in der Nationalmannschaft, dazu kamen Spieler des jeweils stärksten Konkurrenten in der Bundesliga. So waren die EM- und WM-Titel 1972 und 1974 auch auf den starken Gladbacher Block um Günter Netzer, Berti Vogts und Jupp Heynckes zurückzuführen.

Dass nun mit Rüdiger, Werner und Havertz ein tragender Legionärs-Block entsteht, ist übrigens nichts Neues. Beim WM-Titel 1990 setzte der damalige Bundestrainer Franz Beckenbauer auf das Inter-Mailand-Trio um Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann.

Werner glaubt, dass sich sein Schritt in die Premier League auch für die Nationalelf auszahlen wird.

"Es ist eine Weiterentwicklung, wenn man ins Ausland geht. Man lernt auch eine andere Art, Fußball zu spielen", erklärte er. "Es wird der Nationalmannschaft bestimmt helfen, wenn es verschiedene Charaktere gibt, die schon viel durchgemacht haben und vielleicht nicht beim kleinsten Widerstand umkippen und sich aus der Verantwortung stehlen."